in mächtigen , ungetrübten Wogen . Er zog das teure Mädchen an sich , und wie die Wellen des Brunnens plätscherten und Bläschen warfen in blankem Troge , so flüsterte Uli dem Mädchen seine Freude zu , versuchte ein leises Küssen , und kein Stoß warf ihn diesmal zurück von dem holden Ufer , dem er zugesteuert . » Willst du meins sein ? « hörte der Brunnen ; » bist du mein ; « koste es wieder . Und noch manches hörte der Brunnen , aber er sagte es niemand wieder . Ein eigenes Gefühl durchströmte Beide , das Gefühl , ein teures Kleinod gefunden zu haben , das Verlangen , bei diesem Kleinod zu sein für und für und sonder Unterlaß . Wenn jemand einen lieben Brief erhält , wie oft fährt seine Hand in die Tasche und liest ihn von neuem ! Wenn jemand einen Acker gekauft hat , wie oft geht er hin des Tages und beschauet seinen Kauf ! Wenn jemand eine liebe Seele gefunden und an sich gebunden nicht nur für diese Zeit , sondern auch für die Ewigkeit , soll es ihn dann nicht hin zu dieser Seele ziehen mit Himmelsgewalt , soll es ihn nicht in ihre Augen , die Tore der Seele , hineinziehen , um das Gefühl lebendig zu erhalten , eins mit einer Seele zu sein in Zeit und Ewigkeit ? Dieses Einswerden mit einer Seele von ganzem Herzen , ganzem Gemüte und allen Kräften , in welcher Vereinigung alle Ichsucht untergeht , ist das nicht auch ein Vorläufer des Einswerdens mit Gott , welchem ebenfalls unsere Selbstsucht zum Opfer fallen muß ? Und wie der , der eins geworden ist mit dem Vater im Himmel , denselben vor Augen hat , wenn die Sonne scheinet und wenn die Nacht Finsternis bringt in jedes Land und jede Kammer , soll dann dem , der eine Seele gewonnen , nicht auch vergönnt sein , diese Seele zu suchen und wieder zu suchen , so oft die Räume und Geschäfte der Erde sie ihm aus den Augen tragen ? Der tiefe Seelenzug in diesen Zeiten wird selten recht verstanden , bringt daher auch selten die rechten Früchte . » Sie machen recht närrisch mit einander , « hört man sagen , » sie machen einem Längizyt . « Das glaube ich gerne , aber warum gönnt man ihnen nicht die ungestörte Freude an einander ? Ach Gott , die Welt und die Furcht der Welt vor ihrem eigenen Fleische ! Ach Gott , die Welt und ihre Neugierde , die sehen will , wie Zwei zusammen tun , und dann , wenn sie keinen rechten Sinn zu einander haben , sagt : » Die Beiden lob ich mir , die sind recht vernünftig ; wenn man es nicht wüßte , man merkte es ihnen gar nicht an , daß sie Brautleute wären . « Ich möchte fast sagen , das sei eine vermaledeite Vernünftigkeit , welche für die Seele und ihr Sehnen keine Empfänglichkeit hat , höchstens für des Leibes Reize , deren Empfänglichkeit man allerdings lieber im Dunkeln zeigt , meistens nur für des Geldes verhängnisvolles Klingen . Vreneli und Uli hätten kaum verstanden , was da geschrieben steht , aber diesen Zug der Seelen empfanden sie . Kaum waren sie getrennt worden , so suchten sie sich wieder , und der Brunnen war die heilige Stätte , wo so oft sie sich suchten und fanden . Noch nie hatte Vreneli so viel Wasser in die Küche gebraucht , Uli noch nie so viel zu waschen oder zu tränken gehabt . Während beim Brunnen ein junges Glück aufging , hielt ein altes Ehepaar im Stübli seine Zwiegespräche . Joggeli und seine Frau erwachten frühe , und den alten Gliedern die nötige Ruhe gönnend , erachteten sie diese Stunde am schicklichsten , ein vertrautes Wort zu wechseln . Nachdem die Frau an Joggelis unruhigem Drehen dessen Erwachen wahrgenommen , fragte sie : Ob er seither nichts von einem Knechte vernommen , ob gestern keiner dagewesen sei ? Weihnacht rücke , so könne das doch nicht gehen . Nun begann Joggeli sein altes Klagelied über Elisis Heirat , an der er nicht schuld sei und die ihm Uli forttreibe . Seit der da sei , trage ihm der Hof jährlich tausend Pfund mehr ein . Wenn doch das Meitschi habe heiraten müssen , so wollte er zuletzt lieber , es hätte Uli genommen als so einen ungefütterten Baumwollenhändler . Er hätte keinen Magen , einen andern Knecht zu suchen ; wenn er nur Uli wieder haben könnte , es reute ihn kein Geld . Sie wisse nicht , wie das gehen solle , sagte die Frau ; sie habe mit Uli geredet , allein er habe nichts davon hören wollen , länger hier Knecht zu sein . So hätte mans , sagte Joggeli , die Frauen machten alles , wie sie wollten ; sie begehrten alles zu regieren , und wenn etwas krumm gehe , so sollten es die Männer gerade machen . Er hätte vorausgesagt , das käme so , sie könne seinethalb jetzt selbst einen Knecht suchen . Wenn das so gemeint sei , sagte sie , so wolle sie mit allem nichts mehr zu tun haben . Wer am Ende bös hätte , wenn alles schlecht ginge , als sie , die die Haushaltung machen müßte ? Das Beste wäre , sie würden das Gut zu Lehen geben ; sie wüßte eigentlich nicht , für wen sie bös haben sollte bis ins Grab . Es danke ihr doch zuletzt niemand dafür , sondern je mehr sie zusammengehüselet habe , desto mehr lache man sie aus . Das sei ihm auch recht , sagte Joggeli , er begehre nicht länger zu pflanzen , damit ihr Tochtermann komme , die Sache nehme und das Geld für sich behalte . Aus freien Stücken habe er ihm eine Ehesteuer gegeben , größer als mancher Landvogt sie gebe ; es schiene ihm , der