« Die drei vorher so siegesbewußten Offiziere wagten nicht , zu widerstreben . Es war eine Ueberraschung sondergleichen , welcher sie und alle ihre Untergebenen jetzt verfallen waren . Der Pedehr stand hoch aufgerichtet an seinem Platze und überschaute den Erfolg . » Führt sie ab ! « gebot er mit lauter Stimme . » Es wird keinem etwas geschehen ; nur der , welcher sich weigert , wird sofort erschossen ! « Da setzten sich die untenstehenden Gestalten in Bewegung , hin nach dem alten Thore zu , welches jetzt weit offen stand . Es ging zwar langsam , aber mit ununterbrochener Regelmäßigkeit . Man hatte gehört , daß man an Leib und Leben nichts zu fürchten habe ; das beruhigte jedes etwa noch vorhandene Bedenken ; man fügte sich . Es verschwand ein Perser nach dem andern in dem Raume , welchen der Pedehr vorhin als Gefängnis bezeichnet hatte . Er sah jetzt die drei Offiziere lächelnd an . » Schnallt eure Säbel ab , und übergebt sie Tifl ! « gebot er ihnen , indem er auf » das Kind « deutete . Sie gehorchten , ohne ein Wort zu sagen . » So ! « sprach er . » Jetzt habt ihr gesehen , was es heißt , wenn man es wagt , von dem Scheike der Dschamikun zu verlangen , sich vor einem unwillkommenen Menschen von seinem Sitze zu erheben . Nun steht ihr so vor mir , wie es sich für solche Leute schickt und ziemt . Ich kann mich also wieder setzen , Kara und Tifl neben mir . Die Eindringlinge aber bleiben stehen ! « Er ließ sich auf seinen vorigen Sitz nieder . Die beiden Genannten nahmen bei ihm Platz , der bescheidene Tifl eine Stufe tiefer . » Ich stehe nicht , sondern ich gehe ! « rief der Rittmeister zornig aus . » Wohin ? « fragte der Pedehr . » Fort ! « » Wenn du deine Leute im Stiche lassen willst , so kannst du es ja thun . Ich halte dich nicht , sondern ich erlaube dir , im Namen des Schah-in-Schah feig die Flucht zu ergreifen . Es werden zwei meiner Dschamikun mitgehen , um dich zum Duar hinauszuführen . Das Zurückkehren ist dir dann streng verboten ! « » Mitgehen ? « » Ja . « » Du meinst , mitreiten ! « » Nein , du wirst laufen . « » Fällt mir nicht ein ! « » Versuche doch , es zu ändern ! Wer bewaffnet die Grenze der Dschamikun überschreitet , ohne unsere Erlaubnis zu besitzen , der ist uns mit allem , was er bei sich hat , verfallen . Es ist eine Gnade von mir , wenn ich dir die Freiheit schenke . Pferd und Waffen gehören uns . So lautet der Vertrag , den der Beherrscher mit unserm Ustad eingegangen ist . Ihr erklärtet unsere vier Pferde für eure Beute , obwohl euch von ihren Reitern nichts geschehen war . Ihr aber kamt in schlimmer Absicht zu uns ; ihr wagtet es , die Herren zu spielen , mir hier befehlen zu wollen . Es ist ganz folgerichtig , daß nun wir von Beute sprechen . Der einzige Unterschied ist , daß alle eure Gäule zusammen nicht so viel wert sind wie ein einziges von unsern edlen Tieren . « » Was wir besitzen , gehört nicht uns , sondern dem Schah-in-Schah ! « behauptete der Rittmeister . » Auch alles , was ihr den Kalhuran raubtet ? Ihr habt es wieder herzugeben . Man wird eure Taschen untersuchen , eure Kleider , alles , was ihr bei euch habt . Ich lasse Kalhuran kommen , welche dies thun . Ihre Herden , die ihr für euer Eigentum erklärtet , werdet ihr ihnen nun wohl lassen müssen , denn der Muhassil ist tot , und vor seinen Soldaten , welche , wenn ich sie freigegeben habe , sich ohne Pferde und Waffen von Mitleid zu Mitleid betteln müssen , braucht sich niemand mehr zu fürchten ! « Die Offiziere sahen einander betroffen an . Das hatten sie nicht erwartet ! Und nun , grad jetzt , geschah etwas , aus dem sie erkannten , daß es dem Pedehr sehr ernst mit seinen Worten war . Nämlich die Dschamikun hatten ihre Gefangenen untergebracht . Eine bestimmte Anzahl von ihnen war zu deren Bewachung beordert . Andere verbreiteten sich über den Platz , um zum Dienste des Pedehr bereit zu sein . Die übrigen aber setzten sich , als ob dies etwas ganz Selbstverständliches sei , auf die Soldatenpferde und ritten auf oder mit ihnen zum Thore hinaus und nach dem Dorfe hinunter . Das war natürlich alles vorher so bestimmt worden . Es bedurfte hierzu weder eines Befehles noch irgend einer Frage . Dennoch aber hatte der Pedehr bei der Entwerfung seines Verteidigungsplanes einen großen Fehler , eine Unterlassungssünde begangen . Er hatte etwas nicht mit in Betracht gezogen , was von einer andern und zwar höchst wichtigen Person für ungeheuer wesentlich gehalten wurde . Diese Person war unsere vortreffliche Pekala . Eben als der letzte der Dschamikun zum Thore hinausgeritten war , leuchtete vom Garten her das weiße Gewand der » Festjungfrau « in unseren Augen . Sie nahte sich der Treppe , langsam , zögernd , jetzt bedachtsam überlegend , ob sie ihre Absicht ausführen dürfe , dann aber wieder einige sehr energische Schritte vorwärts machend . Das erregte unser aller Aufmerksamkeit . Tifl stand von seinem Sitze auf und fragte ihr entgegen : » Suchst du vielleicht mich , meine gute Pekala ? « Da kam sie schnell vollends herbei und antwortete : » Nicht nur dich , sondern euch alle . « Sich hierauf an den Pedehr besonders wendend , fuhr sie in klagendem Tone fort : » Was habe ich dir gethan , o Pedehr , daß du mich heut so ganz vergessen hast ? Ich möchte meine Augen in Thränen baden , ganz