Kriegsadler baut sein Nest jährlich immer neu und also immer höher . Es gelang dem Knaben , sich in diesen Riß zu retten , noch ehe das kreischende Raubvogelweib den Horst erreichte und den wütenden Angriff begann . Er kroch nach und nach fast ganz unter die Hölzer und verteidigte sich mit ihnen . Dabei dachte er eifrig darüber nach , wie er sich retten könne . Er war so klug , einzusehen , daß dies nur dadurch möglich sei , daß der Adler ihn hinunter in die Tiefe trage . Er fragte sich , ob er trotz seiner jetzigen Leichtigkeit nicht doch zu schwer für diesen Vogel sei . Indem er das dachte , ließ die Alte von ihrem Angriffe ab , um nach ihren Jungen zu suchen . Dadurch gewann er Zeit zu ruhigerem Ueberlegen . « » Er war zu schwer ! « fiel das Herzle ängstlich ein . » Allerdings war das anzunehmen , « stimmte Intschu-inta bei . » Einen sicheren , ruhigen Flug konnte es also nicht geben , ganz abgesehen davon , daß der Adler sich aus allen Kräften sträuben würde , ihn zu tragen . Aber wenn kein eigentlicher Flug , so war es doch wohl auch kein eigentlicher Sturz in die Tiefe . Es war vorauszusehen , daß die Flügelschläge die Jähheit und Stärke dieses Sturzes mildern würden . Es galt also , den Adler so zu fesseln , daß er den Knaben weder mit dem Schnabel , noch mit den Krallen verletzen , aber doch fliegen konnte . Schlingen und Fesseln , mit denen man dies erreicht , sind einem jeden Indianer , sogar auch den Kindern , geläufig . Kaum war der Gedanke gefaßt , so wurde seine Ausführung vorbereitet . Riemen waren mehr als genug da . Mit Hilfe eines passenden , aus dem Horst gezogenen Holzes und dreier Riemen wurde schleunigst ein Knebel gefertigt , der den Adler zwang , Kopf und Hals gradeaus zu strecken . So war ihm der Gebrauch des gefährlichen Schnabels verwehrt . Für die Fänge oder Krallen gab es eine fünffache Schlinge , die später noch zu verstärken war . Für den Leib eine Schleife , welche den Zweck hatte , die Flügel zu schließen und eng an den Körper zu zwingen , natürlich nur bis zu dem Augenblick , an dem der Flug zu beginnen hatte . Mehrere Hölzer wurden fest in die Felsenspalte geklemmt , so daß sich eine Art von Gitter zum Schutze des darinsteckenden Knaben bildete . Wollte der Adler ihn fassen , so war er gezwungen , den Kopf durch dieses Gitter zu stecken , der dann sehr leicht mit der Schlinge gepackt und festgehalten werden konnte . « Meine Frau war außerordentlich gespannt , ich nicht viel weniger . Pappermann las dem Erzähler die Worte fast von den Lippen weg . Intschu-inta fuhr fort : » Kurze Zeit , nachdem diese Vorkehrungen getroffen waren , kehrte die Adlersfrau zurück . Sie schien die Leichen ihrer Kinder gefunden zu haben , denn sie fuhr in einer bedeutend größeren Wut als vorher auf ihren Feind los . Sie besann sich nicht im Geringsten , den Kopf durch das Gitter zu stecken . Sofort legte sich ihr die Schlinge um den Hals , und mochte sie sich noch so sehr wehren , einige Minuten später war ihr der Knebel angelegt , der sie zwang , Kopf und Hals geradeaus zu strecken . Sie wehrte sich aus Leibeskräften , mit den Flügeln und den Krallen . Die letzteren wurden sehr leicht in Schleifen gefangen und dann fest aneinander gebunden . Um die ersteren zur Ruhe zu bringen , mußte der Knabe den gewaltigen Raubvogel , der sich aber nun schon nicht mehr wehren konnte , halb zu sich in den Felsenspalt ziehen , um ihm die Schwingen an den Leib zu drücken und dann mit Riemen festzubinden . Als dies geschehen war , konnte der Adler sich nicht mehr bewegen . Er war vollständig überwältigt ; der Sieger aber hatte nicht die geringste Verletzung davongetragen , der Vogel allerdings ebenso . Das Schwierigste war vorüber ; das Kühnste konnte beginnen , nämlich der fliegende Sturz oder der stürzende Flug in die grausige Tiefe . « » Gott sei Dank , daß ich es nicht war ! « meinte Pappermann . » Mir wäre dieses Wagnis gewiß nicht gelungen . Wen das Schicksal dazu verurteilt hat , Pappermann zu heißen , der muß auf fester Erde bleiben , sonst geht er sicher kaput ! Doch weiter , schnell weiter ! Ich bin gespannt ! « Der Diener fuhr fort : » Nun das Raubtier gebändigt war , konnte der Knabe die Felsenspalte wieder verlassen . Er trat vor und schaute in den Abgrund . Es kam keine Spur von Zagen über ihn . Es fiel ihm nicht ein , auch nur einen Augenblick zu zögern . Jetzt war der Adler noch bei voller Kraft . Je schwächer er wurde , desto gefährlicher war der Sprung von dem Horst in das gähnende Nichts hinaus . Der Vogel stank nach Wild und Blut . Seine großen , runden Augen glühten vor Haß und Wut . Und doch konnte nur er allein der Retter sein , weiter niemand , weiter nichts ! Das sind Rätsel , die nur Einer lösen kann , ein Einziger , und dieser Einzige ist gut , ist ewig gut ! Der Knabe befestigte sich die besten seiner Riemen unter den Armen hindurch über Brust und Rücken , band sie an die Krallen des Adlers , doch so , daß ihm die schlagenden Flügel des Vogels das Gesicht nicht verletzen konnten , und zog den letzteren bis hart an den Rand des Abgrundes . O Manitou , o Manitou ! rief er aus . Dann durchschnitt er die beiden Riemen , welche die Flügel fest an den Leib gehalten hatten . Der Adler regte sie ; er bemühte sich , sie auszubreiten , aber er konnte sich nicht aufrichten ,