sich nicht nur des besten Leumundes erfreuen , sondern schon durch ihre Lebensstellung besonderes Vertrauen erwecken . Die eine dieser Personen ist Küster in hiesiger Stadt , ein allgemein geachteter Mann ; die andere - eine Frau - lebt in der Residenz und ist trotz ihres hohen Alters noch immer in ihrem Berufe - der nebenbei ein halb ärztlicher ist - thätig . Wenn ich überhaupt je gezweifelt hätte , daß der bewußte junge Mann wirklich , ich meine , vor Gericht erweislich , der Sohn des seligen Baron Harald von Grenwitz sei , so würde dieser Zweifel nach diesen neuesten Entdeckungen vollkommen bei mir geschwunden sein , und ich glaube , Frau Baronin , daß Sie mir darin beistimmen werden . Darf ich Sie ersuchen , Herr Geometer , mir zu sagen , zu welchem Zwecke Sie mich mit diesen Mittheilungen beehren ? erwiderte die Baronin mit der Ruhe , welche sie sich in Geschäftsverhandlungen zur unumstößlichen Pflicht gemacht hatte . Recht gern , Frau Baronin ; ich komme eigentlich nur deshalb . Sie wissen , daß man für einen Vogel in der Hand mehr fordern kann , als für einen , der vorläufig noch auf dem Dache sitzt , und daß , wer ein Ding billiger verkauft , als er werth ist , gerechten Anspruch auf den Titel eines Narren hat . Nun kennen Sie die Bedingungen , unter denen ich Baron Felix versprochen habe , in der bewußten Erbschaftsangelegenheit reinen Mund zu halten - Verzeihen Sie , daß ich Sie unterbreche , Herr Geometer . Ich weiß nichts von solchen Bedingungen ; ich habe meinem Neffen Auftrag gegeben , Sie , einzig und allein zu dem Zweck , uns vor Ihnen Ruhe zu verschaffen , durch irgend eine beliebige Summe abzufinden , und mein Neffe hat mir noch vor seiner Abreise die Versicherung gegeben , daß diese Angelegenheit definitiv erledigt ist . Ich muß Sie also ein für allemal bitten , nicht wieder auf abgethane Sachen zurückzukommen und mich zu entschuldigen , wenn ich Sie heute nicht länger mehr bei mir sehen kann . Die Baronin wollte sich erheben , als Albert mit einem so scharfen , schneidenden Tone sagte : Bitte , behalten Sie noch einen Moment Platz , Frau Baronin ! daß sie diesem Befehl halb aus Verwunderung und halb aus Furcht Folge leistete . Ich habe es satt , länger mit mir spielen zu lassen ; fuhr Albert in demselben Tone fort . Wenn Baron Felix Ihnen nicht gesagt hat , was wir untereinander abgemacht haben , so ist er einfach zu feig dazu gewesen . Uebrigens kommt auch gar nichts darauf an , ob Sie die alte Verabredung kennen oder nicht : denn ich komme gerade deshalb , um Ihnen zu sagen , daß ich nach den neuesten Entdeckungen nicht länger gesonnen bin , Sie so leichten Kaufes los zu lassen . Ich fordere jetzt rund und klar vierzigtausend Thaler , zahlbar binnen hier und vierzehn Tagen : und ersuche Sie , mir eben so rund und klar zu antworten , ob Sie zahlen wollen oder nicht . Diese Unverschämtheit geht zu weit , sagte Anna-Maria , sich von ihrem Sitz erhebend und nach der Schelle , die neben ihr auf dem Tische stand , greifend . Lassen Sie das Ding stehen , sagte Albert ; das Klingling könnte Ihnen theuer zu stehen kommen . Bedenken Sie wohl , was Sie thun ! Wenn wir aufhören , gute Freunde zu sein , so giebt ' s einen Kampf auf Tod und Leben ; und seien Sie versichert : Albert Timm giebt keinen Pardon . Noch einmal : wollen Sie zahlen , oder nicht ? In diesem Augenblick wurde die Thür geöffnet . Der Bediente trat mit zwei brennenden Armleuchtern herein , dicht hinter ihm kam der Fürst . Der Bediente stellte die Leuchter auf den Tisch und entfernte sich ; der Fürst bemerkte erst , als er das halbe Zimmer schon durchschritten hatte , daß außer der Baronin noch Jemand da war . Ah pardon , Madame , sagte er , ich glaubte von dem Bedienten zu vernehmen , daß Sie allein seien . Befehlen Sie , daß ich mich wieder entferne ? Nicht doch , mein Fürst , erwiderte Anna-Maria , ich habe mit dem jungen Menschen nichts mehr zu reden , und sie machte gegen Albert eine Handbewegung , die ausdrücken sollte , daß er entlassen sei . Herr Albert Timm wedelte mit dem Hut , den er in den auf den Rücken gelegten Händen hielt und sagte , den einen Fuß ein wenig vorstreckend : Es scheint mir , gnädige Frau , Sie wollen , daß ich meine letzte Frage in Gegenwart dieses Herrn wiederhole ? Wer ist der junge Mensch ? fragte der Fürst , einigermaßen verwundert über Alberts Benehmen und das aufgeregte Wesen der Baronin . Ein Mensch , antwortete diese , der uns seit einiger Zeit unter dem Vorwande , im Besitz von Gott weiß welchen Familiengeheimnissen zu sein , mit unverschämten Forderungen verfolgt , so daß ich mich wohl genöthigt sehen werde , die Polizei gegen ihn in Anspruch zu nehmen . Der Fürst blickte Albert aus seiner stattlichen Höhe herab von oben bis unten an , ging dann langsam nach dem Tisch , nahm das silberne Glöckchen und schellte . Der Bediente trat sofort herein . Führen Sie diesen Menschen hinaus ! sagte der Fürst . Der Bediente war über diesen Befehl so erstaunt , daß er nicht wußte , ob er recht gehört hatte , oder nicht . Er blickte mit einem verlegenen Gesicht von dem Fürsten auf Herrn Albert Timm , der noch immer , mit dem Hute wedelnd , ruhig dastand ; von Herrn Albert Timm auf den Fürsten . Haben Sie nicht gehört , sagte dieser Letztere , die schwarzen Brauen drohend zusammenziehend . Der Mann trat einen Schritt auf Timm zu . Ich will Ihnen die unangenehme Alternative , von mir die Nase eingeschlagen zu bekommen oder aus dem Dienst