zu Ehren des heiligen Gall einst den Bären gezollt , da er sie Tiere von bewundernswerter Bescheidenheit nannte277 . » Wir passen zueinand « , rief Ekkehard , » du hast dein Liebstes im Schnee verloren , ich im Sturm , - ich will dir noch eines harfen . « Er spielte eine wehmütige Weise , des war sie wohl zufrieden und brummte beifällig ; er aber , immer seiner Dichtung gedenkend , sprach : » Ich hab ' mich heut eine lange Zeit auf den Namen besonnen für die Hunnenkönigin , in deren Obhut jung Hiltgund zu stehen kam , itzt weiß ich ihn : sie soll Ospirin heißen , die göttliche Bärin278 ! Verstehst du mich ? « Die Bärin sah ihn an , als wäre sie einverstanden , da griff Ekkehard seine Pergamentblätter und fügte den Namen ein . Das Bedürfnis , einer lebenden Seele die Schöpfung seines Geistes mitzuteilen , war schon lange rege in ihm : hier in der ungeheuern Bergwelt , dachte er , mag auch eine Bärin die Stelle einnehmen , zu der sonst ein gelehrtes Haupt erforderlich wäre , und er trat an sein Blockhaus , und auf den Speer gestemmt , las er der Bärin die Anfänge des Waltharilieds , und las mit lauter Stimme und begeistert , und sie lauschte mit löblicher Ausdauer . Da las er denn weiter und weiter , wie die Wormser Recken den Walthari verfolgend im Wasgauwald nachritten und an seiner Felsburg mit ihm stritten - noch horchte sie geduldig , aber wie des Einzelkampfes gar kein Ende ward , wie Ekkefrid von Sachsen erschlagen ins Gras sank zu seiner Vorgänger Leichen , und Hadwart und Patafrid , des Hagen Schwestersohn , das Los der Genossen teilten , da erhub sich die Bärin langsam , als wäre selbst ihr des Mordens zuviel für ein lieblich Gedicht , und schritt würdigen Ganges talab . Auf der Sigelsalp drüben in einsamer Felsritze stund ihre Behausung ; dorthin entkletterte sie , sich zum Winterschlaf vorzubereiten . Das Heldenlied aber , das von allen sterblichen Wesen zuerst die Bärin auf der Sigelsalp vernommen , hat der Schreiber dieses Buches zur Kurzweil an langen Winterabenden in deutschen Reim gebracht , und wiewohl sich schon manch anderer wackerer Verdeutscher derselben Aufgabe beflissen , so darf er ' s doch im Zusammenhang der Geschichte dem Leser nicht vorenthalten , auf daß er daraus ersehe , wie im zehnten Jahrhundert ebensogut wie in der Folge der Zeiten der Geist der Dichtung sich im Gemüt erlesener Männer eine Stätte zu bereiten wußte . Fußnoten A1 Die bei des Abtes Zellen Sind heidnische Gesellen , Grobe , ungescheite , Hochmüt ' ge Bauersleute . Vierundzwanzigstes Kapitel . Das Waltharilied279 . Das war der König Etzel im fröhlichen Hunnenreich , Der ließ das Heerhorn blasen : » Ihr Mannen , rüstet euch ! Wohlauf zu Roß , zu Felde , nach Franken geht der Zug , Wir machen zu Worms am Rheine uneingeladen Besuch ! « Der Frankenkönig Gibich saß dort auf hohem Thron , Sein Herze wollt ' sich freuen , ihm war geboren ein Sohn , Da kam unfrohe Kunde gerauscht an Gibichs Ohr : Es wälzt ein Schwarm von Feinden sich von der Donau vor , Es steht auf fränkischer Erde der Hunnen reisig Heer , Zahllos wie Stern ' am Himmel , zahllos wie Sand am Meer . Da blaßten Gibichs Wangen . Die Seinen rief er bei Und pflog mit ihnen Rates , was zu beginnen sei . Da stimmten all ' die Mannen : » Ein Bündnis nur uns frommt , Wir müssen Handschlag zollen dem Hunnen , wenn er kommt ; Wir müssen Geiseln stellen und zahlen den Königszins , Des freuen wir noch immer uns größeren Gewinns , Als daß , ungleiche Kämpfer , wir Land zugleich und Leben Und Weib und Kind und alles dem Feind zu Handen geben . « Des Königs Söhnlein Gunther war noch zu schwach und klein , Noch lag ' s an Mutterbrüsten , das mocht ' nicht Geisel sein ; Doch war des Königs Vetter , Herr Hagen hochgemut Von Trojer Heldenstamme , ein adlig junges Blut . Sie richteten viel Schätze und fassen drauf den Schluß , Daß der als Pfand des Friedens zu Etzel ziehen muß . Zur Zeit als dies geschah , da trug mit fester Hand Den Szepter König Herrich in der Burgunden Land . Ihm wuchs die einzige Tochter , benamst jung Hildegund , Die war der Mägdlein schönstes im weiten Reich Burgund . Die sollt ' als Erbin einst , dem Volk zu Nutz und Segen , So Gott es fügen wollt ' , der alten Herrschaft pflegen . Derweil nun mit den Franken der Friede gefestigt war , So rückt ' auf Herrichs Grenzmark der Hunnen kampfliche Schar . Voraus mit flinkem Zügel lenkt ' König Etzel sein Roß , Ihm folgt ' im gleichen Schritte der Heeresfürsten Troß . Von Rosseshuf zerstampft die Erde gab seufzenden Schall , Die zage Luft durchtönte Schildklirren als Widerhall . Im Blachfeld funkelte ein eherner Lanzenwald , Wie wenn die Frührotsonne auf tauige Wiesen strahlt , Und so ein Berg sich türmte : er wurde überklommen , Die Saone und die Rhone : es wurde durchgeschwommen . Zu Chalons saß Fürst Herrich , da rief der Wächter vom Turm : » Ich seh ' von Staub eine Wolke , die Wolke kündet Sturm , Feind ist ins Land gebrochen , ihr Leute , seht euch vor , Und wem ein Haus zu eigen , der schließe Tür und Tor ! « Der Franken Unterwerfung , dem Fürsten war sie kund ; Er rief die Lehenträger und sprach mit weisem Mund : » Die Franken , niemand zweifelt ' s , sind tapfre Kriegesleute , Doch mochte keiner dort dem Hunnen stehn zum Streite , Und wenn die also taten , da werden wir allein Dem Tode uns zu opfern auch nicht die Narren sein . Ich hab '