hat mich ja doch noch nicht Schlittschuhe laufen sehen , und das Wetter ist heut so schön « usw. - Ich zog meinen karmoisinroten Pelz an , der einen langen Schlepp hatte und vorn herunter mit goldnen Spangen zugemacht war , und so fahren wir denn hinaus , da schleift mein Sohn herum wie ein Pfeil zwischen den andern durch , die Luft hatte ihm die Backen rot gemacht , und der Puder war aus seinen braunen Haaren geflogen , wie er nun den karmoisinroten Pelz sieht , kommt er herbei an die Kutsche und lacht mich ganz freundlich an , - » nun , was willst du ? « sag ich . » Ei Mutter , Sie hat ja doch nicht kalt im Wagen , geb Sie mir Ihren Sammetrock « , - » du wirst ihn doch nicht gar anziehen wollen « , - » freilich will ich ihn anziehen . « - Ich zieh halt meinen prächtig warmen Rock aus , er zieht ihn an , schlägt die Schleppe über den Arm , und da fährt er hin , wie ein Göttersohn auf dem Eis ; Bettine , wenn du ihn gesehen hättest ! ! - So was Schönes gibt ' s nicht mehr , ich klatschte in die Hände vor Lust ! Mein Lebtag seh ich noch , wie er den einen Brückenbogen hinaus und den andern wieder herein lief , und wie da der Wind ihm den Schlepp lang hinten nachtrug , damals war Deine Mutter mit auf dem Eis , der wollte er gefallen . Nun , bei dieser Geschichte kann ich wieder sagen , was ich Dir in Töplitz sagte : daß es mich immer durchglüht , wenn ich an Deine Jugend denke , ja es durchglüht mich auch , und ich hab einen ewigen Genuß daran . - Wie freut es einem , den Baum vor der Haustür , den man seit der Kindheit kennt , im Frühjahr wieder grünen und Blüten gewinnen zu sehen ; - wie freut es mich , da Du mir ewig blühst , wenn zuzeiten Deine Blüten eine innigere höhere Farbe ausstrahlen und ich in lebhafter Erinnerung mein Gesicht in die Kelche hineinsenke und sie ganz einatme . - Am 28. November Bettine An Goethe Ich weiß , daß Du alles , was ich Dir von Dir erzähle , nicht wirst brauchen können , ich hab in einer einsamen Zeit über diesen einzelnen Momenten geschwebt wie der Tau auf den Blumen , der im Sonnenschein ihre Farben spiegelt . Noch immer seh ich Dich so verherrlicht , aber mir ist ' s unmöglich , es Dir darstellend zu beweisen , Du bist bescheiden und wirst ' s auf sich beruhen lassen , Du wirst mir ' s gönnen , daß Deine Erscheinung grade mich anstrahlte ; ich war die Einsame , die durch Zufall oder vielmehr durch bewußtlosen Trieb zu Deinen Füßen sich einfand . - Es kostet mir Mühe , und ich kann nur ungenügend darlegen , was so eng mit meinem Herzen verbunden ist , das doch einmal in meiner Brust wohnt und sich nicht so ganz ablöst . - Indessen bedurft es nur ein Wort von Dir , daß ich diese Kleinodien rauh und ungeglättet , wie ich sie empfing , wieder in Deinen ungeheueren Reichtum hereinwerfe ; was in die Stirn , die liebendes Denken geründet hat , in meinen Blick , der mit Begeistrung auf Dich gerichtet war , in die Lippen , die von diesem Liebesgeist gerührt zu Dir sprachen , hierdurch eingeprägt ward , das kann ich nicht wiedergeben , es entschwebt , wie der Ton der Musik entschwebt und für sich besteht in dem Augenblick , da sie aufgeführt wird . Jeder Anekdote , die ich hinschreibe , möchte ich ein Lebewohl zurufen ; - die Blumen sollen abgebrochen werden , damit sie noch in ihrer Blüte ins Herbarium kommen . So hab ich mir ' s nicht gedacht , da ich Dir in meinem vorletzten Brief meinen Garten so freundlich anbot , lächelst Du ? - Du wirst doch alles überflüssige Laub absondern und des Taus noch des Sonnenscheins nicht mehr achten , der außer meinem Territorium nicht mehr drauf ruht . - Der Schütze wird nicht müde , tausend und tausend Pfeile zu versenden , der nach der Liebe zielt . Er spannt abermal , zieht die Senne bis ans Aug heran , blickt scharf und zielt scharf ; und Du ! Sieh diese verschoßnen Pfeile , die zu Deinen Füßen hinsinken , gnädig an und denke , daß ich mich nicht zurückhalten kann , - Dir ewig dasselbe zu sagen . - Und berührt Dich ein solcher Pfeil niemals , auch nur ein kleines wenig ? - Dein Großvater war ein Träumender und Traumdeuter , es ward ihm vieles über seine Familie durch Träume offenbar , einmal sagte er einen großen Brand , dann die unvermutete Ankunft des Kaisers voraus ; dieses war zwar nicht beachtet worden , doch hatte es sich in der Stadt verbreitet und erregte allgemeines Staunen , da es eintraf . Heimlich vertraute er seiner Frau , ihm habe geträumt , daß einer der Schöffen ihm sehr verbindlicherweise seinen Platz angeboten habe , nicht lange darauf starb dieser am Schlag , seine Stelle wurde durch die goldne Kugel Deinem Großvater zuteil . Als der Schultheiß gestorben war , wurde noch in später Nacht durch den Ratsdiener auf den andern Morgen eine außerordentliche Ratsversammlung angezeigt , das Licht in seiner Laterne war abgebrannt , da rief der Großvater aus seinem Bette : » Gebt ihm ein neues Licht , denn der Mann hat ja doch die Mühe bloß für mich . « Kein Mensch hatte diese Worte beachtet , er selbst äußerte am andern Morgen nichts und schien es vergessen zu haben , seine älteste Tochter ( Deine Mutter ) hatte sich ' s gemerkt und hatte einen festen Glauben dran , wie nun der Vater ins Rathaus gegangen war , steckte sie