größte Erstaunen . » Meister « , sagte ich zum Schneider , » ist uns denn etwa der Grobschmidt unterweges abhänden gekommen ? Diese Jungfer Schnotterbaum scheint anstatt seiner ihren verstorbenen Herrn Vater zur Einquartierung empfangen zu haben . « » Nichts als Winkelzüg ' ! « rief der Magische . » Solche Höllenbrut wechselt in einem Augenblicke sechzigmal die Farb ' , um nur ein Schnippchen zu schlagen . Ein Grobschmidt und kein Magister sitzet und wohnet in der Schnotterbaum , und zwar ' n der Grobschmidt oben aus der Teufelsschmiede , der seinen Knecht mit dem Hammer erschlagen und dann in den grundlosen Tümpel gestürzt hat , allwo seine Knochen noch tief unter Schlamm und Moder liegen . « Weinend und schluchzend sagte die Nähterin : » O Gott , muß ich einen so furchtbarlichen Geist in mir beherbergen ? Ich glaubte zum wenigsten , mit meinem seligen Herrn Vater davonzukommen . « - » Ja , Jungfer « , sprach der Schneider und half ihr vom Boden auf , » dawider hilft nun nichts . Wem ein Dämon beschieden ist , der bekommt ihn . Übrigens werdet Ihr wohl einsehen , daß fortan Eure Stelle nur in dem Etablissement der Herren Doktoren Kernbeißer und Eschenmichel sein kann . « Traurig und erschöpft antwortete die Schnotterbaum : » Dem ist so . Die Schickungen müssen nun ihren Gang gehen . « - Sie packte ein Bündelchen Wäsche zusammen und gab ihrem Hänfling Futter auf acht Tage . Dann legte sie ihre Nähsachen in sauber gefaltete Pakete , reichte diese einem Jungen und hieß ihm , sie den Leuten zurückzubringen , mit der Bestellung , sie könne nicht mehr arbeiten , denn sie habe einen Dämon im Leibe . Während dieser kleinen Beschäftigungen kamen Kernbeißer und Eschenmichel , denen schon etwas angesagt worden war . Dürr , welcher , als die beiden Doktoren eintraten , mitten in der Stube stand , sagte groß und ruhig , wie Falstaff , als er den Percy bringt : » Da habt ihr den Dämon ! « Wir führten die Schnotterbaum im Triumph nach dem Etablissement und gaben ihr ein kleines Familienfest aus dem Stegereif . Dürr ging oder taumelte vielmehr bald nach seinem Stalle , worin er ein für allemal seine Wohnung aufgeschlagen hatte , der außerordentliche Mensch . Kernbeißer ließ zur Ehre der Magie den Stall mit bunten Lampen erleuchten . Sehr glücklich sanken wir alle auf unser Lager . Wir glaubten über alle Berge zu sein . Eschenmichel stand nur in Zweifel , ob er den Dämon katholisch oder evangelisch machen solle . Die Schnotterbaum lag die Nacht durch in wütenden Krämpfen , was uns weiter nichts anging , denn wir hatten es nicht mit ihr , sondern mit ihrem Mietsmanne . Die folgenden Tage und Wochen waren freilich stürmisch , und wir sahen , daß wir noch nicht einmal die Vorhügel des Berges , geschweige den Berg erstiegen hatten . Der magische Schneider blieb dabei , daß der Grobschmidt aus der Teufelsschmiede in die Schnotterbaum gefahren sei , und kämpfte wie ein Held für diese Wahrheit , die er , sooft er nüchtern war , dem Dämon unter fürchterlichen Bedräuungen in das Antlitz sagte , oder vielmehr in den Mund der Besessenen hinein . Dagegen versicherte der Dämon , er sei kein Grobschmidt , sondern ein Magister , habe keinen Knecht mit dem Hammer erschlagen , sondern nur über dies und das frei gedacht . Es war wohl das erstemal , daß das Zwischenreich so mit sich selbst in Konflikt geriet . Denn einer von beiden konnte doch nur recht haben , der Seher Dürr , oder der Dämon . Die Schnotterbaum verhielt sich dabei leidend . Sie pflegte zu sagen : » Ich bin dermaßen herunter , daß mir ' s gleich ist , wen ich in mir trage , den Grobschmidt oder den Magister , meinen Vater . Ist ' s der letztere , dann haben sich die Herren eine Rute gebunden , als sie mich ins Haus nahmen , denn der Magister wird eine Bosheit auslaufen lassen , von welcher ihnen nichts träumet . « VIII. Der Geist eines Grobschmidts mit den Erinnerungen eines Magisters Endlich nach unablässiger Bedräuung , vielem und oftmaligem Anschreien , Beschwören in dem Idiome der inneren oder Ursprache , schrecklichem Gebärden und Einwirken durch Augenrollen brachte es der magische Schneider dahin , daß der Dämon in sich schlug und anfing der Wahrheit , wenn auch noch nicht Gotte die Ehre zu geben . Eschenmichel hatte dazu durch fleißige Vorhaltungen in seiner logisch-scharfen Manier wacker mitgeholfen . So zum Beispiel sagte er eines Tages zum Dämon : » Wenn wir sehen , daß du ein Grobschmidt bist , so kannst du doch kein Magister sein , begreifst du das nicht , Verworfener ? « - Dämon wurde dazumal ganz still und schämte sich vermutlich seiner Dummheit . Am vierzehnten September abends sieben Uhr erfolgte die erste offene Beichte . Das Leibliche der Jungfer Schnotterbaum lag damals , von den unaufhörlichen Krämpfen und Anspannungen bestürmt , fast im Zustande der Auflösung . Der Dämon aber sprach aus ihr , zwar mit schwacher jedoch mit vernehmlicher Stimme , ja , er wolle es nur gestehen , er sei der Grobschmidt Bumpfinger aus der Teufelsschmiede und nicht der Magister Schnotterbaum , von Hall bürtig . Gestand hierauf auch alles ein , was wir bereits von ihm wußten . Die folgenden Tage wurden nun verwendet , den Dämon in seiner wahren Gestalt recht fest werden zu lassen . » Denn « , sagte Dürr , » schlägt er wieder in den Magister zurück , so geht die Arbeit von vorn an . « Er mußte deshalb wohl zwanzigmal seine Grobschmidtsgeschichte vom ermordeten Knecht wiederholen , dergestalt , daß die Schnotterbaum von diesen Anstrengungen ungeduldig wurde und einstmals ausrief : » Liebe Herren , laßt es nun gut sein , er hat es ja schon so oft dargelegt , und im übrigen wird er doch nicht mehr