völlig erwachsen war , beschlossen beide ihn mit der Zeit in London an Sir Charles Stelle zu setzen , um auf diese Weise ihm eine recht günstige Aussicht für seine Zukunft zu sichern . Das gänzliche Fehlschlagen jenes Planes trug viel zu Kleeborns Verdruß über die Auflösung der zwischen Vicktorinen und Sir Charles beabsichtigten Verbindung bei , und der bald nach diesem eintretende Tod des alten Wißmann , nebst allen daraus entspringenden übeln Folgen , vermehrten auch in dieser Hinsicht seinen Kummer und seine Sorge . Müller unterließ es nie , in jedem Briefe die lobenswerthen Eigenschaften des jungen Vanderbrugge auf das rühmlichste zu erwähnen , und Kleeborn wurde dadurch zugleich erfreut und gekränkt . Sein väterliches Gefühl zog ihn zu dem Sohne hin , der in rechtmäßiger Ehe erzeugt , sein Trost und seine Freude geworden wäre , und es schmerzte ihn tief in der Seele , daß er ihn jetzt dennoch verleugnen müsse . So entstand ein ewiger , nie sich lösender Zwiespalt in seinem Gemüth und führte endlich auch jene Veränderung in seinem Aeußern herbei , über die Vicktorine sich früher so betrübt und geängstiget hatte . Bei dieser Verworrenheit in seinem Innern war es in der That ein Glück für den alten Kleeborn , daß Anna die Besorgniß , Vicktorinen , gleich der armen Angelika , hinsterben zu sehen , in ihm zu erregen gewußt hatte , denn nur diese brachte ihn dahin , endlich einen bestimmten Entschluß fassen zu können . Der Gedanke an die Möglichkeit , seinen Sohn legitimiren zu lassen , den er bis dahin immer von sich gewiesen hatte , so oft er auch in ihm aufstieg , fing an , mehr Wahrscheinlichkeit für ihn zu gewinnen . Der Anschlag von Raimunds Gütern , den er mit großer Aufmerksamkeit durchgegangen hatte , überzeugte ihn , daß es an der Seite eines solchen Gatten Vicktorinen , selbst wenn ihr Vater sie völlig enterbte , dennoch an nichts von alle dem fehlen könne , was seiner Ansicht nach unumgänglich zu einem glücklichen Leben gehörte , an Reichthum , Ansehen und Glanz . Um ganz sicher zu gehen ließ er den Doctor Erning rufen , um mit diesem seinen vieljährigen Vertrauten , nochmals alles reiflich zu überlegen , und so kam er endlich zu dem Entschlusse , der Tante Vorschläge thun zu lassen , welche sie so freudig überraschten , daß sie anfangs sehr geneigt war , sie für eine sinnreiche Erfindung des Doctors Erning zu halten . Kleeborn erbot sich , Vicktorinen seine Zustimmung zu ihrer Verbindung mit Raimund nicht länger zu versagen , wenn sie dagegen mit guter Art darein willigen wolle , den jungen Vanderbrugge als ihren Bruder zu betrachten , den er Willens war , in aller Form zu adoptiren , und ihm nicht nur seinen Namen , sondern auch nach seinem Tode die Handlung und die Hälfte seines Vermögens zu hinterlassen . Nächstdem sollte Vicktorine sich auch anheischig machen , ihr väterliches Erbtheil der Handlung nie zu entziehen , und sich mit den Zinsen zu begnügen . Um sie aber dafür zu entschädigen , wünschte er , daß Anna sich bereit finden lasse , sie an Raimunds Stelle zur Erbin einzusetzen , dessen gegründete Ansprüche Kleeborn zwar nicht ableugnete , aber dennoch glaubte , daß dieser zu Gunsten Vicktorinens ihnen entsagen könne , ohne damit ein zu großes Opfer zu bringen . Anna fand diese Bedingungen so billig und verständig , daß sie keinen Augenblick anstand , sie für sich und im Namen ihrer Schützlinge dankbar und freudig anzunehmen . Unerbeten gab sie obendrein die Versicherung , niemanden , sogar nicht Raimund und Vicktorinen zu entdecken , wie nahe Kleeborns adoptirter Sohn diesem eigentlich verwandt sey , und so ging Doctor Erning , triumphirend und mit Ruhm bedeckt , davon , um von dem Gelingen seiner Unterhandlungen Bericht abzustatten . Innerlich bedauerte er es nur , nicht mehr Schwierigkeiten dabei vorgefunden zu haben , um sein Verdienst bei deren Besiegung gehörig geltend machen zu können . Die Geschichte neigt sich zum Ende , denn von glücklichen Menschen läßt sich eben so wenig erzählen , als von einer Seereise , auf welcher man , weder durch Stürme noch andre Widerwärtigkeiten belästigt , den erwünschten Haven in Sicherheit und Ruhe erreichte . Müller , Raimund und Vanderbrugge langten nach wenigen Tagen zusammen im Kleebornschen Hause an , und wurden alle drei mit ungeheucheltem Wohlwollen von dem alten Herrn empfangen . Der freudige Taumel , von dem Raimund und Vicktorine bei der , alle ihre Hoffnungen übertreffenden Entwickelung ihres Geschicks sich ergriffen fühlten , der laute Jubel des wackern Horst und seiner Agathe , der Tante ernste , stille , an Wehmuth gränzende Freude , alles dieses läßt sich besser und leichter nachempfinden als beschreiben . Die ersten Frühlingstage führten in ihrer von tausend schönen Hoffnungen duftenden Reihe auch den Tag herbei , an welchem die Tante einer zweiten , mit jungen Rosen um die Wette blühenden glücklichen Braut , den Myrthenkranz in die Locken flocht . Sie und alle zum Kleebornschen Hause Gehörende begleiteten das neuvermählte Paar nach Leuenstein , wo Meinau mit unsäglicher Freude schon lange vorher alle Anstalten zum festlichsten Empfange getroffen hatte . Schon längst war jener unpassende Flitterputz völlig unscheinbar geworden , mit welchem vor langen Jahren das , durch seine Bauart und sein Alterthum ehrwürdige Schloß auf Luisens Veranstaltung mehr entheiligt als geschmückt worden . Baron Meinau hatte bei Zeiten dafür gesorgt , diese verblichenen Ueberreste wegräumen zu lassen , sobald nur Raimunds Ansprüche an das Erbtheil seiner Väter unwiderleglich erwiesen waren ; denn er fürchtete durch ihren Anblick in Annas Gemüthe sowohl , als in dem des jetzigen Besitzers zu traurige Erinnerungen zu wecken . Seine , in ihren Silberlocken noch immer liebenswürdige Gattin half ihm bei dem Geschäfte die hohen , altväterlichen Säle und Zimmer auf würdige Weise wieder bewohnbar herzustellen . Mit feinem Takt ' und richtigem Sinne für das wahrhaft Schöne wußten beide jede Verzierung , jedes Geräthe so zu wählen , daß