Denn diese kleine Dame « fuhr er leicht grüßend gegen Fennimor fort , » scheint dazu nicht zu passen , und ich bin wie ein Unsinniger gefahren , Ihr altes Eulennest zu erreichen , und bedarf jetzt Ruhe . « Er wollte Leonin ' s Arm ergreifen und ihn mit sich ziehen . Da erwachte Fennimor ; sie stand auf , schritt auf Beide zu und heftete ihre großen , angstvollen Augen so fest auf den Marquis , daß dieser den Blick nicht zu ertragen vermochte . » Berührt ihn nicht , « sagte sie dann mit einer Geisterstimme , » berührt ihn nicht ! Ihr dürft keinen Antheil an ihm haben - und Du , Leonin , gehe nicht mit ihm , er ist nicht rein geblieben , Du gehest verloren mit ihm ! « So gewandt Souvré jeden Gegenstand zu behandeln wußte , war er doch mehr auf die Impertinenzen der großen Welt abgerichtet ; hier trat ihm eine Verwerfung , eine Verachtung entgegen , die sich um kein Bonmot , um keinen Scherz drehte , der durch einen noch böseren Witz wieder bezahlt werden konnte . Ihr Ernst , der von einer fast überirdischen Schönheit unterstützt ward , überwältigte ihn mit der Macht der Wahrheit , und der Pathos , mit dem sie ihn so ohne Rücksicht bezeichnete , hatte etwas so Mächtiges , daß er sich ihm nicht zu entziehn vermochte und einen Augenblick davon berührt ward , wie von einem Strafgerichte . Aber was hätte auf lange die Gewalt gehabt , ihn gegen seinen Willen zu beherrschen ! Fast erschrocken fühlte er ihren Einfluß auf sich , und doppelt erzürnt , sprang er um so wilder mitten durch . Ein mißtönendes Gelächter erschallte aus seinem Munde . » In Wahrheit , « rief er , » Deine Kleine ist die anmuthigste tragische Schauspielerin , die ich noch je sah ! Aber ein ander Mal - jetzt bin ich zu abgespannt ! Komm ' , Leonin ! Ein Bett ist mir jetzt lieber , als alle kleinen Theaterscenen ! « Erschrocken war Fennimor bei Souvrés Gelächter in Leonin ' s Arme geflogen - scheu blickte sie daraus hervor auf jenen hin . » Wehre ihn ab ! « sagte sie schaudernd , » er ist ganz zerfallen mit Gott , das kannst Du leicht fühlen . O , bleibe bei mir , bis er fort ist ! « rief sie flehend , als Leonin , sie sanft beruhigend , sich von ihr losmachen wollte , » bleibe bei mir , bis er fort ist , er thut Dir sonst ein Leid ! « Souvré lachte wieder - Leonin führte sie zu ihrem Sitze zurück . » Fasse Dich , Fennimor ! Es ist ja derselbe , der Dich schon ein Mal so gegen Ordnung und Recht erschreckt hat - erkennst Du ihn denn nicht wieder ? « » Ja , ich erkenne ihn , « sagte Fennimor mit schwacher Stimme . » Ich fühle den Stich von damals wieder durch mein Herz - es wird nicht ohne Grund sein . O , rette Dich , rette Dich - er will Deine Seele ! « » Beruhige Dich , geliebte Fennimor , « rief Leonin zärtlich , » ich will ihn wegführen - von Dir wegführen , damit Deine Angst sich legt - später wirst Du ruhiger sein . « » Gehe nicht ! o , gehe nicht ! sonst wird es mein Tod ! « stammelte Fennimor und glich in diesem Augenblicke fast einer Sterbenden . » Wenn er Dich wegführt , sind wir auf immer getrennt - dann ist Deine Seele dem Bösen verfallen , mein Leib dem Tode ! « Ihr Kopf sank zurück ; sie konnte ihn nicht mehr mit ihren ohnmächtigen Händen halten . Leonins Herz war zerrissen von Schmerz ; aber der höhnende , stechende Blick Sonvré ' s , der ihn beständig verfolgte , war so unerträglich , daß er Leonins Blut mit jedem Augenblicke mehr vergiftete . Er sprang auf , von Fennimors Seite hinweg , aus ihren matten Händen gleitend , er hörte ihren leisen Schrei , er sah , wie ihr brechendes Auge ihm noch folgte , und indem er Emmy rief , stürzte er auf Souvré zu , riß ihn mit sich fort - wie er hoffte - nur , auf wenige Augenblicke . Als die Thür zufiel , schlossen sich auch Fennimors Augen . Glückliche Bewußtlosigkeit deckte ihre Schmerzen zu . - Mit kalter , finsterer Entschlossenheit stand Emmy Gray ihr zur Seite . Hätte man den Ausdruck dieser strengen Züge deuten wollen , man hätte glauben können , sie wünsche ihrem Lieblinge den Tod , der scheinbar nur ihre Züge bedeckte . Wenigstens rührte sie keine Hand zu ihrer Belebung ; aber bitter und finster blickte sie nach der Thür , und eine Drohung von Haß und Verachtung konnte kein Wort deutlicher bezeichnen , als dieser Blick ! Fennimor schlug endlich die Augen auf ; aber sie blieb wie leblos in ihrem Stuhle . Emmy Gray ging schweigend ab und zu . Das Kind schlief wieder , die Mutter begehrte nicht danach , ihre Sinne schienen gebunden . Endlich strömte die Abendluft in die Fenster , die Emmy geöffnet - Fennimor ward davon belebt . » Wo ist er ? « war ihr erstes Wort . » Wenn Ihr den Grafen meint , « erwiederte Emmy , » so ist er bei dem Herrn Marquis . « » Erbarme Dich , Gott ! « rief Fennimor und verhüllte ihr Gesicht . Tiefe Stille herrschte fort - sie schien zu beten - dann siegte die Erschöpfung - ein kurzer Schlummer berührte ihre schweren Augenlieder . Die Abendsonne bestreute das schöne reiche Gemach mit glänzenden Lichtern ; in die Fenster schaute die herrliche Landschaft des Thales von Ste . Roche . Hinter Blumen und niedrigen Gesträuchen , die das Fenster zunächst umzogen , ruhte weiterhin in dem warmen sonnengefärbten Dufte des Sommers der Wald und der