froh sein , noch so aus dieser Welt hinausgeschickt zu sein - er hatte Schlimmeres verdient . - Er war in Helena schon einen Contract eingegangen , uns zu verrathen - nur die Gier , noch höheren Lohn zu erhalten , hatte ihn bis jetzt daran verhindert - fort mit ihm , und Du , Bolivar , erwartest mich hier , bis ich zurückkehre . « Die Männer gehorchten schweigend den Befehlen , Kelly aber folgte Georginen in ihre Wohnung , wo ihn diese mit kaltem mürrischen Trotz empfing . » Wo ist die Kranke ? « sagte er , als er , in der Thür stehen bleibend , mit seinen Blicken den kleinen geschmückten Raum überflog - » wo ist das Mädchen , das Du hier bei Dir behalten und bewahren wolltest ? « » Wo ist der Knabe ? « rief Georgine jetzt , vielleicht noch durch das Bewußtsein eigener Schuld gereizt , wild und heftig dagegen auffahrend , » wo ist der Knabe , den jener teuflische Afrikaner auf Deinen Befehl erschlug ? Wo ist das Kind , das ich mir aufgezogen hatte - das einzige Wesen , das mit wahrer aufopfernder Liebe an mir hing , und dessen alleinige Schuld nur - die Treue gegen mich gewesen sein konnte . Kelly - Du hast ein entsetzliches Spiel mit mir gespielt , und ich fürchte fast , ich bin das Opfer einer gräßlichen Bosheit geworden . « » Du phantasirst , « sagte Kelly ruhig , während er den breiträndigen Hut abnahm und auf den Tisch warf - » was weiß ich , wo der Knabe ist - weshalb hast Du ihn von Dir gesandt ? - Ich rieth Dir stets ab . - Ueberhaupt kann er ja auch heute oder morgen zurückkehren , wer weiß , ob er nicht , froh der neugewonnenen Freiheit , in tollem Uebermuth in Helena herumtummelt , wo unser Aller Leben an seiner kindischen Zunge hängt . Wo ist das Mädchen ? - ruf es her ! « » Zurückkehren ? « rief Georgine in bitterem Schmerz - » ja , seine Leiche - Peter holt sie aus der Bucht drüben , wo sie der Neger versenkte - sein » toller Uebermuth « wurde in gieriger Fluth gekühlt , und seine kindische Zunge droht keinem Leben mehr Gefahr . « Der lange zurückgehaltene Schmerz des stolzen Weibes brach sich jetzt endlich in wilden , undämmbaren Thränen Bahn ; Georgine barg das Antlitz in ihren Händen und schluchzte laut . Kelly stand ihr erstaunt gegenüber und hielt das dunkle Auge fest und verwundert auf ihre zitternde Gestalt geheftet . » Was war Dir jener Knabe ? « sagte er endlich mit leiser , schneidender Stimme - » welchen Antheil nimmst Du an einem Burschen , der , aus gemischtem Stamm entsprossen , Dir nur als Diener lieb sein durfte ? - Georgine - ich habe Dich nie nach jenes Knaben Herkunft gefragt , jetzt aber will ich wissen , woher er stammt . « » Aus dem edelsten Blut der Seminolischen Häuptlinge ! « rief das schöne Weib und richtete sich , ihren Schmerz gewaltsam bezwingend , stolz empor - » seines Vaters Name war der Schlachtschrei einer ganzen Nation ; er ist unsterblich in der Geschichte jenes Volks . « » Und seine Mutter ? « Georgine fuhr wie von einem jähen Schlage getroffen zusammen ; - ihre ganze Gestalt zitterte , und fast unwillkürlich griff sie , eine Stütze suchend , nach dem Stuhl , neben welchem sie stand . Kelly ' s Lippen umzuckte ein spöttisches Lächeln , aber er wandte sich , als ob er ihre Bewegung nicht bemerke , oder doch nicht bemerken wolle , rasch dem kleinen Cabinet zu , wo Marie ihren Schlafplatz angewiesen bekommen . » Wo ist die Kranke ? « frug er , den Ton zu dem gleichgültigen Gesprächs verändernd - » ist sie in ihrer Kammer ? « » Sie schläft ! « sagte Georgine , wohl überrascht über das kurze Abbrechen seiner Frage , doch schnell gesammelt - » störe sie nicht - sie bedarf der Ruhe ! « » Ich will sie sehen ! « erwiderte der Capitain und näherte sich dem Vorhang , der das kleine Gemach von dem Wohnzimmer trennte . » Du wirst sie wecken , « bat Georgine - » thu mir die Liebe und laß sie ungestört . « Kelly wandte sich gegen sein Weib und schaute ihr mit so scharfem forschenden Blick in ' s Auge , als ob er ihre innersten Gedanken ergründen wollte . - Ihr Antlitz blieb aber unverändert und sie ertrug ohne Zucken den Blick . Schweigend drehte er sich von ihr ab und lüftete den Vorhang . - Das Bett stand diesem gerade gegenüber , und auf ihm , die schlanken Glieder von warmer Decke umhüllt - den Rücken ihm zugewendet , daß nur der kleine , von wirren Locken umschmiegte Kopf , ein Theil des blendend weißen Nackens und die rechte , auf der Decke ruhende zarte Hand sichtbar blieben , lag eine weibliche Gestalt . Die äußeren Umrisse hatten auch Aehnlichkeit mit dem entflohenen Mädchen : aber Kelly ' s scharfer Blick entdeckte rasch den Betrug . Im ersten Moment machte er allerdings eine fast unwillkürliche Bewegung , als ob er noch weiter vortreten wolle - plötzlich aber hielt er wieder ein , ließ noch einmal seinen Blick erst über die ausgestreckte schlummernde Gestalt , dann über das schöne , doch marmorbleiche Antlitz seines Weibes schweifen , und verließ dann rasch die Kammer und das Haus . Draußen schritt er an dem Neger vorüber , der noch neben dem Baum kauerte , an welchem er mißhandelt worden , und trat zwischen die jetzt in Bachelors Hall versammelten Männer . Die Zeit drängte - keinen Augenblick durfte er verlieren , denn der nächste konnte schon Verderben bringend über sie hereinbrechen , und in kurzen klaren Befehlen vertheilte er Einzelne der Schaar über die Insel , von denen