, so schien alles durch die Zeit zu gewinnen und kleine Beschädigungen waren ohne große Kosten ergänzt . Ein seltsames Toben , das in gewissen Nächten das Schloß erfüllte , die Erleuchtung , die dann in mehreren Zimmern bemerkt wurde , gaben zu wunderlichen Gerüchten Anlaß ; man sprach von dem Geiste des alten Grafen , der da umginge , und wie in alter Zeit in Festlichkeiten schwelge . Keiner wagte es ohne Auftrag , die Sache zu untersuchen ; auch dieses wurde dem Grafen berichtet , der aber unter dem hellen sizilischen Himmel die Dunst- und Nebelgestalten des Nordens wenig beachtete ; seinen Schwiegervater hatte er wegen des Leichtsinns , mit welchem er die Seinen verlassen , nie leiden können , sein Geist war ihm ganz gleichgültig . Ungefähr zehn Jahre nach dem Auszuge des Grafen , in derselben Nacht , die vor eilf Jahren den Treubruch der Gräfin verhüllte , kam ihr Vater , der alte Graf P ... mit vier großen sechsspännigen Kutschen über die Heerstraße die Anhöhe herunter gefahren , von welcher die beiden Schlösser und die alte Stadt so herrlich zu übersehen . Er fuhr mit einer ostindischen Frau und zwei Kindern , die sie ihm in Ostindien geboren , in einem Wagen ; seine dort erworbenen Schätze und seine Dienerschaft folgte in den drei andern . Er hatte seinen Namen verändert , und galt für einen Engländer ; von den Seinen hatte er nichts erfahren , nicht einmal ob seine Frau und Kinder noch lebten ; die Sehnsucht nach seinem Schlosse , von dem er seiner Moham ( der neuen Frau ) täglich vorerzählte , trieb ihn einzig in diese Gegend zurück . Von der Anhöhe sah er viele Zimmer seines Schlosses hellerleuchtet ; erst jetzt gedachte er ernstlich in seinem leichtsinnigen Gemüte , wie er seine neue Frau , seiner ersten vorstellen solle , die beide nichts von einander wußten , wenn diese vielleicht noch am Leben sei . Die Geschichte des Herrn von Gleichen , der seiner Frau aus den Kreuzzügen heimkehrend eine Sarazenin zuführte , die ihn aus Liebe von der Sklaverei befreit , und dafür aus Dankbarkeit von der ersten Frau als Mitgenossin ihres Ehebettes anerkannt wurde : diese Geschichte , die seinem Leichtsinne bis dahin als genugtuend für alle Fälle vorgeschwebt hatte , wollte ihn nicht ganz beruhigen . Er ließ langsam fahren , und stieg mit Herzklopfen vor dem Schlosse aus dem Wagen , und trat in das Schloß , das offen stand , und wo ihn eine prachtvolle Dienerschaft empfing . Er fragte , ob die Gräfin P ... noch zu sprechen wäre ; die Diener sahen ihn verwundert an , und fragten ihn , ob er nicht wisse , daß sie schon seit neun Jahren mit dem Herzoge von A ... verheiratet wäre , sie würden ihn anmelden . Er nannte sich Moham und sagte , daß er Bestellungen von einem alten Freunde des Hauses brächte . Sobald dieses ausgerichtet , wurde er zu der Frau vom Hause geführt , er fand sie wenig verändert , nur etwas blässer ; sie kannte ihn nicht , was nicht zu verwundern , da er sehr gealtert und vom heißen Klima fast dunkelbraun gebrannt worden ; er sagte ihr , daß ihr voriger Mann noch lebe , und daß er von ihm gesendet sei , das Schloß nach dem Maße seiner jetzigen Reichtümer zu verschönern . Die Herzogin erwiderte ihm , daß er kein Recht auf das Schloß behalten , daß sie es von seinen Schuldnern erkauft und selbst , nachdem sie den Leichtsinnigen in allen öffentlichen Blättern vorgefordert , einem andern Manne , dem spanischen Herzoge von A ... vermählt sei . Der Graf verriet sich nicht ; so unangenehm ihm der Verlust seines Schlosses war , so lieb war ihm der Verlust seiner Frau , die ihm gar nicht mehr liebenswürdig erschien ; er sagte , daß er alles ihrem ersten Gemahl berichten wolle , doch glaube er durch das unumschränkte Zutrauen desselben wohl berechtigt zu sein , um ein Nachtlager für sich und die Seinen zu bitten . Die Frau vom Hause bewilligte es ihm gern , und stellte ihm den Herzog , ihren Gemahl vor , der eben mit großer Pracht ins Zimmer getreten war . Der Herzog überhäufte ihn mit Artigkeiten , und schimpfte doch dabei auf den alten Grafen , der darüber in einer ängstlichen Verlegenheit war ; die Ostindianerin Moham hatte sich und ihre Kinder verschleiert ; man setzte sich zu Tische , man aß und trank prachtvoll , und der Herzog machte der fremden Frau mit solcher unwiderstehlichen Liebenswürdigkeit den Hof , daß diese sich entschleierte und ihm sichtbare Zeichen ihrer Zuneigung gab . Die Verlegenheit des Grafen hatte den Gipfel erreicht , als der Tisch aufgehoben wurde , und sich einer nach dem andern unter verschiedenem Vorwande beurlaubte ; dem Herzoge sagte zuletzt ein Diener Botschaft von der Gräfin Dolores , und er wurde so heftig bewegt , zitterte so gewaltsam , die Haare sträubten sich ihm empor , er flog zur Türe hinaus ohne Abschied , und nahm das letzte Licht mit sich fort . Der alte Graf fühlte bei seinem Anblicke eine Reue , einen innern Vorwurf , den er nie möglich geglaubt ; er wagte nicht an seine Tochter Dolores zu denken , und wußte nicht warum ; Frau und Kinder drängten sich ebenfalls erschrocken in dem Dunkel an ihn , und sie warteten alle ängstlich , aber vergebens , daß die Lichter von der Dienerschaft wieder gebracht würden , wie es die Schicklichkeit forderte . Plötzlich erhellte sich indessen das Zimmer von außen ; ihre eigenen Leute und viele Bürger der Stadt durchrannten mit Feuergeschrei die Vorsäle , und kamen nun zu ihnen ; mit halben Worten erfuhren sie jetzt , daß das Schloß mit dem Glockenschlage zwölfe an vier Ecken habe angefangen zu brennen ; mit Mühe konnte der Graf sich und die Seinen und seine reichen Wagen retten , von denen schon einer abgepackt