, damit ich sie so bald als möglich in den Garten des Vaters bringen könnte , und nachdem ich versprochen hatte , in diesem Sommer noch einen Besuch in der Anstalt zu machen , trat ich den Rückweg in das Rosenhaus wieder an . Ich bestieg auf meiner Wanderung , die ich in den Bergen zu Fuße machte , das Eiskar , setzte mich auf einen Steinblock und sah beinahe den ganzen Nachmittag in tiefem Sinnen auf die Landschaften , die vor mir ausgebreitet waren , hinaus . In dem Rosenhause beschäftigte ich mich wieder mit Betrachtung der Bilder . Ich nahm sogar ein Vergrößerungsglas und sah die Gemälde an , wie denn die verschiedenen alten Meister gemalt haben , ob der eine einen stumpfen , starren Pinsel genommen habe , der andere einen langen , weichen , ob sie mit breitem oder spitzigem gearbeitet , ob sie viel untermalt haben oder gleich mit den schweren , undurchsichtigen Farben darauf gegangen seien , ob sie in kleinen Flächen fertig gemacht oder das Große vorerst angelegt und es in allen Teilen nach und nach der Vollendung zugeführt hätten . Mein Gastfreund war in diesen Dingen sehr erfahren und stand mir bei . Von den Dichtern nahm ich jetzt Calderon vor . Ich konnte ihn bereits in dem Spanischen lesen , und vertiefte mich mit großem Eifer in seinen Geist . Wir besuchten mehrere Male den Inghof . Es wurde dort Musik gemacht , es wurde gespielt , wir besuchten die schönsten Teile der Umgebung , oder besahen , was der Garten oder der Meierhof oder das Haus Vorzügliches aufzuweisen hatte . Zur Zeit der Rosenblüte kam Mathilde und Natalie auf den Asperhof . Wir wußten den Tag der Ankunft , und erwarteten sie . Als sie ausgestiegen waren , als Mathilde und mein Gastfreund sich begrüßt hatten , als einige Worte von den Lippen der Mutter zu Gustav gesprochen worden waren , wendete sie sich zu mir und sprach mit den freundlichsten Mienen und mit dem liebevollsten Blick ihrer Augen die Freude aus , mich hier zu finden , zu wissen , daß ich mich schon ziemlich lange bei ihrem Freunde und ihrem Sohne aufgehalten habe , und zu hoffen , daß ich die ganze schöne Jahreszeit auf dem Asperhofe zubringen werde . Ich erwiderte , daß ich heuer beschlossen habe , den ganzen Sommer über bloß für mein Vergnügen zu leben , und daß ich es mit großem Danke anerkennen müsse , daß mir erlaubt sei , auf diesem Sitze verweilen zu dürfen , der das Herz , den Verstand und das ganze Wesen eines jungen Mannes so zu bilden geeignet sei . Natalie stand vor mir , da dieses gesprochen worden war . Sie erschien mir in diesem Jahre vollkommener geworden , und war so außerordentlich schön , wie ich nie in meinem ganzen Leben ein weibliches Wesen gesehen habe . Sie sagte kein Wort zu mir , sondern sah mich nur an . Ich war nicht im Stande , etwas aufzufinden , was ich zur Bewillkommung hätte sagen können . Ich verbeugte mich stumm , und sie erwiderte diese Verbeugung durch eine gleiche . Hierauf gingen wir in das Haus . Die Tage verflossen wie die in den vergangenen Jahren . Nur eine einzige Ausnahme trat ein . Man begann nach und nach von den Bildern zu sprechen , man sprach von der Marmorgestalt , welche auf der schönen Treppe des Hauses stand , man ging öfter in das Bilderzimmer und besah verschiedenes , und man verweilte manche Augenblicke in der dämmerigen Helle der Treppe , auf welche von oben die sanfte Flut des Lichtes hernieder sank , und vergnügte sich an der Herrlichkeit der dort befindlichen Gestalt und der Pracht ihrer Gliederung . Ich erkannte , daß Mathilde in der Beurteilung der Kunst erfahren sei , und daß sie dieselbe mit warmem Hetzen liebe . Auch an Natalien sah ich , daß sie in Kunstdingen nicht fremd sei , und daß sie in ihrer Neigung etwas gelten . Ich machte also jetzt die Erfahrung , daß man in früherer Zeit , da ich mein Augenmerk noch weniger auf Gemälde und ähnliche Kunstwerke gerichtet hatte , und dieselben einen tiefen Platz in meinem Innern noch nicht einnahmen , mich geschont habe , daß man nicht eingegangen sei , in meiner Gegenwart von den in dem Hause befindlichen Kunstwerken zu sprechen , um mich nicht in einen Kreis zu nötigen , der in jenem Augenblicke noch beinahe außerhalb meiner Seelenkräfte lag . Mir kam jetzt auch zu Sinne , daß in gleicher Weise mein Vater nie zu mir auf eigenen Antrieb von seinen Bildern gesprochen habe , und daß er sich nur in so weit über dieselben eingelassen , als ich selber darauf zu sprechen kam und um dieses oder jenes fragte . Sie haben also sämtlich einen Gegenstand vermieden , der in mir noch nicht geläufig war , und von dem sie erwarteten , daß ich vielleicht mein Gemüt zu ihm hinwenden würde . Mich erfüllte diese Betrachtung einigermaßen mit Scham , und ich erschien mir gegenüber all den Personen , die nun durch meine Vorstellung gingen , als ungefüg und unbehilflich ; aber da sie immer so gut und liebreich gegen mich gewesen waren , so schloß ich aus diesem Umstande , daß sie nicht nachteilig über mich geurteilt , und daß sie meinen Anteil an dem , was ihnen bereits teuer war , als sicher bevorstehend betrachtet haben . Dieser Gedanke beruhigte mich eines Teiles wieder . Besonders aber gereichte es mir zur Genugtuung , daß sie mit einer Art von Freude in die Gespräche eingingen , die sich jetzt über bildende Kunst entspannen , daß also das nicht unsachgemäß sein mußte , was ich in dieser Richtung jetzt äußerte , und daß es ihnen angenehm war , mit mir auf einer Lebensrichtung zusammen zu treffen , welche für sie Wichtigkeit hatte . Eines Tages , da die Blüte der Rosen schon beinahe zu Ende war