überraschenden Freundlichkeit und vorhergegangnen Schimpf , nur bezwecke , vor der Gesellschaft den Zwist sammt dessen Ursache zu verbergen , oder ihm eine noch empfindlichere Beleidigung zufügen zu können . Daher konnte ihm kein Bissen schmecken , kein Tropfen munden , und ihm war es sehr willkommen , als der Stubendiener ihn benachrichtigte , im Vorgemach harre ein Knecht , der ihm Wichtiges zu verkünden habe . Er stand schnell auf ; indessen erschien aber auch bereits der Hausmeister und rief mit vollen Backen ; » Ihr werdet Euch wundern , ehrsamer Herr Frosch . Das Unglück .... mir selbst zittern alle Glieder ! « - » Nun , was gibt ' s ? « fragte der Schultheiß mit schadenfroher Ahnung , während der Bürgermeister den erschrocknen Diether wieder auf den Stuhl niederzog . - » Eure Tochter , das tugendbelobte Fräulein Wallrade « .... - stammelte der Schwätzer ferner . » Meine Tochter ? « entgegnete Diether mit erlöschender Stimme . - » Sie ist in ' s Unglück gerathen , da sie eine Stunde Feldwegs von Wiesbaden gekommen ! « platzte der Hausmeister heraus : » Die Herren vom Stegreif , welche dort und hier die Landstraßen unsicher machen , haben sie aufgefangen , und , Gott weiß in welches ihrer Raubnester gebracht . Erst gestern wurden ihre Leute freigelassen und mit verbundnen Augen in der Nacht an einem Kreuzwege ausgesetzt , wenig Stunden von hier , unfern auch von dem Gebirge . Knecht und Zofe haben die erschreckliche Kunde mitgebracht , und Eure Hausfrau fordert Eure Heimkehr , Herr ! « - » Gleich , gleich , « stotterte Diether halb außer sich , und nach Mantel und Piret rufend , welches ihm der Stubendiener zögernd und faul herbeibrachte . Indessen ging die Nachricht schnell um die ganze Tafel , und Dagobert sprang ebenfalls auf , um dem Vater zu folgen , der sich gerade der Thüre näherte , als der Schultheiß zu dem Bürgermeister laut genug sagte : » Wie könnt Ihr nur eine Frage verschwenden nach dem Thäter , wohlweiser Herr ? Wie die Sachen in jenem Hause stehen , ist mir nicht fremd . Man muß wissen , daß die Stiefmutter und der eigne Bruder die arme Schwester stets verfolgten , und daß der Erstern leiblicher Bruder ein weitberüchtiger Buschklepper ist , der im Stadtbann wie im Kirchenbann liegt , um den ganzen Handel begreifen zu können . « - Diether horchte hoch auf ; schleuderte dann einen vernichtenden Blick auf seinen Sohn , und rannte ungestüm aus der Thüre . Dagobert , den Groll des Vaters übersehend , trat jedoch festen Schritts und schnell auf den Schultheißen zu , und sagte mit Gewicht : » Wie mögt Ihr nur , edler Herr , solch unüberlegt Wort in offner Gesellschaft meinem Vater und mir zum Gehöre reden ? Wie mögt Ihr meine Stiefmutter beschimpfen , die des Leuenberger ' s sittenlosen , übeln Wandel nicht theilt , sondern stets ein Muster von Rechtschaffenheit für die ganze Stadt gewesen ? « - Der Ritter maß den Jüngling , auf den sich alle Blicke richteten , vom Kopf bis zu den Füßen , und verzog höhnisch den Mund . » Wenn ich auch sehr gut begreife , « sprach er , » wie es kommt , daß hier der Stiefsohn für die Stiefmutter so heftig Partei nimmt , so möchte ich das Recht wohl kennen , das Euch zusteht , mich zur Rede zu setzen ? Ich muß Euch auffordern , vorlauter Mensch , zu schweigen , wenn ich nicht reden soll . « - » Frei heraus : « entgegnete Dagobert , in welchem das vom Schultheiß gegen Esther beabsichtigte Unbill die Flamme schürte : » Frei heraus ! Ich habe schon gesehen , daß ihr scheel auf mich schaut . Vielleicht erfahre ich jetzt , warum . Doch rathe ich Euch , jede Schmähung gegen Vater oder Mutter unterwegs zu lassen , soll ich nicht vergessen ... « - » Mäßigt Euch ! « flüsterten ihm mehrere theilnehmende Freunde zu , und ein begütigender Blick von der Frau von Dürningen machte ihn schweigen . - » Ihr habt Euch schon vergessen ; « braußte der Schultheiß auf ; » doch soll man nicht sagen , als wollte ich vergelten , was der Jugend Thorheit , oder der Trunk aus Euch spricht ; als Ritter und als Schultheiß vergebe ich Eure rohe Unart . Aber als Stubenmeister dieser löblichen und reinadelichen Gesellschaft habe ich ein Wort zu Euch zu sprechen , das früher schon gefallen wäre , hätte ich früher Eure Anwesenheit bemerken , oder Euern Vater nicht schonen wollen . Warum , junger , unbesonnener Gesell , erfordern unsre Ordnungen acht Ohrenschilder zur Aufnahme in die Genossenschaft ? Damit nur reinadeliche Gesinnung in diesem Kreise herrsche . Wer gegen Sitte , Zucht und Biederkeit handelt , was schlechter Gesellschaft plegt , zum Abschaum des Pöbels herniedersteigt , und mit Rohheit den Adel und die Würde schmäht , wird aus diesem Haus gewiesen , und also thue ich Euch . « - » Mir ? « fuhr Dagobert auf , und rings ward es stumm . - » Euch ! « wiederholte der Schultheiß mit der zu Boden schlagenden Hohheit , die ihm zu Zeiten eigen war : » Denkt des gestrigen Tags , und fragt Euch selbst , ob Ihr ferner würdig seyd , auf diesem Boden zu stehen . Wer mit Juden , Mördern und Dieben verkehrt , sie gegen die öffentliche Gewalt in Schutz nimmt , den Richter in seinem Amte lästert und bedroht , wer sich nicht schämt , an den unehrlichen Stöcker auf offner Gasse Hand zu legen , um das Gesindel zu befreien , .. der stehe nicht mehr unter uns , nicht heut , nicht morgen und nimmer . Dort ist die Thüre . Geht ! « - » Um aller Heiligen willen ! was ist vorgefallen ? « fragten die meisten aus der Versammlung , und zur