sich verheiraten sah , hatten die Virtuosen , die nun abgereiset waren , ihre letzten Liebhaber , als leichtsinnige Musiker ihr Verdruß gemacht , und vielleicht ihrem Ruf geschadet , genug , sie nahm sich vor , sich ebenfalls zu verheiraten , um als ehrsame Frau , unter dem Schilde ihres Eheherrn , alle Verleumdungen und nachteiligen Gerüchte niederzuschlagen , und da ihr nichts mißrät , was sie ernsthaft will , so war sie denn auch schon nach vier Wochen , zum Erstaunen der ganzen Nachbarschaft , eine ehrbare und unbescholtene Hausfrau . « » Und wen hat sie geehlicht ? « fragte Leonhard in gespannter Erwartung . Elsheim antwortete lächelnd : » Der gute Mannlich ist von ihr geheiratet worden , denn einen Monat vorher war es ihm wohl noch nicht als möglich erschienen , daß ihn dies Schicksal betreffen könne . Aber er ist glücklich mit ihr , sie ist es mit ihm , und wer kann dann noch etwas Erhebliches gegen diese Verbindung sagen ? Seit zwei Monaten ist er auch Vater eines Knaben , und er weiß es schon jetzt genau , wie er diesen erziehen will , und welche Talente sich in dem Kinde entwickeln werden . Sie ist völlig umgewandelt , wenn man den Ausdruck von einem Wesen brauchen darf , welches niemals einen Charakter hatte . Sie hat sich nämlich der Frömmigkeit ergeben , Mannlich hat nachfolgen müssen , und steht jetzt mit den Missions-Gesellschaften und anderen frommchristlichen Brüderschaften in Korrespondenz und enger Verbindung . Er ist , von ihr angetrieben , so eifrig geworden , daß er oft auf seinem Gute fromme Konventikeln hält ; er predigt , sie singt , Bauern und Dienstboten helfen , und sein eigener Kutscher schreit bei offenen Fenstern so laut , daß sie es oft , wenn der Wind so steht , auf dem nächsten Gut vernehmen . « » Und das Komödienspiel ? Und Berlichingen ? Und Goethe ? « fragte Leonhard . » Alles das « , sagte Elsheim , » ist jetzt die allergrößte Sünde und Bosheit , die der Teufel in persönlicher Gestalt auf der Erde eingeführt hat . Alle Poesie , die geistliche abgerechnet , ist abscheulich ; alle , die sich daran erfreuen , sind ewig verdammt , und kommen mit Shakespeare , Raffael , Lessing , vorzüglich aber mit Goethe , wenn der einmal stirbt , in ein und denselben Schwefelpfuhl . « » Ist es möglich « , rief Leonhard im höchsten Erstaunen , » daß diese Menschen , gerade diese , sich von ihrer ersten Bahn so weitab verirren konnten ? « Elsheim sagte : » Gerade diese am ersten , Freund , denn in ihnen ist kein Widerhalt , keine Sperrung und kein Hemmschuh , der dem Laufe abwärts irgend entgegenwirkte . Ich sagte ihr einmal : Schöne Frau , Sie sind noch viel zu jung und reizend , um jetzt schon mit dem Heiland zu kokettieren , der bleibt Ihnen für alle Zukunft gewiß , nehmen Sie doch fürs erste noch einige junge Fäntchen in Anspruch , die nichts Besseres wünschen , als von Ihnen aus dem Groben gebildet zu werden ; - aber - ich wurde mit meiner Sündhaftigkeit , falschem Witz , Arroganz und Übermut von der Frommen schön abgeführt und zur Ruhe verwiesen , so daß ich es nicht zum zweitenmal wagte , sie in ihrem Glauben irremachen zu wollen . « Leonhard war nachdenklich geworden ; dann sagte er : » Erinnerst du dich der schönen , bedeutenden Worte Othellos , als er schon alle Schandtaten seiner Frau erfahren hat und sie glaubt als er schon ihren Tod beschlossen hat , wie er immer wieder von seiner Liebe und ihrer Schönheit überwältigt ausruft : Aber , es ist doch schade ! Jago , es ist schade , - Wie soll man die Schönheit künftig anbeten , da auch diese ein solches Ende genommen hat ? « » Ja wohl « , antwortete Elsheim , » denn sie war schön und ist es noch . Lange noch wird sie es bleiben , und man muß sich nur darüber am meisten verwundern , daß diejenige , die sonst das Netz nach allen Männern auswarf , nun so prüde und zurückgezogen lebt , und so strenge ist , daß sie auch nicht den unschuldigsten Scherz , auch die harmloseste Leichtfertigkeit nicht duldet . Albertine ist jetzt , mit ihr verglichen , ein ausgelassener Freigeist . « » War dies denn nun auch « , sagte Leonhard , » im Buch des Schicksals so niedergeschrieben , oder ist es eine willkürliche Sündhaftigkeit , schlimmer als die vorige ? « » Mag es sein , wie es will « , erwiderte Elsheim , » ich habe wenigstens dazu beigetragen , meinen ehemaligen Freund und Ausbildner in diese Lage zu versetzen . Sein Gut ist jetzt schuldenfrei , er kann anständig leben , Sorgen werden ihn nicht quälen , wenn er nicht auf eine wahnsinnige Art wirtschaftet , und die Summe , die ich ihm dazu vorgeschossen habe , werde ich niemals zurückverlangen . « » Billigst du es nicht auch « , warf Leonhard schnell ein , » da ich jetzt eine Tochter habe , und die Aussicht auf mehrere Kinder wahrscheinlich ist , daß wir unserm Franz , damit er , auch wenn wir sterben sollten , seine Laufbahn machen kann , ein kleines Kapital niedergelegt haben ? Friedrike war sehr erfreut , als sie mir diesen Gedanken vortrug , daß ich ihn sogleich billigte , und auch von dem Meinigen dem hinzufügte , was sie von ihrem Vermögen dazu bestimmt hatte . « » Brav , mein Leonhard ! « rief Elsheim , » und ihr erlaubt mir auch gewiß , diesen Fond noch etwas durch meinen Betrag zu vergrößern . « » Aber wo sind die Virtuosen geblieben ? « fragte Leonhard , nachdem er seinem freigebigen Freunde gedankt hatte . » Sie reiseten von mir nach England « , sagte dieser ,