nirgend ein schreiender Contrast hervortrat , weder mit der Alterthümlichkeit des Gebäudes , noch mit der Modernität des jungen Paares , das es bewohnen sollte . Alles Bunte , alles zu Glänzende wurde mit der größten Sorgfalt vermieden , und die vorherrschenden einfachen Formen der Gegenstände brachten überall den wohlthuendsten Eindruck hervor . Jedes Stück des Ameublements schien genau für die Stelle gemacht , die es einnahm , und doch traf man nirgend auf Versuche , gothisches Schnitzwerk nachzukünsteln , oder durch Nachahmung der schweren , nicht von der Stelle zu bewegenden Unbehülflichkeit des Hausgeräthes unsrer Altväter den Geist einer längst ergrauten Vorzeit wieder herauf bannen zu wollen . Vor allem aber wurde die lange Reihe der Ahnenbilder aus ihrem Verbannungsorte wieder hervorgesucht , und in ihre alten Rechte eingesetzt . In passenden Rahmen , von hundertjährigem Staube gereinigt , blickten sie von den hohen Wänden des ursprünglich ihnen geweihten Saales seegnend und freundlich auf das junge Paar herab , mit welchem Leben , Liebe und Freude in die lange verödeten Mauern wieder eingezogen waren . Seit jenen , das Glück so Vieler begründendem Tage hat das Schicksal der mehrsten , in diese Erzählung verflochtenen Personen keine bedeutende oder doch wenigstens keine schmerzliche Veränderung erlitten . Agathe und Horst sind noch immer froh und glücklich und gut wie Kinder , und Horst fühlt dabei nur die einzige Sorge , daß seine kleine Frau , die er auf den Händen trägt , ihm nicht vor der Zeit zu vernünftig werden möge . Auch der alte Kleeborn ist sehr glücklich in seinem Sohne , dessen Kenntnisse und Betragen alle Wünsche und Erwartungen des Vaters noch übertreffen . Der junge Mann nimmt sich der Geschäfte seines Hauses mit so vielem Geschick und Eifer an , daß der Alte dadurch Zeit gewinnt , seine Kinder auf Leuenstein zuweilen zu besuchen . Alles , was er dort sieht und hört , gefällt ihm ungemein , würde ihm aber noch weit besser gefallen , wenn er dabei nur auch die Börse regelmäßig besuchen könnte . So aber treibt die Sehnsucht nach dem gewohnten Gewühl im Verlauf weniger Tage ihn stets wieder in die Heimath zurück . Babet ist seit einigen Wochen die verlobte Braut des jungen Kleeborn , doch mit der Geschichte dieser ihrer Liebe ließe keine Octavseite sich anfüllen . Es ging dabei so ganz prosaisch zu , wie bei jeder Parthie , welche allen dabei interessirten Personen konvenirt ; was sich darüber sagen ließe , steht alles auf der Karte , mit welcher das junge Paar Freunden und Verwandten seine bevorstehende Verbindung ankündigte . Babet ist jedoch über den Mangel aller romantischen Begebenheiten bei dieser ihrer hoffentlich letzten Liebesgeschichte auf das vollkommenste dadurch getröstet , daß sie in Hinsicht auf Haus , Landsitz , Equipage und der Anzahl ihrer türkischen Shawls keiner Dame in der ganzen Stadt wird nachstehen dürfen . Da der junge Kleeborn bei großer Gutmüthigkeit auch viel Festigkeit des Karakters und einen natürlich richtigen , durchaus nicht ungebildeten Verstand besitzt , so steht zu hoffen , daß diese Ehe so ausfallen werde , wie die mehrsten . Sie wird vermuthlich gerade kein Himmel auf Erden , aber doch auch keine Hölle seyn . Daß Anna gleich nach ihrer Ankunft im Kleebornschen Hause es nicht versäumt hatte , den armen verwaiseten Klarenau am Grabe ihrer Angelika aufzusuchen , daß sie , so lange sie in seiner Nähe verweilte , alle die Zeit ihm schenkte , welche sie nicht der Sorge für Ratmund und Vicktorinen zuwenden mußte , bedurfte wohl nicht noch besonders erwähnt zu werden . Damals brachte ihre Gegenwart den ersten , wahrhaft wohlthuenden Trost in das Herz des Unglücklichen . Der Anblick Raimunds , welchen er sogleich als seinen Retter wieder erkannte , die Ueberzeugung , daß Vicktorine , die treue geliebte Freundin seiner Verklärten , an der Seite dieses Mannes einer höchst beglückten Zukunft entgegen gehe , erweckte wieder die erste freudige Regung in seinem Gemüthe . Es fiel ihm nicht ein , mit dem Geschicke hadern zu wollen , weil es für Andere Rosen blühen ließ , von denen er nur die Dornen auf seinem Pfade angetroffen hatte ; doch weder die dringendsten Bitten , noch ernste Vorstellungen konnten ihn bewegen , seine Einsamkeit zu verlassen und dem glücklichen Paare nach Leuenstein zu folgen . » Hier ist meine Heimath , und sie öffnet sich mir bald ! « war alles , was er den Freunden erwiederte , indem er auf das von jungen Rosen üppig umblühte Marmorkreuz hinwieß , das aus dem dunklen Schatten von Cypressen hell hervorleuchtete . Seine verfallne Gestalt , das wunderbare Glänzen seiner Augen bestätigte nur zu sehr die Wahrheit dessen , was er aussprach , und Raimund und Vicktorine ließen , tief gerührt , endlich davon ab , ihn mit ihren Bitten noch länger zu verfolgen . Jetzt ruht auch er , der in Wüsten des Lebens müde getriebene Pilger unter dem Kreuze , im Schatten der Rosen und Cypressen . Der Name Angelika bezeichnete den letzten Hauch seines Lebens , und sein brechendes Auge strahlte im Abglanze der ihm nahenden Himmelsseeligkeit , als er in den Armen des treuen Horst zum ewigen Schlummer es schloß . Die Tante trat bald nach Vicktorinens Vermählung von dem Schauplatze ihrer vieljährigen Thätigkeit ab , auf welchem nur das Bedürfniß , alle ihr verliehene Talente und Kräfte nützlich und ehrenvoll zu üben , sie so lange festgehalten hatte . Von den Damen des Stifts an , denen sie lange Jahre hindurch eine milde weise Freundin und Beratherin gewesen war , bis zu dem geringsten ihrer Untergebenen herab , vernahmen alle mit ungeheucheltem Schmerze ihren Entschluß , das Stift und die Stelle zu verlassen , die sie bisher in demselben ehrenvoll und zu aller Zufriedenheit bekleidet hatte ; doch keine wagte es , ein Unrecht darin zu finden , daß sie in den letzten Jahren eines , größtentheils in Sorge um Anderer Wohl hingebrachten Lebens , von den Mühen desselben endlich auszuruhen wünsche . Noch einmal