es war : die Beweise , Handschriften , Briefe und Dokumente , welche mir über das Treiben unserer Gegner von ihm versprochen worden waren . Ich erstaunte zunächst über die Menge dieser Sachen , sollte aber später , als ich sie las , über ihren Inhalt noch viel mehr erstaunen ! Jetzt zu lesen , war keine Zeit , denn heut war Sonntag , und ich sah schon einzelne Dschamikun nach dem Beith-y-Chodeh steigen . Ich tat also diese Beweise an einen sichern Ort und ging dann hinten hinab , um mich zunächst den Pferden zu zeigen . Assil kam auf mich zugesprungen . Syrr blieb zwar stehen , wieherte aber kurz und freudig auf und erwiderte meine Liebkosungen . Ich holte ihm einige Aepfel und seine Gerste , nahm hierauf mein Frühstück ein und suchte hernach Dschafar Mirza auf , um ihn zu fragen , ob er mit nach dem Tempelberge gehen wolle . Er war mit großem Interesse bereit dazu , und so schlossen wir uns dem Pedehr an , welcher in gleicher Absicht im Hofe mit uns zusammentraf . Welch ein gottesdienstlicher Sinn unter diesen Dschamikun ! Es gab noch keinen Priester , und doch stieg Alles , was nicht unbedingt im Duar bleiben mußte , den Berg hinauf , zur Laienandacht , die erst später , bei gesicherteren Zuständen , von berufenerer Hand geleitet werden sollte . Sie verlief unter zweimaligem Glockenklang derjenigen ähnlich , welcher ich am vorigen Sonntage beigewohnt hatte , nur unterblieb heut alles Weitere . Auf dem Rückwege blieben wir an derselben Stelle stehen , von welcher aus mir Tifl die jenseits liegenden Ruinen gezeigt hatte . Heut waren sie mir bekannter noch als ihm . Ich erklärte Dschafar , wie man sich die Entstehung und den Zweck dieser Bauten zu denken habe , und freute mich darüber , daß er mich leicht begriff . Da fragte mich der Pedehr : » Hat der Ustad schon von unserer Kirche zu dir gesprochen ? « » Von einer Kirche ? Nein , « antwortete ich . » Das muß noch in weitem Felde liegen , sonst hätte er mir sicher Etwas davon gesagt . Wohin soll sie zu stehen kommen ? « » Eben dort hinüber in die Ruinen . Grad in der senkrechten Linie des Alabasterzeltes . « » Woher aber der Platz ! Ah , ich verstehe . Die Ruinen sollen ja abgetragen werden ! Die frommen Herren aus Chorremabad sträuben sich dagegen . Aber dann auch welch ein großartiges Material zum Kirchenbau ! Nur müßte auch der Plan dieses Materiales würdig sein ! « » Das ist er auch ; Effendi , das ist er auch ! Der Ustad hat ihn selbst entworfen und jahrelang daran gezeichnet . Es wurde längst dazu gesammelt und gesteuert . Wir haben weit mehr zusammengebracht , als wir erwarten konnten , aber es reicht noch nicht einmal zum Beginn , viel weniger zur Vollendung . Die Bewältigung solchen Materials erfordert viel Zeit und sehr bedeutende Mittel . « Da sagte Dschafar schnell : » Mittel ? Darf ich tausend Tuman beitragen ? « » Du ? Als Moslem ? « fragte der Pedehr erstaunt und erfreut zugleich . » Warum nicht ? Wäre das ein Hindernis ? Wir sagen Allah , und Ihr sagt Chodeh . Der Engländer sagt God und der Franzose Dieu . Aber es ist doch ganz gewiß derselbe Gott gemeint ! Ich habe schon oft meine Hand geöffnet , um den Bau einer Moschee zu ermöglichen , denn sie ist ein Gotteshaus . Ich gab auch schon zum Baue einer Synagoge . Warum soll ich nicht auch für eine Kirche geben , in der man doch keinem andern Gotte dient ? Oder würde meine Gabe Eure Kirche entweihen , weil Eure Verehrung eine etwas andere ist , als die unserige ? Würdet Ihr Euch weigern , einen Beitrag des Schah-in-Schah anzunehmen ? « » Des Landesherrn ? Auf keinen Fall ! « » So ! Er ist Moslem , und ich bin auch einer , habe also das gleiche Recht ! Es bleibt bei den tausend Tuman , und mit dem Schah werde ich in Eurem Interesse sprechen , sobald ich wieder zu ihm komme ! Man nennt uns Schiiten unduldsam ; wir sind es aber nicht , wenigstens die gebildeten . Nur bitten wir um gleiche Toleranz ! « Das war sehr freundlich , aber auch sehr energisch gesprochen . Er gab sich hier überhaupt ganz anders als drüben im wilden Westen . Hier wußte man , was er war und was er wollte ; drüben hatte man das aber nicht gewußt . Daher damals das mangelnde , jetzt aber das scharf ausgeprägte Sicherheitsgefühl ! Als wir dann beim Mittagsessen saßen , hörten wir im Hofe Pferdegetrappel und schlürfende Kamelschritte , und ehe uns Jemand meldete , wer es sei , wer kam da mit schnellen Schritten zu uns herein ? Der Ustad ! Unsere Freude war umso größer , als wir ihn nicht so schnell zurückerwartet hatten . Ich hielt diese rasche Wiederkehr für ein gutes Zeichen , und es stellte sich heraus , daß ich da ganz richtig vermutet hatte . Als die frohe Begrüßung vorüber war , sagte er : » Ihr werdet wißbegierig sein . Ich will Euch antworten , ehe Ihr fragt , einstweilen nur kurz und bündig : Es steht sehr gut und sehr schlecht , sehr gut für uns und sehr schlecht für die Andern . So ! Damit habt Ihr Euch für jetzt zu begnügen , denn ich habe Hunger und setze mich gleich mit her ! « Indem er es sagte , tat er es . Seine Stimmung war eine glückliche , eine heitere . Er sah so wohl und so munter aus , als ob er einige Jahre jünger geworden sei . Es ist etwas so Köstliches um die Freude . Wollte man sie doch allen Menschen gönnen ! Den Nachmittag brachten wir auf seinem Balkon zu , von