, der etwas freundlicher schien , bannte mich dann wieder in ihre Nähe , und versöhnte mich auf lange mit mir selbst . - Doch , wozu die Freuden und Leiden , die Schwankungen meines Gefühls dir schildern ? - Ich sah wohl , wie aufmerksam sie mich prüfte , wie scharf sie mich aus der Ferne , auch wenn sie mit andern lebhaft sprach , beobachtete . Selbst Dorothea machte mir von Zeit zu Zeit einige Hoffnungen , sie meine , ich werde geliebt , nur klagte sie darüber , daß die sonst so zärtliche Freundin sich seit einiger Zeit auch von ihr zurückzöge , und gegen sie verschlossener sei , als jemals . Wir hatten an einem der schönen Herbsttage einen gemeinschaftlichen Spaziergang in jenen schönen Buchenwald gemacht in welchem du dich auch einmal verirrtest . Ich führte Albertinen , Emmrich ging mit Dorotheen , der begünstigte Bassist mit Charlotten . Dieser zündete mitten im Walde ein Feuer an , und Dorothea kochte mit Hülfe Charlottens den Kaffee in der grünen Wildnis ; sie hatten spaßend die Geschirre und allen Bedarf in ihren Körbchen mitgenommen . So veranstaltete sich unvermutet ein kleines ländliches Fest , und es nahm sich artig aus , wie die rote Flamme , die in dem dürren Reisig hoch aufloderte , die Stämme und die belaubten Zweige der Buchen färbte . Nachher spazierte man noch , weit vom Wege ab , rechts und links . Endlich waren wir denn auch völlig verirrt , denn keiner hatte in seinen lebhaften Gesprächen auf den Weg geachtet . Der Bassist schrie laut , aber vergeblich , von nirgendher eine Antwort . Wir fürchteten endlich , die Nacht könne uns überraschen , und wie es in solchen Fällen wohl zu geschehen pflegt , alle strengten sich an , um etwas zu ersinnen , dessen Gelingen immer noch mißlich blieb . Emmrich lief mit Dorothea fort , um Menschen aufzusuchen , der Bassist und Charlotte in derselben Absicht nach einer andern Richtung . Diese fingierten den Rettungsversuch vielleicht nur , um sich noch mehr zu verirren . Man hörte die vier verschiedenen Stimmen noch ein Weilchen , endlich verhallten alle , und ich war mit der schüchternen Albertine ganz allein . Es war einer der seligen Augenblicke unsers Daseins , denn jetzt bekannte sie mir ihre schon längst gehegte Liebe . Den ersten heiligen Kuß , den ich auf ihre Lippen drückte , erwiderte sie herzinnig . So erschüttert , begeistert , zitternd , wagte ich es , damit sie mich ganz kenne , das Geständnis , daß ich mich von Charlotten habe verleiten lassen , meinem bessern Gefühl , der Heiligkeit der Liebe , ungetreu zu werden . O Leonhard , da lächelte sie über meine Heftigkeit , oder Übereilung , wie soll ich es nennen ? so milde , so lieblich und herzerobernd , und sagte : O Liebster , diese deine Sünde ist mir längst bekannt ; ohne daß ich es begehrte , hat mir die plauderhafte Lene dies alles schon damals erzählt , als du noch nach jener Hütte eiltest . - O Herzensfreund , wie war ich gedemütigt und entzückt zugleich ! denn niemals , in keinem Augenblick , hat sie dieser Charlotte ihren Zorn , oder nur ihre Unzufriedenheit merken lassen , sowenig sie ihr gefallen konnte , sosehr jene sie auch verletzte und kränkte . Ja , an einem Tage , als Charlotte an Migraine litt , und alle , Dorothea , die Tante und meine Mutter über Land gefahren waren , hat sie sie christlich gepflegt , ihr vorgelesen , sie gewartet , und niemals das kleinste Zeichen gegeben , daß sie von ihr mehr wüßte , oder von ihr gekränkt sei . Oh , wie tief war ich gedemütigt , wie grausam beschämt ! Aber wie wuchs auch seit diesem Augenblick meine Liebe und Verehrung zu diesem einzigen Wesen ! Ja , es ist mir so gut geworden , wie ich es mir immer wünschte . Diese stille Laube , dieser Platz im wilden Walde , jede Stelle wo ich mit ihr wandelte , die Bäume , an denen ich stand , und sie erwartete , alle diese Plätze sind mir Heiligtümer geworden , und werden mich noch im hohen Alter prophetisch anreden , und mich mit unsterblichem Zauber locken . Dort also ist mein Orient und mein Wunderland . Und glaubst du wohl , Freund , daß , seit Albertine meine Gattin ist , ich in gewissem Sinn verliebter binn als vorher ? Aber Eros hat mir auch ein neues Herz in meinem Busen geschaffen , in bin ein anderer Mensch geworden . - Doch , Liebster , warum haben wir den alten Magister heut nicht gesehen ? « » Morgen laß uns darüber sprechen « , sagte Leonhard , » es ist spät . « Und die beiden Freunde trennten sich . Am folgenden Tage aß Leonhard zu Mittag bei seinem Freunde Elsheim , obgleich erst einiger Streit vorangegangen war , weil Leonhard nur höchst ungern seine Lebensweise , selbst dem Freunde zu Gefallen , änderte . Elsheim hatte keine anderen Gäste , und als sich Albertine entfernt hatte , begann zwischen den beiden Freunden wieder folgendes Gespräch , die vormaligen Begebenheiten betreffend . » Du bist mir gestern noch manches schuldig geblieben « , fing Leonhard an , » und so will ich denn auch gegen dich , Geliebter , keine Scheu tragen , und frage dreist : Was ist aus Charlotten geworden ? « » Ja , ja « , antwortete der Baron , » es ist ganz recht von uns , und geziemt unserer Dankbarkeit , daß wir einer solchen Schönheit nicht vergessen . Dieses wunderbare Wesen , ja , Freund , sie ist noch immer schön , aber sie hat ihre Bahn , die ihr vielleicht am besten geziemte , auf eine seltsame Weise verlassen . Mochte sie es überdrüssig sein , so allein und einzeln zu bleiben da sie alles um sie her