Menge derer , die auf unsern Beutel auch gegen unser Wollen Anspruch zu machen beflissen sind . Muster aller Art und Preisverzeichnisse verfolgen uns in Stadt- und Landhäusern , und wohin wir uns auch flüchten mögen , geschäftig überraschen sie uns , Gelegenheit bietend , welche selbst aufzusuchen niemand in den Sinn gekommen wäre . Was soll ich aber nun von dem Volke sagen , das den Segen des ewigen Wanderns vor allen andern sich zueignet und durch seine bewegliche Tätigkeit die Ruhenden zu überlisten und die Mitwandern den zu überschreiten versteht ? Wir dürfen weder Gutes noch Böses von ihnen sprechen ; nichts Gutes , weil sich unser Bund vor ihnen hütet , nichts Böses , weil der Wanderer jeden Begegnenden freundlich zu behandeln , wechselseitigen Vorteils eingedenk , verpflichtet ist . Nun aber vor allen Dingen haben wir der sämtlichen Künstler mit Teilnahme zu gedenken , denn sie sind auch durchaus in die Weltbewegung mit verflochten . Wandert nicht der Maler mit Staffelei und Palette von Gesicht zu Gesicht ? und werden seine Kunstgenossen nicht bald da- , bald dorthin berufen , weil überall zu bauen und zu bilden ist ? Lebhafter jedoch schreitet der Musiker daher , denn er ist es eigentlich , der für ein neues Ohr neue Überraschung , für einen frischen Sinn frisches Erstaunen bereitet . Die Schauspieler sodann , wenn sie gleich Thespis ' Wagen verschmähen , ziehen doch noch immer in kleineren Chören umher , und ihre bewegliche Welt ist an jeder Stelle behend genug auferbaut . Ebenso verändern sie einzeln , sogar ernste , vorteilhafte Verbindungen aufgebend , gern den Ort mit dem Orte , wozu ein gesteigertes Talent mit zugleich gesteigertem Bedürfnis Anlaß und Vorwand gibt . Hierzu bereiten sie sich gewöhnlich dadurch vor , daß sie kein bedeutendes Brettergerüst des Vaterlandes unbestiegen lassen . Hiernach werden wir sogleich gemahnt , auf den Lehrstand zu sehen ; diesen findet ihr gleichfalls in fortdauernder Bewegung , ein Katheder um das andere wird betreten und verlassen , um den Samen eiliger Bildung ja nach allen Seiten hin reichlich auszuspenden . Emsiger aber und weiter ausgreifend sind jene frommen Seelen , die , das Heil den Völkern zu bringen , sich durch alle Weltteile zerstreuen . Dagegen pilgern andere , sich das Heil abzuholen ; sie ziehen zu ganzen Scharen nach geweihter , wundertätiger Stelle , dort zu suchen und zu empfangen , was ihrem Innern zu Hause nicht verliehen ward . Wenn uns nun diese sämtlich nicht in Verwunderung setzen , weil ihr Tun und Lassen ohne Wandern meist nicht denkbar wäre , so sollten wir diejenigen , die ihren Fleiß dem Boden widmen , doch wenigstens an denselben gefesselt halten . Keineswegs ! Auch ohne Besitz läßt sich Benutzung denken , und wir sehen den eifrigen Landwirt eine Flur verlassen , die ihm als Zeitpächter Vorteil und Freude mehrere Jahre gewährt hat ; ungeduldig forscht er nach gleichen oder größeren Vorteilen , es sei nah oder fern . Ja sogar der Eigentümer verläßt seinen erst gerodeten Neubruch , sobald er ihn durch Kultur einem weniger gewandten Besitzer erst angenehm gemacht hat ; aufs neue dringt er in die Wüste , macht sich abermals in Wäldern Platz , zur Belohnung jenes ersten Bemühens einen doppelt und dreifach größern Raum , auf dem er vielleicht auch nicht zu beharren gedenkt . Lassen wir ihn dort mit Bären und anderm Getier sich herumschlagen und kehren in die gebildete Welt zurück , wo wir es auch keineswegs beruhigter antreffen . Irgendein großes , geregeltes Reich beschaue man , wo der Fähigste sich als den Beweglichsten denken muß ; nach dem Winke des Fürsten , nach Anordnung des Staatsrats wird der Brauchbare von einem Ort zum andern versetzt . Auch ihm gilt unser Zuruf : Suchet überall zu nützen , überall seid ihr zu Hause . Sehen wir aber bedeutende Staatsmänner , obwohl ungern , ihren hohen Posten verlassen , so haben wir Ursache , sie zu bedauern , da wir sie weder als Auswanderer noch als Wanderer anerkennen dürfen ; nicht als Auswanderer , weil sie einen wünschenswerten Zustand entbehren , ohne daß irgendeine Aussicht auf bessere Zustände sich auch nur scheinbar eröffnete ; nicht als Wanderer , weil ihnen anderer Orten auf irgendeine Weise nützlich zu sein selten vergönnt ist . Zu einem eigenen Wanderleben jedoch ist der Soldat berufen ; selbst im Frieden wird ihm bald dieser , bald jener Posten angewiesen ; fürs Vaterland nah oder fern zu streiten , muß er sich immer beweglich erhalten ; und nicht nur fürs unmittelbare Heil , sondern auch nach dem Sinne der Völker und Herrscher wendet er seinen Schritt allen Weltteilen zu , und nur wenigen ist es vergönnt , sich hie oder da anzusiedeln . Wie nun bei dem Soldaten die Tapferkeit als erste Eigenschaft obenan steht , so wird sie doch stets mit der Treue verbunden gedacht , deshalb wir denn gewisse wegen ihrer Zuverlässigkeit gerühmte Völker , aus der Heimat gerufen , weltlichen und geistlichen Regenten als Leibwache dienen sehen . Noch eine sehr bewegliche , dem Staat unentbehrliche Klasse erblicken wir in jenen Geschäftsmännern , welche , von Hof zu Hofe gesandt , Fürsten und Minister umlagern und die ganze bewohnte Welt mit unsichtbaren Fäden überkreuzen . Auch deren ist keiner an Ort und Stelle auch nur einen Augenblick sicher ; im Frieden sendet man die tüchtigsten von einer Weltgegend zur andern ; im Kriege , dem siegenden Heere nachziehend , dem flüchtigen die Wege bahnend , sind sie immer eingerichtet , einen Ort um den andern zu verlassen , deshalb sie auch jederzeit einen großen Vorrat von Abschiedskarten mit sich führen . Haben wir uns nun bisher auf jedem Schritt zu ehren gewußt , indem wir die vorzüglichste Masse tätiger Menschen als unsere Gesellen und Schicksalsgenossen angesprochen , so stehet euch , teure Freunde , zum Abschluß noch die höchste Gunst bevor , indem ihr euch mit Kaisern , Königen und Fürsten verbrüdert findet . Denken wir zuerst segnend