; Euer tugendhafter Muth , Euer offener Karakter haben Euch verlockt . Ormond war zwar näher getreten , aber wie gelähmt von dem Vorgefallenen und ihren eben gehörten Erklärungen . Die Worte erstarben ihm ; er hob nur seine Augen zu ihr auf , in denen der Vorwurf mit dem Schmerze um den Vorrang kämpfte . Es ist genug , rief Maria , allen ihren Muth sammelnd , ich werde nicht betrogen ; unläugbare Beweise haben die traurige Nothwendigkeit bestätigt , der ich mich jetzt unterwerfe . Ich muß schweigen , aber vielleicht würdigt mich noch Gott dereinst des einzigen von mir ersehnten Glückes , mich vor Euch gerechtfertigt zu sehen ; ja , vielleicht ist es mir durch diesen mich niederbeugenden Schritt dereinst noch möglich , meinen theuern Wohlthätern nützlich zu werden . Laßt mich jetzt , Mylords , und richtet nicht , wenn es Euch möglich ist . Ihr wollt fort von uns , stammelte Richmond , fort von Euern Freunden ? Ihr verschmähet unsern Beistand , Maria , theure Maria ? Die Unglückliche verhüllte ihr Gesicht , ihr Muth war dahin , ihre Sinne schwanden , sie hörte nichts mehr . Es scheint mir , Mylord , daß ich Euch alle Geduld und Nachsicht bewiesen , auf die Ihr irgend Anspruch machen konntet , sprach endlich Membrocke . Ich fordere jetzt , daß Ihr zurücktretet und die Lady ihrer freien Wahl überlaßt , die , wie Ihr gesehen , zu meinen , nicht zu Euern Gunsten ausfiel . Noch immer ruhten Richmonds Augen auf Maria , die mit verhülltem Gesicht auf ihren Knien in der Sänfte lag und kein Zeichen des Lebens gab , das , den Andern unbewußt , von ihr gewichen war . Ormond ergriff , von Richmonds Zustand gerührt , seinen Arm und zog ihn zurück , wohl einsehend , daß ihre Macht vorläufig hier nicht ausreiche , doch fest entschlossen , Membrocke nicht aus den Augen zu verlieren . Membrocke benutzte dies , verschloß die Sänfte und setzte den ganzen Zug in rasche Bewegung . Als sie dahin zogen und kein Zeichen des Widerstandes in der Sänfte noch eine Hoffnung übrig ließ , stürzte Richmond an Ormonds leidende Brust , und Beide hielten sich im Bewußtsein eines großen Schmerzes fest umschlungen . - Wir müssen Beide jedoch sich selbst überlassen und der unglücklichen Maria folgen , die wir mehrere Tage später in einer völlig veränderten Lage wieder finden . Lord Membrocke nämlich , nachdem er sie bis dahin mit leidlicher Haltung geführt hatte , übergab sie eines Morgens beim Aufbruch zur weiteren Fortsetzung der Reise einem andern Begleiter , der angeblich auf einige Zeit ihre Reise leiten würde , da es ihm jetzt obliege , voran zu eilen , um ihren Oheim von ihrer nahen Ankunft zu unterrichten . Alles , was Lady Maria von der Gegenwart des Lord Membrocke befreite , schien ihr glaublich und annehmbar . Sie fügte sich daher ohne Gegenrede in diese Anordnung und trennte sich mit erleichtertem Herzen nach kurzem höflichen Abschiede . Ihrem Oheim durch diesen Mund den Gruß ihrer Liebe voran zu schicken , konnte sie sich nicht überwinden . Der Tag , an dem wir uns ihr wieder zugesellen , war einer der angestrengtesten der ganzen Reise . Die anbrechende Nacht verhüllte von Außen die Gegenstände und gestattete keine Wahrnehmungen mehr über den Weg , den Lady Maria in ihrer kleinen Sänfte zu verfolgen hatte . Die unwillkürliche Zerstreuung , die der Tag ihr gewährte , hörte hiermit auf , und zurück gedrängt in ihren Sitz , ward sie aufs Neue von allen Bedenklichkeiten über ihre Lage ergriffen . So sehr sie sich durch die Entfernung des Lord Membrocke erleichtert fühlte , konnte sie doch daraus keinen beruhigenden Schluß ziehn . Aufs Neue entzog sie ihm vielmehr ihr mühsam geschenktes Vertrauen , um zu erforschen , ob sie endlich doch von ihm betrogen worden sei . Aber was ward dann aus dem Briefe des Oheims , denn sie nicht bezweifeln konnte ? Warum überließ er sie ohne Widerstand jetzt einer andern Obhut ; was konnte ihm eine Entführung aus dem Schlosse ihrer Beschützer nützen , wenn er sich nicht dadurch seine Gewalt über sie sichern wollte ? Und in welcher Gewalt war sie jetzt ? Setzte sie ihre Reise nach Lord Membrockes Bestimmung fort , sollte sie dennoch ihren Oheim erreichen , oder war noch irgend ein ihr unbekanntes Interesse für ihre Person , das jetzt über ihr waltete ? Oft erschreckte sie der Gedanke , jener wilde Lord , welcher sie zwang , aus dem Schlosse ihrer Tante zu entfliehen , könne jetzt über sie gebieten ; aber wie wenig stimmte dafür die Art ihrer Behandlung , wie wenig paßte das Wesen des Mannes , der ihr Reisegefährte war , zu den bösen Absichten , die sie dann hätte fürchten müssen . Der Fremde , der sie begleitete , hatte allmälig ihre Achtung und ihr Vertrauen gewonnen .. Obwol er erst im mittleren Alter stand , war dennoch der Ausdruck seines Gesichts von einem tiefen schwermüthigen Ernst , und seine scharfen edeln Züge wurden durch die Blässe seiner Farbe noch erhöht . Er lächelte nie , aber sein Ernst war mit so viel Milde gepaart , sein Organ so wohltönend , daß eine mehr hervortretende Freundlichkeit nicht vermißt ward . Er war weit davon entfernt , gegen Lady Maria die Dienstbeflissenheit eines galanten Mannes anzunehmen . Ruhig nahm er wahr , was ihr nöthig oder angenehm sein konnte , und er ertheilte darnach seine Befehle , ohne jemals selbst sich einer Dienstleistung zu unterziehen . Ihre Anfangs dringenden Aufforderungen , sich über seine Absichten und Vollmachten zu erklären , und ihr zu sagen , ob sie noch das frühere Ziel ihrer Reise erreichen werde , wußte er ganz von sich abzulehnen , indem er mit der höchsten Milde immer aufs Neue wiederholte , daß sie ohne Furcht und Sorge seiner Führung vertrauen könne , daß keine Art von Widerwärtigkeit sie treffen solle , so