Sans doute , aujourd ' hui comme toujours . « Hansen-Grell behauptete das Gegenteil , aber doch mit einer Miene , die gegründete Zweifel in seine Versicherung gestattete . Jürgaß schüttelte den Kopf , und selbst Lewin entschloß sich zu direkterem Vorgehen . » Haben Sie etwas ? « » Nein . « » Ich kenne das « , warf Jürgaß ein . » Suchet , so werdet ihr finden . « Es entstand eine kleine Pause ; dann endlich sagte Hansen-Grell , indem er ein dickes Notizbuch aus der Tasche zog : » Gut , ich habe etwas . Aber es ist nicht eigentlich fertig und wird auch nie fertig werden . « » Nun « , erwiderte Lewin , » dann ist es so gut wie fertig oder besser als das . Es gibt ohnehin eine Literatur von Bruchstücken . Fragmente sind das Beste , was man bringen kann . Geben Sie her . « Grell riß das Blatt ohne weiteres aus dem Notizbuch heraus und gab es an Lewin , der , während Jürgaß herzlich lachte , » einen Dichter « , wie er sich ausdrückte , » einmal wieder auf seinen Winkelzügen ertappt zu haben « , die Strophen rasch überflog und durch mehrmaliges Nicken seine Freude und Zustimmung zu erkennen gab . Der Kaffee war inzwischen gekommen ; sie nippten nur , und da die etagenförmig aufgestellten Rhododendron- und Magnolientöpfe , zu denen sich als äußerste Seltenheit auch noch einige Kamelien gesellten , weder für Jürgaß noch für seine Begleiter ein besonderes Interesse boten , so brachen sie rasch wieder auf und gingen auf die Stadt zu . An der Ecke der Leipziger und Friedrichsstraße trennten sich ihre Wege . Siebentes Kapitel Kastalia Lewin ging zu Tisch . In dem sackgassenartig verbauten Teil der Taubenstraße , von dem aus damals , wie heute noch , ein schmaler Durchgang auf den Hausvogteiplatz führte , war eine altmodische Weinhandlung , in deren hochpaneeliertem , an Wand und Decke verräuchertem Gast- und Speisezimmer Lewin seine ziemlich einfache Mittagsmahlzeit einzunehmen pflegte . Rascher als gewöhnlich hatte er sie heute beendet , und vier Uhr war noch nicht heran , als er schon wieder in seiner Wohnung eintraf . Zwei Briefe waren in seiner Abwesenheit abgegeben worden , einer von Doktor Saßnitz , der sein lebhaftes Bedauern aussprach , am Erscheinen in der Kastalia verhindert zu sein , der andere vom Kandidaten Himmerlich , zugleich unter Beifügung eines lyrischen Beitrags . Es waren vier sehr lange Strophen unter der gemeinschaftlichen Überschrift : » Sabbat « . Lewin lächelte und schob das Blatt , nachdem er auf demselben mit Rotstift eine I vermerkt hatte , in einen bereitliegenden , als Kastaliamappe dienenden Pappbogen , in den er gleich darauf auch die von Hansen-Grell empfangenen Verse sowie seine eigenen Reime vom Abend vorher hineinlegte . Auch diese beiden Beiträge hatten zuvor ihre Rotstiftnummer erhalten . Hiermit waren die ersten Vorbereitungen getroffen , aber freilich nicht die letzten . Noch sehr vieles blieb zu tun , trotzdem zugestanden werden muß , daß einzelne Fragen durch eine weise Gesetzgebung aufs glücklichste geregelt und dadurch wie vorweg gelöst waren . So beispielsweise die Bewirtungsfrage . Es hieß in Paragraph sieben des von Jürgaß entworfenen Statutes wörtlich wie folgt : » Die Kastalia hat sich in Sachen der Bewirtung ihres Namens und Ursprungs würdig zu zeigen . Den Grundpfeiler ihrer Gastlichkeit bildet unverrückbar das reine Wasser und was diesem am nächsten kommt : der Tee . Nur exzeptionell darf ein Rhein- oder Moselwein geboten werden . Der große Vereinsbecher bleibt den Priesterhänden unseres Mitgliedes Lewin von Vitzewitz , als Gründer des Vereins , anvertraut . Substantia , selbst in Ausnahmefällen , nicht zulässig . « Dies war Paragraph sieben . Aber seine Voraussicht hatte nicht jede Schwierigkeit aus der Welt schaffen , am wenigsten die für Lewin immer brennender werdende Platzfrage lösen können , die sich teils aus der vergleichsweisen Enge seines Zimmers , teils aus den unausreichenden Möbelbeständen Frau Hulens ergab . Ein zarter Punkt , den sich Lewin der alten Frau gegenüber nicht zu berühren getraute . Und so mußten denn auch heute wieder , unter den Mühen immer erneuten Ausprobierens , zwei runde Tische nicht bloß nebeneinandergerückt , sondern auch in der Diagonale aufgestellt werden , da , bei Parallelstellung mit der Wand , die Türe nicht auf- und zugegangen wäre und zu einer Störung dieser immerhin wichtigen , weil einzigen Kommunikationslinie mit Frau Hulen geführt haben würde . Endlich war alles geschehen , und Lewin mochte sich seines Werkes freuen , Lampe und Lichter brannten . Auf dem einen der beiden Tische präsentierte sich das Symbol der Kastalia , die große Wasserkaraffe , während in der Mitte des andern der mit Perlen gestickte Tabakskasten aufragte , dessen Haupt- und Deckelbild den Tod der Königin Dido darstellte . Zwischen Sofa und Tür , an einer Wandstelle , die wenigstens von den meisten Tischplätzen aus mit Leichtigkeit abgereicht werden konnte , stand nach damaliger Sitte ein ständerartiger Pfeifentisch , die Weichselholzrohre , oder woraus sonst sie bestehen mochten , mit Puscheln und Quasten reich geschmückt , während einige Rheinweinflaschen und neben ihnen der in dünnstem Silberblech getriebene Kastaliabecher in einer Ecke des Fensterbrettes ihrer Zeit warteten . Frau Hulens Schwarzwälder Uhr , deren Ticktack man auch in Lewins Zimmer hörte , hatte kaum sieben ausgeschlagen , als es klingelte . Es waren Rabatzki und Himmerlich , die sich auf der dritten Treppe getroffen und trotz der herrschenden Dunkelheit erkannt oder doch auf gut Glück hin begrüßt hatten . Waren sie doch , nach einer Art von stillschweigendem Übereinkommen , immer die ersten und benutzten die Minuten , die ihnen bis zum Eintreffen der anderen Mitglieder blieben , zur Erledigung von redaktionellen Fragen . Rabatzki gab nämlich ein kleines Sonntagsblatt heraus , und ohne Übertreibung durfte gesagt werden , daß der lyrisch-novellistische Teil desselben jedesmal vor Beginn der letzten Kastaliasitzung endgültig festgestellt wurde . Nur heute nicht . Rabatzki hatte kaum Zeit gefunden , an