man dorten weder freiet noch sich freien läßt ; denn im Himmel ist man den Engeln gleich und Gottes Kind . « Nachdenklich nickte der Mann : » So saget auch Agnete , und so muß es wohl sein . Ich aber bin ganz irre an der verheißenen Seligkeit ; denn wofern nicht wenigstens im Himmel meine Agnete gänzlich mein ist . « Hier preßte er die Lippen zusammen , düster blickte sein Auge . » Nicht gänzlich Sein ? « fragte ich . » Wie soll ich das verstehen ? Ist sie denn nicht Seine liebe Ehefrau ? « Da der Mann schwieg , suchte Sibylle nach Worten : » Ja sehet , Herr Johannes , sein ist sie wohl , wen sollte die Gütige nicht lieben ? Und ihm hat sie ja vor Gotte die Hand zur Ehe gereicht ; nur ist das eine andere Ehe , denn die gewöhnliche . « » Ihr habet keine Kinder ? « Hierauf Heinrich : » Was meine jetzige Frau ist , die hat von mir kein Kind . Sehet , Herr Prädikant , wir leben mitsammen nicht anders denn Bruder und Schwester . « » Ist das euer freier Wille ? Oder gehorchet ihr einem Zwange ? « » Ihr Wille ist es , und frei , ja frei muß er wohl sein . Denn mein weiser Lehrer Herr Albertus sagte : ein heilig Gemüte ist frei . Meine Agnete dünket mich eine Heilige ; Geschwisterschaft hat sie mit mir ausgemacht , als sie mich zum Manne nahm . « » Und warum nahm sie Ihn ? « Sein Auge lohte , als er zur Antwort gab : » Weil ich nicht leben konnte ohne sie - und weil sie mir Gutes anzutun gedachte . Dankbar wollte sie sein und glaubete , eine Schuld sühnen zu sollen , die sie gen mich habe . Aber Schuld hat sie keine , es war ja nur ein blind Geschick , das mir mein Kind entriß , ... verzeih mir ' s Gott , wenn ich seine Schickung blind nenne . Will nur sagen : sie hat keine Schuld . « » Nein , nein , « eiferte Sibylle , » sie hat keine . Denket nur , Herr , welche Heimsuchung uns betroffen . Erst stirbt meinem Bruder die Frau , seine erste Frau . Vor drei Jahren ist ' s gewesen , und sie hatte ein Kindlein hinterlassen . Was ein herzig frisch Mädelein war Anneliesel ! Wie nun die Mutter auf dem Sterbebette gelegen ist , hat sie ihren Mann gebeten , dem Kindlein bald eine zweite Mutter zu geben . Das geschah auf der Reise , in einem Gasthause . Es war aber daselbst eine andre Mutter , eine unglückliche . Der hatte man ihr einzig Kind geraubt , dazu einen Dolchstoß versetzt . Ihr Kind zurückzuerlangen war ihr flehentlicher Wunsch ; da half ihr denn mein Bruder ... « Heinrich faßte erregt meinen Arm : » Herr Johannes , das war ... « Doch seine Schwester erhub abwehrend die Hand : » Laß gut sein , Heinrich , schweig davon ! Hast du vergessen , was Agnete uns ans Herz gelegt ? Rege nicht die höllischen Geister auf ! Sollen sie auch noch des Herrn Johannes Herz quälen ? « - » Lasset gut sein ! « entgegnete ich . » Ist Böses geschehen und nicht wieder gut zu machen , so mag man darüber schweigen . In der Hauptsache erzählet jedoch weiter ! Sprachet von einer Mutter , so ihr Kind verloren . Mich dünket , die paßte zu dem Kinde , das seine Mutter verloren . « - Sibylle nickte lebhaft : » So ist es ! Höchst liebreich war sie um Klein Anneliesel beflissen , als deren Mutter diese Welt verlassen hatte ! Mochte sich von uns gar nicht trennen und zog mit mir und der Kleinen auf einem Troßwagen hinter dem Regimente her , als Heinrich noch Feldweibel war . Da sie auch von Antlitz und Gestalt holdselig war , hat mein Bruder keine andere als sie zur zweiten Ehefrau begehrt . Sie aber hat nein gesagt und hat innig gebeten , daß man ihr nicht grolle . Sie habe vor Jahren geheiratet und im Getümmel des Krieges ihren Mann verloren . Wahrscheinlich werde er tot sein ; doch sei das unsicher . Drum widerrate ihr Gewissen den neuen Eheschluß ... « Bei diesen Worten stutzte ich , da ich an Thekla dachte , die mit der Frau in diesem Schicksal übereinstimmte . Doch Thekla war ja tot , und gar vielen Frauen war in den wirren Zeiten der Gatte abhanden gekommen , ohne daß sie von seinem fürdern Geschicke wußten . » Welchen Namen hat das Weib ? « fragte ich . » Agnete ! Es ist meines Bruders jetzige Ehefrau , von der er berichtet hat . « Nicht ohne Enttäuschung vernahm ich solchen Bescheid , als wäre ich ganz heimlich ein wenig der törichten Hoffnung gewesen , in diesem Weibe Thekla zu finden . Und ich versank in trübes Sinnen , indessen Sibylle schwieg . Endlich kehrte ich zur Gegenwart zurück : » Und nun weiter ! Agnete hat also doch wieder geheiratet ! Was hat sie denn andern Sinnes gemacht ? « » Fürnehmlich jene Heimsuchung « , antwortete Heinrich , und seine Stimme bebete . » O mein Anneliesel , warum hast du dich locken lassen von den Bachblumen ? « Ratlos griff er an sein Haupt und seufzete . » Auf dem Marsche ist es gewesen , mein Regiment quartierte an der Unstrut . Maßen wir nun einen sonnigen Tag im Aprilmond hatten , ist Agnete mit dem Mädelein an den Fluß gangen und unter einem Weidenbaum niedergesessen . Im Sonnenschein ist die müde Frau eingenickt . Derweilen hat sich das Kindlein von ihrem Schoß gemacht , am steilen Flußranft zu den gelben Blumen hinunter begeben und ... « Des Mannes Stimme versagte , indessen Sibylle die Hände