, ein herausforderndes , etwas unverschämtes Gesicht , seit 4 bis 5 Jahren in Pera als Banquier und Geschäftsmann ansässig und überall zu finden . Eine breite Narbe am linken Schlaf zeichnete das Antlitz aus . Mit beiden Personen war der Doctor durch Briefe , die er an sie überbracht , bekannt geworden und in häufigem Verkehr , da sein Leben in Constantinopel bisher ziemlich langweilig und beschäftigungslos gewesen war , eine Muße , die er zum Studium der zahlreichen historischen Merkwürdigkeiten , der türkischen Sprache und der türkischen Sitten benutzte . Er hatte sich zum Eintritt als Arzt bei der Armee in Bulgarien im Seraskiat gemeldet , doch durch allerlei Verzögerungen seine Anstellung bis jetzt hingehalten gesehen . Das Treiben des Barons war für den Deutschen ziemlich räthselhaft , denn Jener schien mit allen Parteien in Constantinopel aus gleichem Fuß zu verkehren und von allen Vorgängen und Intriguen in der genauesten Kenntniß . Die bedeutenden Geldmittel , über die er offenbar disponirte , vermehrten diesen Einfluß , und selbst Welland hatte sich ihm nicht ganz zu entziehen vermocht ; denn , nachdem er den Baron von einem jener leichten Uebel durch seinen ärztlichen Rath befreit hatte , die häufig im Orient sich einstellen und nur durch Vernachlässigung gefährlich werden , hatte der Genesene ihn mit Diensten überhäuft und war sichtbar bemüht , ihn an sich zu fesseln . Paduani , der Dritte , gehörte als Lombarde zur liberalen Partei und zeigte seine Gesinnung mit einer gewissen Ostentation , die namentlich gegen Oesterreich Partei nahm . Dabei verkehrte er viel mit den Führern , der Flüchtlinge und Emigrirten , die jetzt , von jeder Nation , Constantinopel zu überfüllen und einen ähnlichen Uebermuth an den Tag zu legen begannen , wie dies im Frühjahr und Sommer der Fall gewesen war . Offenbar trug dazu der Bruch des russischen und das Sinken des österreichischen Einflusses bei , während der französische und englische Schutz jetzt allgewaltig waren . Dennoch hatte Welland bald die Beobachtung gewacht , daß man dem Italiener nicht recht zu trauen schien . Da er jedoch mit den Personalverhältnissen in Constantinopel sehr vertraut war , hielt sich der Deutsche , der erhaltenen Instruktion gemäß , in Verbindung mit ihm . Das Gespräch drehte sich , wie jetzt überall der Fall , im Kreise der großen Tagesfragen . Die Kriegserklärung war am 26. September im großen Rath der Pforte , aus 172 Mitgliedern bestehend , beschlossen worden . Kaiser Nicolaus hatte mit dem österreichischen Kaiser am 26. bis 28. eine Zusammenkunft im Lager von Olmütz gehabt , aus der unter Aegide des österreichischen Premiers ein neues Notenproject hervorgegangen war , das zwar das wiener Kabinet in Paris , London und Wien befürwortete , doch erwies sich die Zeit den Ausgleichungsvorschlägen keineswegs mehr günstig und die Forderungen und Gegenforderungen verwickelten sich immer mehr . Während die drei Monarchen der heiligen Allianz am 3. October noch eine Zusammenkunft in Warschau hielten , erließ der Sultan , von allen Seiten gedrängt , am 4. October - am 1. Muharem nach türkischer Zeitrechnung - ein Manifest an sein Land mit der Kriegserklärung gegen Rußland , und Omer Pascha richtete auf den Befehl der Regierung unterm 6. die Aufforderung an den Fürsten Gortschakoff , den Oberbefehlshaber der russischen Besatzungstruppen , die Fürstenthümer bis zum fünfzehnten Tage zu räumen , widrigenfalls die Feindseligkeiten eröffnet werden würden . Der Fürst erwiderte in sehr gemäßigter Weise , daß er keine Vollmacht habe , Krieg zu führen , Frieden zu schließen oder die Donaufürstenthümer zu räumen . Während noch immer Friedensvorschläge sich von Constantinopel , Wien , Paris und London her kreuzten und so einer sich im andern aufhob , drangen die Gesandten der Westmächte in den Sultan , die Flotten aus der Besika-Bai in den Bosporus zu berufen , und erlangten endlich nach langem Sträuben des Großherrn am 15. den Ferman dazu . Admiral Dunbas , der Oberbefehlshaber des englischen Geschwaders , hatte zugleich die Anweisung seiner Regierung erhalten , den Admiral in Sebastopol zu benachrichtigen , daß , wenn die russische Flotte ausliefe , um Truppen auf türkisches Gebiet zu bringen , oder irgend einen Akt offener Feindseligkeit gegen die Pforte zu begehen , er den Befehl habe , die Besitzungen des Sultans gegen jeden Angriff zu schützen . Diese Ankündigung deutete bereits klar auf die Absichten der Westmächte hin , da der türkischen Flotte keineswegs eine Reciprocität auferlegt wurde und türkische Fahrzeuge fortwährend Kriegsmaterial und selbst Zuzüge an die tscherkessischen Küsten schafften . Kaiser Nicolaus machte noch einen persönlichen Versuch , die deutschen Kabinette für seine Interessen zu gewinnen , und traf zu diesem Ende am 8. October in Saussouci ein , seinen erlauchten Gast und Schwager , den König von Preußen , dahin zurückbegleitend . Es war das letzte Mal , daß der mächtige Kaiser die fremde liebliche Stätte sah , von der er einst die Mutter seiner Kinder geholt hatte . Schon in der Nacht zum 10. trat er wieder die Rückreise nach Petersburg an . Der König von Preußen begleitete ihn - ein treuer Freund ! - bis zum stettiner Bahnhof in Berlin - Augenzeugen berichten , daß er mit Thränen dort von dem Kaiser schied . Welche Gefühle mögen beide große Herzen bei jenem Abschied bewegt haben , wenn sie auch nicht ahnen konnten , daß es das letzte Schauen im Leben war ! Zwei treue vielgeprüfte und vielbewährte Freunde auf hohen Thronen , die letzte Mahnung des königlichen Paters ehrend - hat nur das Grab ihr Bündniß gebrochen . Unter dem Vielen , was das preußische Volk König Friedrich Wilhelm IV. schuldet , sind gewiß jene Tage in Sanssouci nicht das Kleinste . Dem Freunde , dem Schwager , den historischen Erinnerungen und dem eigenen Herzen gegenüber blieb der preußische König fest bei seinem Entschluß , sein Volk fern zu halten von dem sich bereitenden Kampfe , dessen Veranlassung er für keine gerechte hielt , so lange nicht die unumgängliche Nothwendigkeit ihm das Schwert in die Hand drängen würde . -