muß hinaus , bis wir maskiert sind . “ „ Ich werde ein wenig in den Garten gehen , es ist lieblicher , die Elfen ihren Abendtau trinken zu sehen als Sie , meine Herren , Ihren Punsch ! Rufen Sie mich , wenn ich kommen soll ; dann werde ich , wie ein Bienchen in Blütenkelche , in Ihre Häupter eindringen und prüfen , wo Honig und wo Wermut ist ! “ Mit dieser schelmischen Drohung wollte sie enteilen , da faßte Ernestine mitleidig ihre Hand und flüsterte ihr zu : „ Tun Sie es nicht , Sie werden verhöhnt . “ Elsa entzog ihr tief beleidigt die Hand : „ Von Ihnen vielleicht , nur von Ihnen ! — In diesem Kreise bin ich geliebt und verstanden ! “ Tränen traten ihr in die kleinen Äugelein und sie hörte beim Hinauseilen nicht mehr , wie Herbert ihr nachrief : „ Du wirst Dich blamieren . “ Sie eilte in den Garten hinunter zu den Elfen und Nixen , um diesen ihr stilles Weh zu klagen , ach , sie mußte ja lächelnd leiden , Keiner sollte sehen , was sie zu träumen , zu hoffen gewagt — Und konnte denn dieses treue Herz so schnell von seiner Hoffnung lassen ? Wäre es das erste Mal , daß bescheidenes Ausharren endlich doch gekrönt würde ? Sie kam zu dem Tisch , wo Angelika die Blumen , die sie ihr für Johannes gab , vergessen hatte . Das Glas war umgeworfen , das Wasser herabgeflossen und der Strauß lag welk umhergestreut . O wie weh tat ihr das , — es war ein schlimmes Omen . Sie nahm ihre Lieblinge auf und drückte sie an ihr Herz . „ So geht es vielleicht mir dereinst , — vergessen und verschmäht werd ’ ich verwelken wie Ihr und die größte Liebe , die mir widerfährt , wird wohl die sein , daß eine zartfühlende Seele einen Kranz von Euch , ihr lieben Feldblumen , auf meinen Sarg legt . “ Sie setzte sich auf den Rasen und sang leise , während der salzige Tau reichlich auf die Blumen niederrieselte : „ Ach Tränen machen nicht maiengrün , machen tote Liebe nicht wieder blüh ’ n ! “ 84 „ Fräulein Elsa , Sie weinen ? “ Sie schrak zusammen und sprang auf . Möllner kam über den weichen Rasen zu ihr hingeschritten . „ O nein , keine Tränen , nur Abendtau ! “ lispelte sie und trocknete sich die Augen . Möllner betrachtete sie voll Erbarmen . „ Armes Geschöpf , “ dachte er , „ was kannst Du dafür , daß Dich die Natur so stiefmütterlich behandelt , daß die verschrobene Erziehung Deines Bruders Dich lächerlich macht und Dich auch noch um das Mitleid bringt , das Du verdientest . “ Er reichte ihr den Arm : „ Kommen Sie , liebe Elsa ! “ sagte er gütig . „ Man schickt mich , Sie zu holen . Danken Sie es dem Fräulein von Hartwich , daß Ihnen die Mystifikation erspart wird , die man Ihnen zugedacht . “ „ Wie so ? “ fragte Elsa , die sich an Möllners Arm gehoben fühlte wie eine aufgebundene Ranke . „ Man forderte von Ernestine , sie solle mit Fräulein Taun , die fast dasselbe Haar wie sie besitzt , die Kleider wechseln und beide sollten Masken vornehmen , um Sie zu täuschen . Die jungen , übermütigen Herren drangen darauf , ich konnte es nicht hindern . Fräulein von Hartwich jedoch , überzeugt , daß Sie Ihrer Sache nicht so sicher seien , um sich nicht einer Beschämung auszusetzen , verweigerte das Verlangte so hartnäckig , daß die Gesellschaft sich aus Unmut darüber auflöst . “ Elsa schwieg beschämt . Einer solchen Probe hätte sie sich denn doch nicht gewachsen gefühlt . Sie hatte die Leute leicht an ihren Haaren zu erkennen gehofft , ihre Aussprüche hätten dann sicher Aufsehen gemacht , aber daß die junge Taun dasselbe Haar wie Ernestine habe , — war ihr nicht eingefallen . Und doch , so froh sie darüber war , es drückte sie tief darnieder , daß ihre Feindin in die Lage kam , eine so demütigende Großmut an ihr auszuüben . „ Sie geben uns ein andermal in engerem Freundeskreise Ihre Kunst zum Besten , nicht wahr ? “ sagte Möllner tröstend wie zu einem Kinde . „ Ja , wenn Sie es wünschen , und wenn Sie mir gestatten wollen , an Ihrem eigenen gewaltigen Haupte — “ Die Stimme zitterte ihr vor Erregung , als sie dies kühne Verlangen aussprach . „ Warum denn nicht ? “ sagte Möllner , „ wenn Sie meinen harten Kopf für ein ergiebiges Terrain halten . “ „ Ihren harten Kopf — o , wie können Sie so sprechen — wenn ich dieses Haupt berühre , werde ich zittern , daß plötzlich Minerva herausspringe , mich für meine Kühnheit zu zerschmettern ! “ 85 Johannes lächelte mitleidig . „ Sie können es nun einmal nicht lassen , mich durch überschwängliche Komplimente in Verlegenheit zu bringen . Sie wissen , ich bin ein einfacher Mensch , welcher dergleichen nicht erwidern kann ! “ „ Wie sollten Sie mir auch erwidern ! — Mir zu gestatten , daß ich Sie verehre , das ist Alles , was ich von Ihnen fordere . Was will denn das Bächlein von dem mächtigen Baume , dessen Wurzeln aus seinen Wellen trinken ? Lassen Sie meine Bewunderung zu Ihren Füßen hinrauschen und ziehen Sie daraus Ihr gewaltiges Sein , so viel Sie wollen und bedürfen — es ist immer genug für Sie da , das Bächlein ist unerschöpflich ! “ Johannes war unangenehm berührt durch diesen Erguß . Was sollte er antworten , ohne das unglückliche Wesen in einer trügerischen Hoffnung zu bestärken oder es tief zu verletzen ? Die Stimme ihres Bruders riß ihn aus der Verlegenheit . Sie waren an der Treppe . „ Da kommen