daß mir wohl ums Herz wurde ; er brachte jedem Nußkerne und allerlei Früchte ; wie zierlich setzten sie sich auf die Hinterfüße , schlugen den Schweif in die Höhe und wirbelten die Nüsse erst in ihren Vorderpfoten unter den blitzenden Augen umher , eh ' sie mit dem scharfen Zahne einsägten . Seht Herr , da hab ich eins mitgebracht , ein Junges . « - ANTON : » Es hat dir die Brust blutig gekratzt , laß dir das Blut abtrocknen . « SUSANNA : » Es schadet nichts , es tat nicht weh ; seht nur das artige Tier , jetzt legt es sich in meiner Hand rund zusammen zum Schlaf . « - ANTON : » Du hast doch das hier nicht gestohlen ? « - SUSANNA : » Es denkt doch keiner so schlecht von mir , wie Ihr . Der Alte hatte mich lieb , und da er die Mutter von diesem Kleinen nicht sah und sie im Neste tot fand , da holte er das Kleine heraus und gab es mir und weinte dann , als er die Alte schon kalt und steif fand , jetzt geht er herum und ladet die andern zum Begräbnisse . « - ANTON : » Hätte ich nur Farben , ich malte ihm das Tier zum Gedächtnis . « SUSANNA : » Lieber Herr , gleich schaff ich Euch Farben , der eine von den Alten ist ein Maler , und das Tier will ich Euch auch bringen , er hat es auf Moos vor dem Hause hingestellt , bis alle Gäste des Leichenzuges beisammen sind . « - ANTON : » Schnell , schnell , du aufmerksame Seele . « Susanna brachte in drei Sprüngen das Eichhörnchen , und nach kurzer Unterredung einen alten Mann , den sie Reichenthal nannte , mit allem Malerwerkzeuge , einer ebnen Holztafel mit Kreidegrund , in die Stube gezogen . ANTON : » Du bist zu ungestüm , Kind ; werter alter Herr , wollt Ihr mir Eure Tafel und Euer Gerät leihen , oder malt Ihr selbst vielleicht besser und seid geschickter , dies tote Eichhörnchen zu malen . « Simon versicherte ihm , daß er nie etwas anderes , als Wappen gemalt nach einem Zeichenbuche , niemals nach der Natur , und war daher nicht wenig verwundert , als Anton mit seiner Sicherheit und Fertigkeit in ein paar Stunden das Eichhörnchen , auf zwei gekreuzten Knochen sitzend , gemalt hatte , wie es an einem Schädel , wie an einer Nuß nagte . Inzwischen war im Hause , ohne daß die beschäftigten drei es wahrgenommen , ein ängstliches Suchen nach dem Leichnam des Eichhörnchens gewesen ; der Leichenzug hatte sich versammelt , das mit Blumen durchflochtene Kästchen sollte die Tote aufnehmen , aber sie war verschwunden ; man suchte an allen Orten , aber der trostlose alte Mann fand nirgends seinen Liebling wieder . Susanna mußte sich jetzt mit dem toten Eichhörnchen und mit dem Gemälde wieder zu dem Ehrenbette aus Moos hinschleichen , jenes darin verstecken und dieses aufstellen . Der Alte , der sich müde gesucht hatte , kam endlich , wie alle Leute , die etwas verloren , woran ihnen viel liegt , auf den Platz zurück , wo er es vermißt ; seine trüben Augen sahen das Bild für den lebenden Liebling an und ergossen sich in Tränen . » Sie sieht mich an « , rief er , aber jetzt fühlten seine Hände die Täuschung der Farben , und diese Täuschung blieb ihm noch lieb . » Wer hat mir die Freude bereitet « , fragte er , » dem lohne es der Himmel mit gleicher Freude ; das Bild ist mein Schatz , mein einziges Spiel und Gespräch , an meinem Bette soll es hängen , meinem Haupte gegenüber , daß es mich begrüße beim Einschlafen und mir begegne im Erwachen . « Während der Alte , der sich von seinen Lieblingen Eichhorn genannt hatte , also sprach , hatte der alte Graf Rappolt von Reichenthal die Geschicklichkeit seines Sohnes erfahren ; er kam zu ihm und sprach : » Lieber Sohn , ich kann dir die Freude nicht ausdrücken , die du mir mit deiner guten Gesinnung schaffst ; bei deiner Kunst wirst du ein herrliches Leben auf der Kronenburg führen , wir alten Wächter wußten meist nichts Besseres zu tun , als uns mit ganzer Seele an irgend ein Tiergeschlecht zu hängen , oder an eine Händearbeit , und dabei gehen die Lichter aus im Hirne ! « » Führt mich zur Kronenburg , teurer Vater ; ich möchte Euch dienen mit allen Kräften « , sagte Anton . » Du wirst vielleicht bald dazu reif gefunden werden « , sprach Graf Rappolt , » vielleicht auch niemals , denn nie werde ich dich durch Gunst dazu fördern ; kannst du hungern und dursten ? « » Nein ! « , rief Anton , » lieber möcht ich mich selbst stückweis verzehren , als hungern . « » Armer Sohn « , sagte Rappolt , » das hast du von deiner Mutter , da wirst du schwere Lehrjahre ausstehen , ehe du es lernst . « Susanna brach jetzt in Tränen aus am Fenster , der Alte unterstützte den Sohn , sie sahen die Alten paarweis vorüber ziehen ; zuletzt trug der Alte die kleine Leiche auf Moos und Blumen in einem zierlichen Korbe . Sie blieben in einem Winkel unter Tränenweiden stehen , wo mehrere weiße Denkmale schimmerten ; hier sangen sie während des Grabens und Einsenkens ein sanftes Lied , das deutlich in das Fenster schallte . Der Überdruß Auch weichen muß , Die Langeweil Hat nimmer Heil ; Mach dich von allem frei , So ist dir alles neu . Das einfältige Lied hatte einen eignen Trost für Anton , der jetzt erst merkte , daß ihn eine Art Überdruß und Langeweile über die Abwechselung seines Geschicks ergriffen hatte . » Lustig wollen wir leben « ,