, und vermied es danach geflissentlich , mit ihr zusammen zu sein . Als er um die Frühstückszeit vom Felde nach Hause kam , fragte er : Ist etwas vom Schlosse da ? - Eva , die still war , wie nur große Unruhe sie es werden ließ , verneinte es . So soll der Kutscher anspannen ! Du willst fahren , lieber Bruder ? Ja ! Das Reiten macht mich warm ! entgegnete er und verließ sie , ohne weiter mit ihr zu sprechen . Als er wiederkehrte , hatte er sich gekleidet wie ein Mann seines Standes es für eine feierliche Handlung zu thun pflegte ; auch seine ernste , zusammengefaßte Haltung war einer solchen entsprechend . Während er den Wagen erwartete , trat Eva an ihn heran , und ihre Hand auf seine Schulter legend , sagte sie : Es thut mir recht leid , Bruder , daß ich Dir Ungelegenheiten veranlasse ! Mach ' Dir keine Sorgen darum ; wer weiß , wozu es gut ist ! versetzte er . Eva rückte ihm die Schleife am Halstuche zurecht , bürstete ihm den sauberen Tuchrock noch einmal ab und machte sich immer wieder etwas mit ihm zu schaffen , aber sie sprachen nicht mit einander . Der Amtmann hielt sich innerlich vor , was er dem Freiherrn vorzustellen gedachte ; Eva hätte dem Bruder gern sagen mögen , was sie vor dem Freiherrn gesagt zu haben wünschte , aber sie traute sich nicht , dem Bruder vorzuschreiben , und so begleitete sie ihn vor die Thüre hinaus , wo der Einspänner ihn erwartete . Du kommst doch geraden Weges nach Hause ? fragte sie . Geraden Wegs ! versetzte er und befahl dem Kutscher , zuzufahren . Wer den Freiherrn sprechen wollte , mußte gegen zwölf Uhr kommen . Das war nun freilich für seine Leute , besonders für diejenigen , welche nicht in Richten , sondern in Neudorf oder , wie der Amtmann , gar in Rothenfeld wohnten , nicht die bequemste Stunde , denn es war ihre Mittagszeit ; aber gerade deßhalb hatte der Großvater des Barons es also eingeführt , und man hatte es beibehalten von Vater auf Sohn , damit man nicht ohne gewichtigen Grund in Anspruch genommen und nicht unnöthig von den Leuten aufgehalten werden konnte . Der Freiherr , welcher auf seine Wohlgestalt immer großen Werth gelegt , neigte seit einiger Zeit zum Fettwerden und hatte deßhalb angefangen , sich viel Bewegung zu machen . Als man ihm den Amtmann meldete , ging er eben in Gesellschaft des Marquis in dem großen Saale des Erdgeschosses auf und nieder , in welchem man zur Winterzeit einen Theil der immergrünen Gewächse aufzustellen pflegte , und da die Sonne warm und hell durch die geöffneten Thüren hineinschien , so daß es dem Freiherrn in der Luft behagte , befahl er , den Amtmann hieher zu senden . Vermuthlich ein Liebesbote , aber freilich ein etwas robuster , bemerkte lächelnd der Marquis , nachdem der Kammerdiener sich entfernt hatte . Ich hoffe , Herr Baron , die Fürbitte Ihrer Frau Gemahlin wird Sie erweicht haben . Und sich auf ein damals übliches Madrigal beziehend , sang er mit seiner schönen Stimme : Es ist so süß , so süß , zu beglücken ! Der Freiherr , welcher den ganzen Morgen , obschon er sich sehr gleichmüthig zeigte , doch nicht gut aufgelegt gewesen war , lächelte flüchtig und bemerkte : Sie werden es trotzdem bei Zeiten lernen müssen , sich den Wünschen der Damen zu widersetzen ! So wollen Sie wirklich die kleine Eva dem Architekten noch nicht bewilligen ? fragte der Marquis , während ein kaum merkliches Lächeln um seine feinen , sarkastischen Lippen spielte . Ich pflege von meinen wohl begründeten Vorsätzen nicht zurückzukommen , mein lieber Marquis . Der Marquis verneigte sich leicht . Gewiß nicht ! rief er , und als komme ihm eben erst der Gedanke , fügte er hinzu : Uebrigens haben Sie , glaube ich , durchaus Recht , mein verehrter Freund , wenn Sie diesem Herrn Herbert in einem gewissen Punkte , den man freilich nicht zu schwer nehmen darf , nicht so unbedingt vertrauen , als die Frau Baronin und der würdige Caplan , denn im Uebrigen mag sicherlich nichts gegen Ihren Architekten einzuwenden sein ! Der Freiherr antwortete darauf nicht sogleich . Es lag im Allgemeinen nicht in seiner Art , solche Einflüsterungen zu beachten . Indeß gegen seine Gewohnheit fragte er nach einer Weile : Marquis , was wissen Sie von dem Architekten ? Nur Gerüchte , wenn ich ' s recht bedenke , versetzte dieser zurückhaltend , nachdem die Frage an ihn gethan worden . Und welche , wenn ich bitten darf ? Ich hörte sie neulich , als ich in der Stadt war . Man nannte ihn den Liebhaber von Mademoiselle Flies , von der Tochter Ihres Juweliers , die er freilich nicht heirathen kann .... Und weßhalb nicht ? Ach , eine Jüdin ! meinte der Marquis . Mich dünkt , entgegnete der Freiherr , es haben in der Hauptstadt jetzt ganz andere Leute als mein Architekt die Töchter reicher Juden zu Frauen genommen , und es ist seit Jahren in der Welt mehr Auffallendes geschehen , als das . Reich genug ist Flies , und Sie sagen ja , schön sei das Mädchen auch geworden ! Sich verdammen zu lassen um sie ! rief der Marquis und erging sich in der Beschreibung von Seba ' s Reizen . Der Freiherr hörte nicht darauf . Es ist mir lieb , dies zu wissen ! war Alles , was er sagte , als eben der Diener anzeigte , daß der Amtmann warte . Als Adam in die Gallerie trat , war er unangenehm durch die Gegenwart des Marquis überrascht , obschon dieser sich zurückgezogen hatte und , anscheinend mit einem Buche beschäftigt , an dem Postamente einer der Statuen lehnte , deren sich mehrere zu beiden Seiten aufgestellt befanden . Der Freiherr