jedoch , daß die Sagen der Völker sich immer grauer färben , im Herzen der Liebenden die versunkene Zeit immer goldener wird , wie auch oft das Abendrot immer dunkler erglüht , je tiefer die Sonne geht , je weiter es vom Westen steht . In sich trug er , je heller das Abendrot erglühte , um so fester den Entschluß , keinen Versuch zu machen , das versunkene Liebesland heraufzuzaubern aus des Meeres Grund . Aber eben deswegen verbarg er es in den Tiefen seiner Seele und verhüllte es mit finsterm Schweigen ; er wußte der Menschen Art , die so gerne heraufbringen möchten das Versunkene , die so gerne denen , welche sie lieben , wieder geben möchten das Verlorne und oft mehr verlieren im Suchen , als sie wiederfinden , wenn sie das Verlorne finden . Er kannte seiner Mutter Milde , ihre Liebe , die , wenn sie erkennen würde sein inneres Leben , ihr eigen Leben opfern würde , um wieder anzuknüpfen das zerrissene Band , um ihm wieder zu gewinnen , was er als verloren so hoch im Herzen trug . Es war seine heilige Überzeugung , daß es also gut sei ; diese Überzeugung stand ihm wie ein Fels in der Brandung , vom schönen Abendrot gerötet , von der Liebe Weh umbrandet . Er vermied alles Reden davon , alles Fragen darnach ; er fühlte , wie leicht ein Wort zum Zauberwort wird , das Schranken sprengt , Felsen zerstäubt , wie leicht es zum Taucher wird , der Versunkenes zutage bringt , zur bewegenden Gewalt , die den Willen der Menschen dahinrollt nach ihrem Belieben . Aber wenn er alleine war , so durchlebte er immer wieder das erlebte Liebesleben , und allemal erglühte es in neuen Farben , und süßer schien sein Mädchen und süßer die Liebe , die sie verbunden . Darum war er auch so gerne alleine , und so oft stand er auf des Nachts , legte sich unters Gadenfenster und versank in süßes Träumen . Wenn seine Augen den Wagen am Himmel sahen , wie er so ehrenfest und sonder Wanken durch den Himmel fährt , himmlische Geister führt , ohne Halt , ohne Umleeren , so dachte er des dunkeln Hauses im Dorngrüt , über das der Wagen lautlos dahinfuhr in hehrer Majestät , dachte an sein Mädchen unterm grünen Dache und wie es ihm ums Herz und ob auch er darin noch lebendig sei und das vergangene Leben zuweilen erblühe in wehmütigem Glanze ? Die Antwort hätte er für sein Leben gerne vernommen . Oh , wenn es so wäre , wie gerne wäre er nicht mit seiner Seele aus seinem Leibe gezogen ; er hätte Haus und Hof verlassen und sich im Bilde angesiedelt , welches das Mädchen im Herzen trug , hätte da im dunkeln Grunde seine Wohnung aufgeschlagen und ein süßes Leben geführt mit des Mädchens Gedanken in freundlichem Kosen , wäre verschwunden gewesen für die Welt und hätte die Welt nicht gemißt , denn auf Erden schon hätte er im Himmel gelebt in des Mädchens Liebe , in dessen liebender Seele . Oh , wie es da ein Leben sein müßte voll holder Wonne , die kein menschlicher Blick befleckt , kein Wort sie auszudrücken vermöchte ! Des Morgens zu lauschen , wie das Mädchen seine Augen aufschlägt , wie die ersten Strahlen der Sonne in seinem Auge flimmern ; der Erste zu sein , den dessen Liebe begrüßt , den es wecket im Herzen , mit dem es tändelt und spricht , für den es betet zu Gott und ihn vertrittet vor den Menschen ; den ganzen Tag mit ihm gehen zu können Schritt und Tritt , in jedem einsamen Orte sich rufen zu hören , küssen zu fühlen , ja mitten im Gedränge , selbst mitten unter höfelnden Menschen vom treuen Mädchen mit Innigkeit umfaßt zu sein , sein Alles zu sein , in seinem innersten Heiligtum zu sein und zu sehen und zu hören , wie dessen Augen blind , dessen Ohren taub werden , wie dessen Sinnen und Sehen sich nach innen zieht , auf das Bild im Herzen sich richtet , in ihm aufgeht : wer möchte das Bild nicht sein im Herzen seines treuen Mädchens ? Und wenn der Abend kömmt , des Mädchens Sehnen wächst , allein zu sein mit seinem lieben Bilde , wenn es dasselbe endlich ungestört tausendmal herzt und küßt , dann seine Augen schließt , vertauensvoll sein Herz dessen Hut überläßt , um nun zaubern zu können liebliche Träume in des Mädchens weichen Schlaf : welch ein Reich voll Wonne öffnet da nicht seine Tore ! Oh , wer möchte nicht so wohnen als liebes Bild in des lieben Mädchens reinem Herzen , mochte da nicht sein Lebenlang warten , bis der Vater aus diesem Himmel in den seinen uns nimmt ! Lebensjahre hätte Resli darum gegeben , wenn er dort oben in den großen Sternen , gleich als wie in einem Spiegel , es hätte sehen können , was da unten in seines Mädchens Herz sich rege , ob er auch noch in selbem sei und in welchem Glanze . Gar oft dachte er : Wenn wir einander nicht mehr sehen in dieser Welt und Beide sterben , sehen wir uns dann wohl wieder in einer andern Welt , erkennen wir uns wohl und ist da auch noch etwas zwischen uns , oder können wir dort bei einander sein in ungetrübter Liebe ? So sinnete , so träumte er , und mancher abenteuerliche Plan ging an ihm vorüber , wie er erfahren könne , was im Dorngrüt gehe und wie dort die Sachen stünden . Er konnte dort als Bettler erscheinen oder als Kiltbub bei den Mägden , konnte bei der Wirtin in eigener Gestalt sich einschleichen und vernehmen oder Bericht machen lassen , er konnte als stilles Unghür das Haus umkreisen und bewachen jeden Eingang und Ausgang . Dieses und eine Menge anderes bedachte er und tat