diese Wohltat der Natur . Wie unglücklich wäret Ihr , wenn Ihr auch im Schlummer , der Eure Kräfte für das schwere Unglück stärken soll , Euren Verlust noch fühltet , auch da noch so düster darüber gebrütet hättet . Ihr seid finster und verschlossen eingeschlummert , jetzt sind Eure Züge freundlicher und milder , verdanken wir dies nicht auch Eurem Traum ? « » So hätte ich mögen nie erwachen ; oh , daß ich Jahrhunderte fortgeträumt hätte , und dann erwacht wäre ; es war so schön , so tröstlich was ich träumte ! « Er stützte die Stirne in die Hand und schien schmerzlich bewegt . Der alte Herr von Lichtenstein war von den Stimmen der Sprechenden erweckt worden ; er kannte Ulerich und wußte , daß man ihn nicht über seinen schmerzlichen Verlust brüten lassen dürfe ; er rückte ihm daher näher und sprach : » Nun , und wollt Ihr uns nicht auch sagen , was Ihr geträumt habt ? vielleicht liegt auch für uns ein Trost darin , denn wisset , ich glaube an Träume , wenn sie in einer wichtigen , verhängnisvollen Stunde in unsere Seele einziehen , und ich glaube sie kommen von oben , um uns zu trösten . « Der Herzog schwieg noch eine Weile , er schien über die Worte des Ritters nachzusinnen ; dann fing er an zu erzählen : » Mein Schwager , Wilhelm von Bayern , hat mir heute zur Probe seiner Freundschaft die Burg meiner Ahnen niedergebrannt . Dort hausten seit undenklichen Zeiten die Württemberger und das Land , das wir besitzen , trägt von diesem Schloß den Namen . Es scheint als habe er damit uns eine Todesfackel anzünden , und mit diesen Flammen unser Wappen und Gedächtnis , und selbst den Namen Württemberg vertilgen wollen . Und fast könnte er recht haben ; denn mein einziges Söhnlein , Christoph , ist in fernen Landen , mein Bruder Georg , hat noch keine Kinder , und ich - - bin geschlagen , verjagt , sie haben wiederum mein Land besetzt , und wo ist Hoffnung , daß ich es wieder einmal erlange ? ! - - Wie ich nun so ganz verlassen und elend hier am Feuer saß , wie ich nachdachte über mein kurzes Glück , und wie ich vielleicht mein Unglück selbst verschuldet habe ; wie ich bedachte auf welch schwachen Stützen meine Hoffnung beruhe , und wie selbst der Name Württemberg auslöschen könne , gleich den letzten Funken in der Asche meiner Stammburg , da übermannte mich der Jammer , und bitterer als je fühlte ich die Schläge meines Schicksals . Unter diesen Gedanken entschlief ich . Doch wie im Wachen meine Seele mit Sehnsucht und Trauer auf den Höhen des Rotenberges , und um die rauchenden Trümmer von Württemberg schwebte , so erging sich mein Geist auch im Traume dort . « Ulerich hielt inne ; es war als fülle ein Bild seine Seele , das zu schön , zu groß sei , um es mit sterblichen Lippen zu beschreiben ; ein milder Friede lag auf den Zügen des unglücklichsten Fürsten , und ein wunderbarer Glanz drang aus seinen aufwärts gerichteten Augen . Die Männer umher blickten ihn staunend an ; sie hingen an seinen Lippen und lauschten auf seine Rede , die ihnen so Wichtiges zu verkünden schien . » Höret weiter « , fuhr er fort ; » ich sah herab auf das schöne Neckartal . Der Fluß zog wie sonst in schönen blauen Bogen hin , aber das Tal und die Berge schienen mir lieblicher , glänzender , die Wälder auf den Höhen waren verschwunden , die Wiesen waren nicht mehr , sondern von Berg zu Berg zog sich ein großer Garten voll grüner Reben , und im Tal sah man Obstbäume und schöne blühende Gärten ohne Zahl . Ich stand entzückt und schaute und schaute immer wieder hin , denn die Sonne erschien freundlicher , der Himmel blauer und reiner , das Grün der Reben und Bäume glänzender als jetzt . Und als ich mein trunkenes Auge erhob und hinüberschaute über den Neckar , da gewahrte ich auf einem Hügel am Fluß ein freundliches Schloß , das im Glanz der Morgensonne sich spiegelte ; es lag so friedlich da , daß sein Anblick meiner Seele wohltat , denn keine Gräben und hohe Mauern , keine Türme und Zinnen , kein Fallgatter , keine Zugbrücke erinnerte an den Zwist der Völker , und an das unsichere , wechselnde Geschick der Sterblichen . Und als ich verwundert über den tiefen Frieden des Tales und jenes unbewachten Schlosses mich umsah , waren auch die Mauern meiner Burg verschwunden ; doch hier wenigstens log mir der Traum nicht , denn ich sah ja gestern die Zinnen stürzen und den Wartturm sinken , von welchem sonst mein Panier in den Lüften wehte . Kein Stein von Württemberg war mehr zu sehen , aber ein Tempel stand dort mit Säulen und Kuppel , wie man sie in Rom und Griechenland findet . Ich dachte nach , wie dies alles auf einmal so habe kommen können , da gewahrte ich Männer in fremder Kleidung , die nicht weit von mir standen und auf das Land hinabschauten . Der eine dieser Männer zog vor den übrigen meine Aufmerksamkeit auf sich ; er hatte einen schönen Knaben an der Hand , dem er das Tal zu seinen Füßen , und die Berge umher , und den Fluß und die Städte und Dörfer in der Nähe und Ferne , zeigte . Ich betrachtete den Mann , er trug die Züge meines Bruders Georg45 , und es war mir als müsse er zum Stamm meiner Ahnen gehören und ein Württemberg sein ; er stieg mit dem Knaben den Berg hinab ins Tal , und die andern Männer folgten ihm in ehrerbietiger Entfernung ; den letzten hielt ich auf und fragte ihn : wer jener gewesen sei , der dem Knaben das Land gezeigt habe ? Das war