zu der , was Euch das Herz schwellt . Aber umsonst sollt Ihr kein Spielmann geworden sein . « Sie pfiff durch die Finger und tat einen schönen Lockruf zu der niedern Hütte auf der Klus hinüber , da kam ihr Liebster , der Senn , das Alphorn umgehangen , ein frisches junges Blut , im rechten Ohr trug er den schweren silbernen Ring , des Sennen Ehrenzeichen , die Schlange , die an silbernem Kettlein den schwanken Milchlöffel hält , und um die Lenden glänzte der breite Gürtel , drauf in getriebenem Metall ein kuhähnlich Ungetüm zu schauen war273 ; scheu neugierig stund er vor Ekkehard , aber Benedicta sprach : » Jetzt spielet uns einen Tanz auf , Bergbruder ; wir haben uns schon lang ' geärgert , daß wir ' s nicht selber können , aber wenn er das Alphorn bläst , kann er mich nicht zugleich fassen und lustig umschwingen , und wenn ich die Schwegelpfeife tönen lasse , hab ' ich auch keinen Arm frei . « Und Ekkehard erquickte sich an der gesunden Fröhlichkeit der Kinder vom Berg und griff wacker in die Saiten , und sie tanzten im weichen Gras der Matten , bis der Mond in gelber Schöne sich über die Maarwiese hob , den grüßten sie mit Jauchzen und Zauren274 und tanzten weiter in vergnüglichem Wechselgesang : » Und das Eis kam gewachsen Bis zur Alpe daher , Wie schad ' um das Mägdlein , Wenn ' s eingefroren wär ' ! « summte Benedictas Tänzer in den leichthinschwebenden Reigen ; » Und der Föhn hat geblasen , Kein Hüttlein mehr steht - Wie schad ' um den Buben , Wenn ' s auch ihn hätt ' verweht ! « sang sie antwortend in gleicher Tonart . Und wie sie müde vor dem angehenden Dichter ausruhten , sprach Benedicta : » Ihr sollt auch Euern Lohn überkommen , herzlieber Harfeniste . Es geht ein alt Gerede auf unsern Bergen , daß alle hundert Jahr ' auf kahlem Hang eine wundersame blaue Blume blühe , und wer die Blume hat , dem steht plötzlich Ein- und Ausgang des Berges offen , drinnen glänzt es mit hellem Schein und die Schätze der Tiefe heben sich zu ihm herauf , davon mag er greifen , so viel sein Herz begehrt , und seinen Hut bis zum Rande füllen . Wenn ich die Blume finde , bring ' ich sie Euch , dann werdet Ihr ein steinreicher Mann , ich kann sie doch nicht brauchen « - sie schlang ihren Arm um den jungen Senn - » ich hab ' den Schatz schon gefunden . « Aber Ekkehard sprach : » Ich kann sie auch nicht brauchen ! « Er hatte recht . Wem die Kunst zu eigen ward , der hat die echte blaue Blume : wo für andere Stein und Fels sich auftürmt , tut sich ihm das weite Reich des Schönen auf , dort liegen Schätze , die kein Rost verzehrt , und er ist reicher als die Wechsler und Mäkler und Goldgewaltigen der Welt , wenn auch in seiner Tasche oftmals der Pfennig mit dem Heller betrüblich Hochzeit feiert . » Ja , was fangen wir dann mit der Wunderblume an ? « sprach Benedicta . » Gib sie den Ziegen zu fressen oder dem großen Stierkalb « , lachte der Senn , » denen ist auch was zu gönnen . « Und wiederum hoben sie die Füße zum Tanz und schwangen sich im Mondschein , bis Benedictas Vater heraufgestiegen kam . Der hatte nach vollbrachtem Tagewerk den seither von der Sonne gebleichten Schädel des Bären über die niedere Tür seiner Sennhütte genagelt275 und ihm mit einem Tropfstein den Rachen aufgesperrt , daß Ziegen und Kühe scheu vor der neuen Wandverzierung davonliefen . » Ihr gumpet und ruguset276 ja , daß der Säntis zu wanken und schüttern anhebt « , rief der alte Alpmeister schon von weitem , » was ist das für ein Gelärme ? « Gutmütig scheltend trieb er sie in die Hütte . Das Waltharilied schritt rasch vorwärts . Wenn das Herz erfüllt ist von Sang und Klang , hat die Hand sich zu sputen , dem Flug der Gedanken nachzukommen . Eines Mittags wollte Ekkehard seinen schmalen Felssteig entlang wandeln : da kam ihm ein sonderbarer Gast entgegen . Es war die Bärin , die er aus dem Schnee gegraben , langsam stieg sie den Pfad herauf , sie trug etwas in der Schnauze . Er sprang zur Höhle zurück und griff seinen Speer , aber die Bärin kam nicht als Feind , achtungsvoll machte sie Halt am Höhleneingang und legte auf die vorspringende Felskante ein fettes Murmeltier , das sie beim Spielen im sonnigen Gras erschnappt . War ' s ein Geschenk für die Lebensrettung , war ' s Ausdruck anderweiter Anwandlungen , wer weiß es ? Ekkehard hatte freilich mitgeholfen , die sterblichen Reste des Ehgemahls der Verwitibten zu verzehren ; - ob dadurch ein Stück Neigung auf ihn übergelenkt werden konnte ? - wir kennen die Gesetze der Wahlverwandtschaft zu wenig . Die Bärin setzte sich schüchtern vor der Höhle nieder und schaute unbeweglich hinein ! Da ward Ekkehard gerührt , er schob ihr , immer den Speer in der Faust , ein hölzern Schüsselein mit Honig in die Nähe , aber sie schüttelte gekränkt das Haupt , der Blick aus ihren kleinen Augen , denen das Augenlid fehlte , war traurig erheiternd , so daß Ekkehard seine Harfe von der Wand holte und anfing , den Reigen zu spielen , den sich Benedicta von ihm erbeten . Das labte der Verlassenen Gemüt , sie erhob sich und ging aufrecht in rhythmischer Grazie bald vorwärts , bald zurück , und Ekkehard spielte schneller und stürmischer , aber da blickte sie verschämt zur Erde ; zu tanzen gestattete ihr dreißigjähriges Bärengewissen nimmer , sie streckte sich wieder wie zuvor vor der Höhle , als wollte sie das Lob verdienen , das der Verfasser des Hymnus