mein Herr ebensogut als ich die Nähe des Feindes wittert und ihm ausweicht . « - Mir kam es vor , als könne ich Pontos Betragen doch nicht recht billigen , ich dachte an des verewigten Muzius , an meinen eignen tiefen Abscheu vor jedem Halsbande , und schon dies setzte mich darüber ins klare , daß ein ehrliches Gemüt , so , wie es ein rechtschaffener Kater in sich trägt , dergleichen Liebeskuppeleien verschmähe . Alles dieses äußerte ich dem jungen Ponto ganz unverhohlen . Der lachte mir aber ins Gesicht und meinte , ob denn die Moral der Katzen so gar strenge sei , und ob ich selbst nicht schon hin und wieder über die Schnur gehauen , d.h. etwas getan , was für den engen moralischen Schubkasten etwas zu breit sei . - Ich dachte an Mina und verstummte . » Fürs erste , « sprach Ponto weiter , » fürs erste , mein guter Murr , ist es ein ganz gemeiner Erfahrungssatz , daß niemand seinem Schicksal entgehen kann , er mag es nun anstellen , wie er auch will ; du kannst als ein Kater von Bildung das Weitre darüber nachlesen in einem sehr belehrenden und ganz angenehm stilisierten Buche , Jacques le fataliste betitelt . War es nach dem ewigen Ratschluß bestimmt , daß der Professor der Ästhetik , Herr Lothario , ein - Nun , du verstehst mich , guter Katz , aber zudem hat ja der Professor durch die Art , wie er sich bei der merkwürdigen Handschuhgeschichte - sie sollte mehr Zelebrität erhalten , schreib was darüber , Murr - benommen , seinen ganz entschiedenen , ihm von der Natur eingepflanzten Beruf bewiesen , in jenen großen Orden zu treten , den so viele , viele Männer tragen mit der gebietendsten Würde , mit dem schönsten Anstande , ohne es zu wissen . Diesen Beruf hätte Herr Lothario erfüllt , gäb ' es auch keinen Baron Alzibiades von Wipp , keinen Ponto . Hatte aber wohl überhaupt Herr Lothario etwas anderes , Besseres um mich verdient , als daß ich gerade seinem Feinde mich in die Arme warf ? - Dann aber fand auch der Baron gewiß andere Mittel , sich mit der Professorin zu verstehen , und derselbe Schaden kam über den Professor , ohne mir den Nutzen zu bringen , den ich jetzt wirklich von dem angenehmen Verhältnis des Barons mit der holden Lätitia verspüre . Wir Pudel sind nicht solche überstrenge Moralisten , daß wir in unserm eignen Fleische wühlen und die im Leben schon sonst knapp genug zugeschnittene gute Bissen verschmähen sollten . « - Ich fragte den jungen Ponto , ob denn der Nutzen , den ihm sein Dienst bei dem Baron Alzibiades von Wipp verschaffe , in der Tat so groß und wichtig sei , daß er das Unangenehme , das Drückende der damit verbundenen Knechterei aufwiege . Damit gab ich ihm nicht undeutlich zu verstehen , daß eben diese Knechterei einem Kater , dessen Freiheitssinn in der Brust unauslöschlich , immer widerlich bleiben müsse . » Du redest , « erwiderte Ponto stolz lächelnd , » du redest guter Murr , wie du es verstehst , oder vielmehr wie es dir deine gänzliche Unerfahrenheit in den höhern Verhältnissen des Lebens erscheinen läßt . Du weißt nicht , was es heißt , der Liebling eines solchen galanten gebildeten Mannes zu sein , als es der Baron Alzibiades von Wipp wirklich ist . Denn daß ich seit der Zeit , als ich mich so klug und dienstfertig benommen , sein größter Liebling geworden , darf ich dir , o mein freiheitsliebender Katz , wohl nicht erst sagen . Eine kurze Schilderung unserer Lebensweise wird dich das Angenehme , das Wohltätige meiner jetzigen Lage sehr lebhaft fühlen lassen . - Des Morgens stehen wir ( ich und mein Herr nämlich ) nicht zu früh , aber auch nicht zu spät auf ; das heißt , auf den Schlag eilf Uhr . - Ich muß dabei bemerken , daß mein breites weiches Lager unfern dem Bette des Barons aufgeschlagen ist , und daß wir viel zu harmonisch schnarchen , um beim plötzlichen Erwachen zu wissen , wer geschnarcht hat . - Der Baron zieht an der Glocke , und sogleich erscheint der Kammerdiener , der dem Baron einen Becher rauchender Schokolade , mir aber einen Porzellannapf voll des schönsten süßen Kaffees mit Sahne bringt , den ich mit demselben Appetit leere wie der Baron seinen Becher . Nach dem Frühstück spielen wir ein halbes Stündchen miteinander , welche Leibesbewegung nicht allein unserer Gesundheit zuträglich ist , sondern auch unsern Geist erheitert . Ist das Wetter schön , so pflegt der Baron auch wohl zum offnen Fenster hinauszuschauen und die Vorübergehenden mit dem Fernglas zu begucken . Gehen gerade nicht viele vorüber , so gibt es noch eine andere Belustigung , die der Baron eine Stunde hindurch fortsetzen kann , ohne zu ermüden . - Unter dem Fenster des Barons ist ein Stein eingepflastert , der sich durch eine besonders rötliche Farbe auszeichnet , in der Mitte dieses Steins befindet sich aber ein kleines eingebröckeltes Loch . Nun kommt es darauf an , so geschickt herabzuspucken , daß gerade in dieses kleine Loch hineingetroffen wird . - Durch viele anhaltende Übung hat es der Baron dahin gebracht , daß er auf das dritte Mal Treffen pariert und schon manche Wette gewann . Nach dieser Belustigung tritt der sehr wichtige Moment des Anziehens ein . Das geschickte Kämmen und Kräuseln des Haars , vorzüglich aber das kunstmäßige Knüpfen des Halstuchs besorgt der Baron ganz allein ohne Hilfe des Kammerdieners . Da diese beiden schwierigen Operationen etwas lange dauern , so benutzt Friedrich die Zeit , um mich auch anzukleiden . D.h. mit einem in lauwarmes Wasser eingeweichten Schwamm wäscht er mir den Pelz , kämmt die langen Haare , die der Friseur an schicklichen Örtern zierlich stehen lassen , mit einem genugsam engen Kamme durch und legt mir das schöne