erblickte den Herrn Baron Alzibiades von Wipp , der vor mir herging , und ich weiß nicht , wie mir der Gedanke kam , ihm meine Dienste anzubieten . Vielleicht war es ein dunkles Gefühl , daß ich auf diese Weise Gelegenheit erhalten würde , mich an dem undankbaren Professor zu rächen , wie es sich später denn auch wirklich begab . - Ich tänzelte an den Baron heran , wartete ihm auf und folgte , als er mich mit einigem Wohlgefallen betrachtete , ihm ohne Umstände nach in seine Wohnung . Sehen Sie , so sprach er zu einem jungen Menschen , den er seinen Kammerdiener nannte , unerachtet er sonst keinen andern Diener hatte , Sehen Sie , Friedrich , was sich da für ein Pudel zu mir eingefunden hat . Wär ' er nur hübscher ! Friedrich rühmte dagegen den Ausdruck meines Antlitzes sowie den zierlichen Wuchs und meinte , ich müsse von meinem Herrn schlecht gehalten sein und habe ihn wahrscheinlich deshalb verlassen . Setzte er noch hinzu , daß Pudel , die sich so von selbst aus freiem Antriebe einfänden , gewöhnlich treue rechtschaffene Tiere wären , so konnte der Baron nicht umhin , mich zu behalten . Unerachtet ich nun durch Friedrichs Vorsorge ein recht glaues Ansehn gewann , so schien der Baron doch nicht sonderlich viel auf mich zu halten und litt es nur eben zur Not , daß ich ihn auf seinen Spaziergängen begleitete . Das sollte anders kommen . - Wir begegneten auf einem Spaziergange der Professorin . - Erkenne , guter Murr , das gemütliche Gemüt - ja , so will ich sagen - eines ehrlichen Pudels , wenn ich versichere , daß , unerachtet mir die Frau sehr weh getan , ich doch eine ungeheuchelte Freude empfand , sie wiederzusehen . - Ich tanzte vor ihr her , bellte lustig und gab ihr meine Freude auf alle nur mögliche Weise zu erkennen . Sieh da , Ponto ! rief sie , streichelte mich und blickte den Baron von Wipp , der stehengeblieben , bedeutend an . Ich sprang zu meinem Herrn zurück , der mich liebkoste . Er schien auf besondere Gedanken zu geraten ; mehrmals hintereinander murmelte er in sich hinein : Ponto ! - Ponto , wenn das möglich sein sollte ! Wir hatten einen nahegelegenen Lustort erreicht ; die Professorin nahm Platz mit ihrer Gesellschaft , bei der sich jedoch der liebe gutmütige Herr Professor nicht befand . Unfern davon setzte sich Baron Wipp , so daß er , ohne sonderlich von den andern bemerkt zu werden , die Professorin beständig im Auge behielt . Ich stellte mich vor meinen Herrn und guckte ihn an , indem ich leise mit dem Schweif wedelte , als erwarte ich seine Befehle . Ponto , wiederholte er , Ponto , sollte es möglich sein ! - Nun , setzte er nach einem kurzen Stillschweigen hinzu , nun , es kommt auf den Versuch an ! - Damit nahm er einen kleinen Papierstreifen aus der Brieftasche , schrieb einige Worte mit Bleistift darauf , rollte ihn zusammen , steckte ihn mir unter das Halsband , wies nach der Professorin und rief leise : Ponto - Allons ! - Nicht ein solcher kluger , in der Welt gewitzigter Pudel hätte ich sein müssen , als ich es wirklich bin , um nicht sogleich alles zu erraten . Ich machte mich daher sogleich an den Tisch , wo die Professorin saß , und tat , als verspüre ich großen Appetit nach dem schönen Kuchen , der auf dem Tische stand . Die Professorin war die Freundlichkeit selbst , sie reichte mir Kuchen mit der einen Hand , während sie mich mit der andern am Halse kraute . Ich fühlte , wie sie den Papierstreifen hervorzog . Bald darauf verließ sie die Gesellschaft und begab sich in einen Nebengang . Ich folgte ihr . Ich sah , wie sie des Barons Worte eifrig las , wie sie aus ihrem Strickkästchen einen Bleistift hervorholte , auf denselben Zettel einige Worte schrieb und ihn dann wieder zusammenrollte . Ponto , sprach sie dann , indem sie mich mit schalkischem Blick betrachtete , Ponto ! du bist ein sehr kluger vernünftiger Pudel , wenn du zu rechter Zeit apportierst ! - Damit steckte sie mir das Zettelchen unter das Halsband , und ich unterließ nicht , eiligst hinzuspringen zu meinem Herrn . Der mutmaßte sogleich , daß ich Antwort brächte , denn er zog alsbald den Zettel unter dem Halsbande hervor . - Der Professorin Worte mußten sehr tröstlich lauten und angenehm , denn des Barons Augen funkelten vor lauter Freude , und er rief entzückt : Ponto - Ponto , du bist ein herrlicher Pudel , mein guter Stern hat mir dich zugeführt . Du kannst denken , guter Murr , daß ich nicht weniger erfreut war , da ich einsah , wie ich nach dem , was sich soeben zugetragen , in der Gunst meines Herrn hoch steigen müsse . In dieser Freude machte ich beinahe unaufgefordert alle nur mögliche Kunststücke . Ich sprach wie der Hund , starb , lebte wieder auf , verschmähte das Stück Weißbrot vom Juden und verzehrte mit Appetit das vom Christen u.s.w. Ein ungemein gelehriger Hund ! So rief eine alte Dame , die neben der Professorin saß , herüber . Ungemein gelehrig ! erwiderte der Baron . Ungemein gelehrig ! hallte der Professorin Stimme nach wie ein Echo . - Ich will dir nur ganz kurz sagen , guter Murr , daß ich den Briefwechsel auf die erwähnte Weise fortwährend besorgte und noch jetzt besorge , da ich zuweilen sogar mit Briefchen in des Professors Haus laufe , wenn er gerade abwesend . Schleicht aber manchmal in der Abenddämmerung der Herr Baron Alzibiades von Wipp zur holden Lätitia , so bleibe ich vor der Haustüre und mache , läßt sich der Herr Professor nur in der Ferne blicken , solch einen grimmigen Teufelslärm mit Bellen , daß