jenes edlen kaiserlichen Wanderers Hadrian , welcher zu Fuß , an der Spitze seines Heers , den bewohnten , ihm unterworfenen Erdkreis durchschritt und ihn so erst vollkommen in Besitz nahm . Denken wir mit Schaudern der Eroberer , jener gewaffneten Wanderer , gegen die kein Widerstreit helfen , Mauer und Bollwerk harmlose Völker nicht schirmen konnte ; begleiten wir endlich mit redlichem Bedauern jene unglücklichen vertriebenen Fürsten , die , von dem Gipfel der Höhe herabsteigend , nicht einmal in die bescheidene Gilde tätiger Wanderer aufgenommen werden könnten . Da wir uns nun alles dieses einander vergegenwärtigt und aufgeklärt , so wird kein beschränkter Trübsinn , keine leidenschaftliche Dunkelheit über uns walten . Die Zeit ist vorüber , wo man abenteuerlich in die weite Welt rannte ; durch die Bemühungen wissenschaftlicher , weislich beschreibender , künstlerisch nachbildender Weltumreiser sind wir überall bekannt genug , daß wir ungefähr wissen , was zu erwarten sei . Doch kann zu einer vollkommenen Klarheit der einzelne nicht gelangen . Unsere Gesellschaft aber ist darauf gegründet , daß jeder in seinem Maße , nach seinen Zwecken aufgeklärt werde . Hat irgendeiner ein Land im Sinne , wohin er seine Wünsche richtet , so suchen wir ihm das einzelne deutlich zu machen , was im ganzen seiner Einbildungskraft vorschwebte ; uns wechselseitig einen Überblick der bewohnten und bewohnbaren Welt zu geben , ist die angenehmste , höchst belohnende Unterhaltung . In solchem Sinne nun dürfen wir uns in einem Weltbunde begriffen ansehen . Einfach-groß ist der Gedanke , leicht die Ausführung durch Verstand und Kraft . Einheit ist allmächtig , deshalb keine Spaltung , kein Widerstreit unter uns . Insofern wir Grundsätze haben , sind sie uns allen gemein . Der Mensch , so sagen wir , lerne sich ohne dauernden äußeren Bezug zu denken , er suche das Folgerechte nicht an den Umständen , sondern in sich selbst , dort wird er ' s finden , mit Liebe hegen und pflegen . Er wird sich ausbilden und einrichten , daß er überall zu Hause sei . Wer sich dem Notwendigsten widmet , geht überall am sichersten zum Ziel ; andere hingegen , das Höhere , Zartere suchend , haben schon in der Wahl des Weges vorsichtiger zu sein . Doch was der Mensch auch ergreife und handhabe , der einzelne ist sich nicht hinreichend , Gesellschaft bleibt eines wackern Mannes höchstes Bedürfnis . Alle brauchbaren Menschen sollen in Bezug untereinander stehen , wie sich der Bauherr nach dem Architekten und dieser nach Maurer und Zimmermann umsieht . Und so ist denn allen bekannt , wie und auf welche Weise unser Bund geschlossen und gegründet sei ; niemand sehen wir unter uns , der nicht zweckmäßig seine Tätigkeit jeden Augenblick üben könnte , der nicht versichert wäre , daß er überall , wohin Zufall , Neigung , ja Leidenschaft ihn führen könnte , sich immer wohl empfohlen , aufgenommen und gefördert , ja von Unglücksfällen möglichst wiederhergestellt finden werde . Zwei Pflichten sodann haben wir aufs strengste übernommen : jeden Gottesdienst in Ehren zu halten , denn sie sind alle mehr oder weniger im Credo verfaßt ; ferner alle Regierungsformen gleichfalls gelten zu lassen und , da sie sämtlich eine zweckmäßige Tätigkeit fordern und befördern , innerhalb einer jeden uns , auf wie lange es auch sei , nach ihrem Willen und Wunsch zu bemühen . Schließlich halten wir ' s für Pflicht , die Sittlichkeit ohne Pedanterei und Strenge zu üben und zu fördern , wie es die Ehrfurcht vor uns selbst verlangt , welche aus den drei Ehrfurchten entsprießt , zu denen wir uns sämtlich bekennen , auch alle in diese höhere , allgemeine Weisheit , einige sogar von Jugend auf , eingeweiht zu sein das Glück und die Freude haben . Dieses alles haben wir in der feierlichen Trennungsstunde nochmals bedenken , erklären , vernehmen und anerkennen , auch mit einem traulichen Lebewohl besiegeln wollen . Bleibe nicht am Boden heften , Frisch gewagt und frisch hinaus ! Kopf und Arm mit heitern Kräften , Überall sind sie zu Haus ; Wo wir uns der Sonne freuen , Sind wir jede Sorge los . Daß wir uns in ihr zerstreuen , Darum ist die Welt so groß . « Zehntes Kapitel Unter dem Schlußgesange richtete sich ein großer Teil der Anwesenden rasch empor und zog paarweise geordnet mit weit umherklingendem Schalle den Saal hinaus . Lenardo , sich niedersetzend , fragte den Gast : ob er sein Anliegen hier öffentlich vorzutragen gedenke oder eine besondere Sitzung verlange ? Der Fremde stand auf , begrüßte die Gesellschaft und begann folgende Rede : » Hier ist es , gerade in solcher Versammlung , wo ich mich vorerst ohne weiteres zu erklären wünsche . Diese hier in Ruhe verbliebenen , dem Anblick nach sämtlich wackern Männer geben schon durch ein solches Verharren deutlich Wunsch und Absicht zu erkennen , dem vaterländischen Grund und Boden auch fernerhin angehören zu wollen . Sie sind mir alle freundlich gegrüßt , denn ich darf erklären : daß ich ihnen sämtlich , wie sie sich hier ankündigen , ein hinreichendes Tagewerk auf mehrere Jahre anzubieten im Fall bin . Ich wünsche jedoch , aber erst nach kurzer Frist , eine nochmalige Zusammenkunft , weil es nötig ist , vor allen Dingen den würdigen Vorstehern , welche bisher diese wackern Leute zusammenhielten , meine Angelegenheit vertraulich zu offenbaren und sie von der Zuverlässigkeit meiner Sendung zu überzeugen . Sodann aber will es sich ziemen , mich mit den Verharrenden im einzelnen zu besprechen , damit ich erfahre , mit welchen Leistungen sie mein stattliches Anerbieten zu erwidern gedenken . « Hierauf begehrte Lenardo einige Frist , die nötigsten Geschäfte des Augenblicks zu besorgen , und nachdem diese bestimmt war , richtete sich die Masse der Übriggebliebenen anständig in die Höhe , gleichfalls paarweise unter einem mäßig geselligen Gesang aus dem Saale sich entfernend . Odoard entdeckte sodann den zurückbleibenden beiden Führern seine Absichten und Vorsätze und zeigte sodann seine Berechtigung hiezu