hinter den Stühlen der Frauen und Töchter sammelten sich die jungen Männer , die entweder zu spät gekommen waren , um einen Sitz zu finden , oder deren Lebhaftigkeit es vorzog , sich an keinen Ort binden zu lassen . Sie stellten sich entweder gleich wie Edelknechte , bereit , auf den ersten Wink der Dame von dannen zu fliegen , und auszurichten , was sie befohlen , oder sie kauerten und knieten nieder auf gepolsterten Schemeln , um ihren Bräuten , Liebchen oder Freundinnen kurzweilige Reden und zärtlich Geflüster in die Ohren zu wispern . Nach und nach sammelte sich jedoch der große Schwarm um das untere Ende der Tafel , wo ein junger Mann in feiner Kleidung das Wort führte , und allerlei lustige Sprüche und Fündlein an die Reihe kommen ließ . Der fröhliche Erzähler war Dagobert , der erst vor Kurzem eingetreten und seinen Standpunkt hinter dem Lehnstuhle der Frau von Dürningen genommen , einer Adelichen aus der Gegend von Friedberg , die , nur zum Besuch , über das Fest nach Frankreich gekommen war . Mit ihr , der freundlich und gemüthlich gestimmten Wittib in dem besten Alter , und mit ihrer Tochter , einem gar muntern und lieblichen Mägdlein von vierzehn Jahren höchstens , beschäftigte sich Dagobert vorzüglich , da , den trocknen Vetter der Dame ausgenommen , beinahe niemand der Anwesenden ein Wort an die Fremden richtete . Die Mutter wußte den Liebesdienst des ehrlichen Junkers zu schätzen , und hörte seinem Gespräche gern zu ; mit größrer Theilnahme jedoch die holde Regina , welche den hellen Blick kaum von des angenehmen Gesellschafters Lippen verwendete , lächelnd seinen Worten mit dem lauschenden Ohre folgte , und züchtig erröthete , so oft seine Augen auf ihrem Antlitz verweilten . Der schelmische Jüngling schien es nicht zu bemerken , und machte sich ein Vergnügen daraus , seine Scherze fast immer an das Mädchen selbst zu richten , und dadurch die umstehenden Junggesellen schier eifersüchtig zu machen . » Vergönnt mir , « sprach er unter anderm : » vergönnt mir Euer Ritter zu seyn , holde Jungfrau aus der Fremde ! Nennt mir Eure Farbe , damit ich sie trage zum Zeichen , daß ich der Eurige bin . « - » Unsers Wappens Farbe ist blau und Silber und grün , « erwiederte das Mädchen unbefangen : » ich selbst jedoch , nicht wahr , Mutter ? ich habe noch keine Farbe , mit der ich Euch zieren könnte . « - Die Mutter nickte lächelnd . » Das ist schlimm ! « scherzte Dagobert : » So werdet Ihr mir mindestens erlauben , Euch dies Osterei zu überreichen , mit dem Spruch , den ich mir dabei denke ? « - » Und dieser ist ? « fragte Regina neugierig . - » Er lautet ganz einfach ; « versetzte Dagobert : » Ich wünsche , Liebchen , froh und frei , mich Dir , Dich mir zum Osterei . « » Ei wie schön ! « rief Regina , von einer strahlenden Röthe übergossen ; die Mutter streichelte ihr aber die glühende Stirn und das goldne gescheitelte Haar , und sagte mit scherzhaftem Vorwurf : » Nicht doch , junger Herr ! Euer höfelndes Gerede macht die Dirne eitel . « - » Warum sollte sie auch nicht eitel seyn ? « fragte Dagobert lustig entgegen : » Hat sie doch schon in der Taufe die Vollmacht und das Recht erhalten , eitel und stolz herabzusehen auf uns Übrige ? Was bedeutet denn Regina anders als eine Königin ? Und wenn diese kleine Königin bestimmt ist , Hunderte zu beherrschen durch die Macht ihrer Holdseligkeit , .. warum nicht auch mein Herz , eines der Empfänglichsten ? « - » Diese glatten Reden voll Muthwillen passen wenig zu dem geistlichen Stande , dem Ihr bestimmt seyd , junger Herr ! « warf der Vetter der Frau von Dürningen , ein hagrer , aller Lust feindseliger Patrizier von steifsten Schrot und Korn ein . Diether ' s Sohn schaute ihn groß an , und erwiederte : » Lieber Herr , das mache ich mit meinem Gewissen aus . Wollt mir das gütig erlauben . Habt Ihr mir keinen Spruch entgegen zu schenken ? « fuhr er fort , sich lächelnd an Reginen wendend . » O ja , « entgegnete die Dirne geschwätzig : » hört nur zu , ob ich mich recht darauf besinne ; ich , Du , das Ei , das sind unser drei . Theilen wir das Ei , bleiben unser zwei . « - Das Mädchen schwieg , als ob der Spruch zu Ende sey . Dagobert lachte . » Man kann den überlästigsten Freier nicht besser abfertigen ! « betheuerte er : » Ihr habt aber den Schluß des Reims vergessen , schöne Maid . Er schließt also : Einen wie uns zwei , bleibts bei Einerlei . Oder nicht ? « - » Bleibts bei Einerlei ! « wiederholte halb ernstlich , halb schalkhaft das Fräulein mit einer lustigen Verneigung , und ein fröhlich Gelächter erscholl aus dem Munde der Umstehenden , während des Oberstrichters Sohn , der ausschweifende Jungherr Schweikard , der nach dem eiteln Ruhme geizte , überall der einzig gefeierte Lustigmacher zu seyn , mit mißmuthiger Geberde dem Beifall entfloh , der einem andern zu Theile wurde , und seinem Vater einige Worte in ' s Ohr raunte . Dieser nickte beifällig , und wandte sich heimlich flüsternd an den unsern sitzenden Schultheiß . Die Beiden wechselten viele und schnelle Worte , mit drohenden Blicken bald auf den , jetzt erst bemerkten Dagobert hinzielend , bald auf dessen Vater , der schon längst wie auf Kohlen neben dem Schultheiß saß , aber der Schicklichkeit halber , dem Bürgermeister , der auf der andern Seite sein Nachbar war , und ihn in Fluthen von Erzählungen längst vergeßner Begebenheiten vertiefte , zuhören mußte . Dem Altbürger war es klar , daß der Schultheiß mit seiner