Schmuckes beraubt worden ist , daß man die Pfründen und Stifte einzog , die Bisthümer plünderte , die Klöster aufhob , den Schulen , unsern niedern und höhern , die alte Form nicht nur , sondern die ganze Existenz nahm : selbst bis in das innerste Leben unsers Glaubens dringt die Tyrannei des weltlichen Armes ! Wo ist noch irgend , außer im Beichtstuhl , ein freier Verkehr des Seelenhirten mit seiner Gemeinde ! Wo ein ungehinderter Verkehr des Unterhirten mit dem Oberhirten ! Wo kann sich ein Wunsch , eine Bitte , eine Mahnung aussprechen innerhalb unserer eigenen Angelegenheiten , ohne daß nicht die weltlichen Räthe , deren Mehrzahl unserer Kirche nicht angehört , ihr Ohr hinhalten und die letzte Entscheidung geben ! Wir sind Fremdlinge im eigenen Lande , Parias , die der Botmäßigkeit herrschender Rajahs unterworfen sind ! Und womit herrschen sie ? Mit unserm eigenen Gut und Blut , mit den Besitzthümern der Kirche , die sie säcularisirten , mit dem Schweiß unserer Arbeit , mit dem Erwerb unserer Hände , mit den Steuern , die wir reichlicher zu zahlen haben als die Provinzen , die man im Osten bevorzugt ! Darf es mitten in unsern Landen eine Universität geben , in der nicht alle Wissenschaften , die sie lehrt , in unserm Glauben wurzeln ? Darf eine Philosophie gelehrt werden , die Rom verworfen hat ? Darf noch länger ein hundert Meilen von uns entlegenes Ministerium , in dem nur ein einziger , mit Titeln und Orden verführter Rath unsers Glaubens sitzt , unsere Lebensfragen ordnen und entscheiden ? Soll für die Besetzung der Stellen der Bischof kaum ein Vorschlagsrecht ausüben und die Bureaukratie den Ausschlag geben ? Soll jedes schadhafte Dach , das über dem Hochheiligsten auszubessern ist , jedes nothwendige neue Meßgewand , jeder außergewöhnliche Schmuck eines mit besonderer Vorliebe gerade an diesem Orte und gerade auf jene heilige Erinnerung gerichteten Festes einer weltlichen Bewilligung bedürfen ? Soll sich keine Fahne mehr mit dem hochheiligsten Bilde der gnadenreichen Gottgebärerin zu einer Procession entfalten dürfen , ohne daß diese Gensdarmen dem Priester , der mit seinen frommen Seelen über die thauigen Wiesen dahin zu einem Gnadenorte wallfahrtet , seinen Erlaubnißschein abverlangen , wie einem reisenden Handwerksburschen sein Wanderbuch ? Sollen diese ehernen Zungen , die in den Lüften die Lebenden rufen , die Todten beklagen , den Blitzen Halt gebieten , nicht reden dürfen , wenn die Lust und Wonne unsers hochheiligsten Kirchenjahrs , die weihevolle Erinnerungsfreude , der heilige Bußdrang , die Märtyrerandacht und das Bittgebet gläubiger Seelen Gleichgestimmte in die heiligen Kirchenhallen ruft ? Soll uns der Wein zugemessen werden und geaicht die heilige Kanne , soll das Brot des ewigen Lebens halbirt und zerschnitten werden wie das Brot in den Kasernen ? Soll das von dem Hochheiligsten tröpfelnde Wachs gesammelt werden , wie von den Bedienten geiziger Herrschaften das Wachs gesammelt werden muß nach den Orgien , die sie mit Tanz und Musik feiern ? O daß das Maß unserer Leiden noch immer nicht voll ist zum Ueberfließen für die Feigheit und Muthlosigkeit dieser Zeiten ! Wir haben als Kirchenfürsten einen Geharnischten des Herrn , einen Michael im Panzerkleide unter dem Pallium der höchsten Kirchenwürde , einen Streiter , der die Mitra trägt wie den dreimal umbuschten Helm eines Gottfried von Bouillon ! Und mehr ! Rom , das endlich den Muth wiedergewonnen , sich von einer langen Ohnmacht und aus dem Stande der Erniedrigung aufzuringen zu seiner großen Stellung , wieder mitzureden im Rath der Großen mit blitzendem Bannstrahl und donnernder Bulle , Rom hat ihn gesegnet , diesen Streiter des Herrn , hat ihm das rothe Kreuz des Gotteskampfes auf die Schulter geheftet ... Und doch - ! Wie zaghaft ist bei alledem der Beistand , den er sogar unter uns selbst findet ! Wie angstvoll noch unser Umblick auf diesen Heerbann der Hof- und Land- und Steuer- und Kriegs- und Staats-und Regierungs- und Kirchenräthe ! O daß die Stunde uns gerüstet finden möge , die Stunde der Entscheidung ! Sie wird hereinbrechen wie ein Dieb in der Nacht , wie ein Weib die Wehmutter ruft , wie die zum Tod Erkrankte den Priester , ungeahnt , unerwartet ! Unser frommer Bruder da berichtet , daß die Frage der gemischten Ehen für unsern gottseligen Kirchenfürsten an Ketten und Banden streift ! Die brennende Frage des Tages war ausgesprochen . Mehrere der Pfeifen gingen aus , andere wurden beiseite gelegt . Der Gegenstand wurde zu ernst . Eine drückende allgemeine Stille war die Folge dieser zuletzt ganz abgelesenen Anrede . Der Sprecher , der sich somit offen als Mitverfasser so vieler damals in Würzburg und Augsburg zuerst auftauchender Schriften enthüllte , sah sich im Kreise rundum . Seine Augen funkelten , die starken Züge des Antlitzes waren geröthet ; die rechte Hand , zur Faust geballt , hatte mehrmals auf den Tisch gedonnert ... Man kann wirklich nichts sehnlicher wünschen , als daß dieser schwierige Gegenstand seine endliche Erledigung finden möge ... sprach eine schüchterne Stimme ... Rom hat gesprochen ! riefen andere ... Aber das Breve muß uns erst durch die Regierung zukommen ! erwiderte der factische Verwalter der Dechanatsgeschäfte von St.-Zeno. Das ist es eben ! ertönte von mehr als einem Drittel der Anwesenden . Auch Ruhigere klagten , daß die Seelsorge in der bittersten Bedrängniß wäre . Der Staat verböte die Weigerung der Einsegnung ohne Vorbehalt der Religion der Kinder und Rom wolle doch diese Weigerung ... Schon erhoben sich einzelne und drückten in ihren Mienen den Schmerz aus , daß man nicht zweien Herren zugleich dienen könne . Hunnius ermahnte zum Sitzenbleiben . Daß diese Protestanten , sprach und las er weiter , nicht einsehen , was es denn eigentlich mit unserm Glauben ist ! Herr Gott im Himmel ! Es ist ja nicht die Unduldsamkeit , es ist ja nicht die Proselytenmacherei , die uns gebietet , eine Ehe zwischen Rechtgläubigen und Heterodoxen nur dann einzusegnen , wenn ein Versprechen vorangegangen ist , daß die