stand und eben Hannchen Schlurck ' s Hand geküßt hatte , da ihm die ruhige , klare und lebensfrohe Weise der Frau , die wieder den Champagner wie gewöhnliches Getränk hatte einschenken lassen , ganz wohl gefiel , rief ihm Melanie leise zu : Bleiben Sie doch noch ! Als Lasally noch über die morgende Equipirung sprach und nun der Knäuel der Gesellschaft wieder nicht recht auseinandergehen wollte , streifte sie an Dankmar vorbei und flüsterte die Worte : Gehen Sie lieber ! In einer Viertelstunde an der steinernen Vase im untern Garten ... Dankmar winkte ihr leise bejahend zu , sprach noch einmal laut seine Freude aus , morgen in so angenehmer unterhaltender Gesellschaft seine Rückreise antreten zu dürfen und empfahl sich . Die noch Gebliebenen flüsterten erstaunt hinter ihm her . Er hatte das Talent gehabt , trotzdem daß er wenig sprach , sich doch immer als den Mittelpunkt des Abends zu erhalten und jedem Worte , jeder Bewegung , die von ihm ausging , die allgemeinste und seinem Zweck und Wesen nachspürende Aufmerksamkeit zu sichern . Das Gerücht , das ihn zum Prinzen Egon machte , hatte sich bis zu ihnen noch nicht verbreitet ... Es schlug vom Dorfe herauf zehn , als Dankmar an die steinerne Vase im untern Garten trat , wo er Melanien erwarten sollte . Es war dieselbe , an die er sich bei der ihn wie ein Schlag treffenden Erzählung über Hackert ' s Frevel hatte lehnen müssen . Wie bewegt war sein Herz ! Wie flossen die wunderbarsten Erfahrungen und Eindrücke in seinem Innern zu einem Gefühle zusammen , das nicht mehr jene behagliche Sorglosigkeit über ihn ausgoß , die er in dem ersten Anfang des über ihn verhängten Misverständnisses empfand ! Wie neu war das Alles und wie folgenschwer konnte es werden ! Schon sah er sich als gerichtlicher Zeuge in der Nothwendigkeit , seine gegen Hackert ausgesprochene Beschuldigung zurücknehmen oder beweisen zu müssen . Eben so verwickelt konnten sich die Beziehungen zum Fürsten gestalten . Und diese bedenkliche Melanie ! Was bezweckte sie ? Wohin riß sie der Muth , den der von ihm doch nur wenig genährte Glaube an seine Einerleiheit mit Egon dem jungen , waghälsigen Mädchen einflößte ? Scheiterte Das , was sie vielleicht unternahm ... mußte er es nicht verantworten ? Wie erschrak da sein rechtskundiger und bei allem Freimuth an Gesetzmäßigkeit gewöhnter Sinn ! ... Und doch traten alle diese Bedenklichkeiten gegen den allgewaltigen Zauber zurück , mit dem ihn Melanie in so kurzer Zeit wie seinen Bruder Siegbert umstrickt hatte . Gibt es denn auch ein wonnigeres Gefühl , als so im Fluge , ohne Anstrengung , ohne lange Werbung , von Frauen zärtliche Hingabe zu gewinnen ? Noch hatte Dankmar sich keiner Gunst von Melanie rühmen können , aber er fühlte es dieser zarten Hand , wenn sie ihn flüchtig berührte , der Brust , wenn sie in seiner Nähe sich hob , dem Hauch ihres Mundes an , wenn sie ihm leise ein Wort der Vertraulichkeit zuflüsterte , daß ein excentrisches Wesen , welches vielleicht Allen gefallen wollte und Keinem sich ergab , ihm den Siegespreis der Liebe bieten könnte ... Dankmar war , sonst vielgeliebt , selbst eher kalt gegen die Frauen . Sie beschäftigten ihn nie so ausschließlich , wie andere junge Männer , deren ganzes Fühlen und Denken sich nur um die Liebe spinnt ... Aber Melanie ' s Herz ... das klopfte schon dicht an seinem eigenen Herzen . Ihre Wange ... er fühlte es , sie schmiegte sich schon zum Kusse seines Mundes hin ... Er griff in die Luft ... doch wußte er , daß diese Arme sich nicht mehr lange vergebens nach den schönsten und liebenswürdigsten Formen ausstrecken würden ... So stand er , der junge leidenschaftliche Mann , den wir entschuldigen müssen , eine Weile harrend an der Marmorvase , überwältigt von Sehnsucht , zitternd auf den Triumph über ein liebendes Weib , den Fuß auf den Sockel der Vase , das Haupt in den Arm stützend und hinaufschauend in den mondscheinumflossenen Flügel des Schlosses , den Melanie bewohnte . Endlich kam sie . Unter den Blumen , den Sternen , dem Mondglanz hier in der Stille der Nacht , von keinem Zeugen gestört , als dem plätschernd herabhüpfenden Wasserfall , wollte Dankmar sie gleich mit dem Entzücken der rasch aufgeloderten Liebe begrüßen . So dacht ' er ' s sich , als er sie die Gartenstufen herniederschweben sah , in eine Mantille von purpurrothem mit weißem Schwan besetzten Sammt gehüllt und auf dem vollen schweren Geflecht des Haares ein weißes Schleiergewebe tragend , das hinten herabfiel fast bis in den Nacken ... Doch sprach sie ihn schon aus der Ferne an , redete schon im Herabsteigen fast gleichgültig mit ihm und schnitt durch Vermeidung einer Pause und aller Feierlichkeit die förmliche Begrüßung ihres schnellgewonnenen Freundes ab , dessen Aufmerksamkeit nun sogleich von der Galanterie abgezogen und von ihrem Plane gefesselt wurde . Endlich ein freier Augenblick ! sagte sie schon auf mindestens zwölf Schritte entfernt ; ein Augenblick , wo ich Ihr Vertrauen erwidern darf ! Aber nur ein kurzer ! Die Zeit drängt . Sie sollen sehen , daß Sie sich in dem Muthe eines närrischen Mädchens nicht irrten . Sie erhalten das Ihnen so theure Bild zurück , irgendwo auf der Reise , wo wir den Train des Herrn von Harder einholen werden . Aber die Mittel , die ich anwenden werde , es zu erobern , dürfen Sie mir nie , nie anrechnen . Versprechen Sie mir Das ? Wie Das so klang in der stillen Nacht ! Wie die Büsche dabei so flüsterten ! Wie so milchweiße , bläuliche Lichter über die Sprecherin glitten und Alles so magischumflossen , so bebend , so fast ohnmächtig und wie schattenhaft war ! Melanie ! rief Dankmar , Sie sind ein Engel ! Wenn ich nicht annehmen müßte , daß nur der Reiz des Abenteuers Ihren Geist in dieser Angelegenheit beseelt