Fahrweg durch den Wiesengrund ; Alles athmete Schönheit , Genuß und Erfüllung . Nur Fennimors kurzer Schlaf hatte den unruhigen Athem des beklemmten Herzens ; ihre Wange sank bleicher ein , und das Auge war nur halb geschlossen . Emmy hörte Schritte nahen ; sie riß sich von dem schwermüthigen Anblicke ihres Lieblings los , um leise die Thür zu öffnen - der Marquis de Souvré trat herein . - » Meine gute Frau , « sprach er , » ich muß Eure Herrschaft sprechen , laßt mich nur näher treten . « » Da ist sie , « erwiederte Emmy , mit bitterm Hasse im Blicke . » Stirbt sie Euch noch nicht früh genug , so wird es Euch bald gelingen , es zu vollenden . « » Das alte Hexenschloß « lachte Souvré , » hat in Wahrheit würdige Bewohner ; jedes singt auf seine Weise irgend ein Beschwörungslied . Mit Euch muß ja ein ehrlicher Mann den Muth verlieren zu reden ! « » Ihr freilich , « zögerte Emmy nicht zu erwiedern , » Ihr solltet ihn billig verlieren ! Aber Ihr , prophezeihe ich , werdet ihn behalten , bis Ihr allen Frevel vollführt , den Ihr beabsichtiget . « » Immer besser ! « rief Souvré , » doch , Kind , Du bist zu gering zum Wortgefechte - tritt bei Seite - siehe , Deine Herrin ist erwacht ! « » Wer ist da ? « rief Fennimor zusammen schaudernd . - » Mein böser Geist ! « setzte sie ihn erkennend hinzu . » Ich hoffe , « sagte Souvré , sich ihr nahend , indem er über sie weg mit vornehmer Nachlässigkeit das Zimmer musterte , » Ihr habt jetzt die kleine Erschütterung überwunden , mit der Ihr jedes Mal meine Erscheinung beehrt ; es ist um so nöthiger , da Ihr gezwungen seid , mit mir einige Dinge zu besprechen , die für Eure Zukunft wichtig sind . « » Wo ist Leonin ? « fragte Fennimor , sich aufrichtend . - » Davon nachher ! « sagte Souvré leicht , indem er durch das Fenster blickte , » vorerst nicht bei mir , wie Ihr seht . « » Das ist gut , « erwiederte Fennimor ruhig , - » wenn er nur nicht bei Euch ist , da kann ich leichter Eure Gegenwart ertragen ; Ihr habt keine Gewalt über mich ! « » Nicht ? « sagte Souvré , und sein boshaftester Blick flog über sie hin ; » wir wollen sehn ! So vorbereitet , wie Ihr Euch auf mich habt , scheint es wohl , ist jede Schonung überflüssig ; doch wollen wir sehen , ob ich keine Gewalt über Euch habe . « » Ueber mein äußeres Schicksal sicher « - sagte Fennimor - » das fühle ich eben immer , wenn ich Euch sehe . Ich meine nur , über meine Seele habt Ihr keine Gewalt , und ich habe bessere Kraft , nun ich allein mit Euch bin ; wenn Leonin dabei ist , fühle ich nur das Leid , was Ihr ihm angethan , und dann ist der Schmerz größer . « » Ihr seid nicht zurückhaltend in Euren Meinungen über mich , das muß ich gestehen . Doch muß ich glauben , Ihr gebt mir den Ton an , der unter uns walten soll . So hört denn ! Ich habe mich aus Freundschaft für die Familie des Grafen Crecy-Chabanne der Mühe unterzogen , Leonin , den jungen Grafen und einzigen Erben , aus einer Verbindung loszumachen , in die ihn Leichtsinn , Unwissenheit und , wie ich gern eingestehe , Eure schönen blühenden Wangen und die zu bereitwillige Gastfreundschaft Eures Vaters geführt haben ; indem der junge Mann natürlich in seine ehrenvollen , angestammten Verhältnisse nicht zurückkehren konnte , ohne die Unzulässigkeit dieser anscheinenden Verbindung zu empfinden , da nie , auf keinem Punkte , weder bei seinen Eltern , weder bei seinem Könige , noch , und am wenigsten , bei seiner Kirche eine Anerkennung dieses leichtsinnig geschlossenen Vertrages denkbar ist . - Hiervon Euch , bei Eurer Unkenntniß der Welt , einen Begriff zu machen , habe ich übernommen ; zugleich Eure und Eures Kindes Verhältnisse so sorglos zu stellen , als es Euch zukommt , von einem Manne zu fordern , der in so unabhängigen Vermögensumständen ist , als der junge Graf Crecy . « » Ich kann Euch noch nicht verstehen , « entgegnete Fennimor , noch immer ruhig ; » denn , was Ihr sagt , ist ja Alles unrichtig - ich weiß nicht , was Ihr von unserer Vermählung denkt ! Freilich soll die Vermählung bei den Katholiken anders sein ; aber sie muß doch immer dasselbe bedeuten , sonst wäre ja die Eurige keine christliche Verbindung . « » Legt endlich Eure Unerschütterlichkeit ab , mit der Ihr mir unbeschreiblich lästig fallt ! « sagte jetzt Souvré , indem er übellaunig aufstand . » Ist denn das nicht zu verstehn , was ich Euch sage ? Ihr seid nach katholischem Rechte gar nicht vermählt , Eure anscheinende Verbindung in jeder Beziehung völlig ungültig . Kein Mensch erkennt Euch für des Grafen Gemahlin , kein Mensch dies Kind für ein ehelich geborenes an . Dies soll ich Euch bekannt machen , damit Ihr eine Art Erklärung darüber unterzeichnen könnt , die ich hier bei mir führe , die Euren Begriffen nach , eine Art Scheidung auch jener Ceremonie , auf die Ihr Euch zu stützen scheint , rechtskräftig bewirkt , und dem jungen Grafen Crecy , der zu einer hohen Hofverbindung bestimmt ist , seine Freiheit wieder giebt . « Fennimor stand auf , langsam aber fest , die Stuhllehne krampfhaft haltend - sie schien zu wachsen - das treulose Blut , was ihr Herz erdrücken wollte , strömte in ihre Wangen zurück . Die zahllosen Stiche , die sie empfangen und , zweifelnd , daß sie ihr gelten könnten , immer