sich her darstellt . Es ist jene Valeria , die Frucht einer geheimen Liebe Diocletians , welche in Britannien geboren und erzogen worden war . Ich erinnere mich , dir einen Theil ihrer Geschichte geschrieben zu haben , wie ich sie von Constantin erzählen hörte . Ein stiller tiefer Kummer liegt auf diesem schönen Gesicht , dessen blendende Weiße kaum durch einen leichten Anflug des zartesten Roths belebt wird . Große dunkelblaue Augen bewegen sich langsam unter langen seidenen Wimpern , und die Farbe der Augen wiederholt sich lieblich in dem feinen Geäder , das die blendende Haut durchschimmert . Ihre lange schlanke Gestalt ist nicht stolz , kaum aufrecht , das schöne Köpfchen , von goldnem Gelocke umflossen , sinkt beständig auf die Brust , ihre ganze Haltung zeugt von tiefem Kummer . So erschien sie mir , als ich sie das erste Mal sah , das anziehendste Bild der Schwermuth und stillen Ergebung . Seit zwei Jahren hat sie keine Nachricht mehr von ihrem Lehrer und Freund . Er wollte nicht , daß sie ihm noch schreiben sollte , und sein Wunsch ist ihr Gesetz , sie verehrt seinen Willen , seine Entschlüsse mit jener Heiligkeit , mit der vielleicht nur die ersten Jünger die Gebote ihres Meisters ehrten und hielten . Treu und unauslöschlich bewahrt sie sein Bild in ihrer Brust , Religion , Tugend und die Gluth der ersten Liebe verklären es in himmlischem Glanz , und nicht inniger hängt sie an den Lehren unsers göttlichen Stifters , als an den Aussprüchen ihres Freundes . Ihre Pflegeeltern haben sie auf Befehl ihres Vaters hierher geführt ; denn seit man sie aus ihrer heimathlichen Insel , von der sie nie ohne wehmüthige Begeisterung , ohne Thränen spricht , entfernt hat , ist ihr Leben sehr unstät , und ihr Aufenthalt überall nur kurz . Sie ergibt sich in dies schwere Schicksal , nachdem mancher vergebliche Kampf , mancher vereitelte Versuch zur Flucht sie belehrt hat , daß eine höhere Macht über sie waltet , der zu entfliehen sie zu schwach ist . Uebrigens liebt sie ihre Pflegeeltern , die mit schwerem Herzen die Befehle des Augustus an ihrem geliebten Schutzbefohlenen üben , und dies einzige Gefühl , sagte sie mir neulich , schützt sie vor Verzweiflung . Ich sehe wichtigen und erschütternden Auftritten entgegen . Agathokles weiß , daß Florianus auf dem Wege hierher ist , um nach Salona zu gehen , und dort mit Constantin zu sprechen . Noch ahnet Valeria nichts davon , und ich weiß nicht , ob ich es ihr sagen oder verbergen , und ihre Pflegeeltern bitten soll , sich mit ihr zu entfernen . Ich würde sie sehr schmerzlich vermissen , wenn ich sie verlieren sollte ; denn ich bin ihres Umgangs schon sehr gewohnt , und ich fühle wohl , daß auch sie mit Liebe und innigem Vertrauen an Agathokles und mir hängt . Von meinem häuslichen Glücke sage ich dir nichts ; du kennst es , es ist größer , als ich es je dachte , je hoffen konnte . Ein gesunder blühender Knabe knüpft seit etlichen Monaten ein neues inniges Band zwischen uns . Agathokles , meine theure Junia ! ist der beste Vater , wie er der zärtlichste Gemahl , der treueste Freund ist , und mir bleibt keine Sorge für diese Welt , als Gott zu bitten , daß er mir mein Glück , und die stille Scheu erhalte , mit der ich es zitternd , aber selig genieße . Fußnoten 1 Anasus , der alte Name des Ennsflusses . 92. Agathokles an Constantin . Laureacum , im Junius 304 . Große Gemüther hat , wie ich glaube , und wie die Geschichte lehrt , die Vorsicht darum von Zeit zu Zeit erweckt , und mit vorzüglichen Gaben ausgerüstet , daß sie gleich himmelanstrebenden Felsen die Gewitter , welche das Menschengeschlecht treffen , mit höherm Haupt tragen , und so den Uebrigen zum Schutz und zum Beispiel dienen sollen , woran ihre Schwäche sich erhebe und stärke . Noch erhebender wird solch ein Muster , wenn jenes starke Gemüth zugleich ein zum Herrscher berufenes ist , und sich sein göttlicher Beruf , Andre zu leiten und zu zügeln , zuerst an der Macht offenbart , die es über sich selbst und seine edelsten Triebe ausübt . So , o mein Constantin ! kenne ich dich seit dem ersten Augenblicke , wo wir uns sahen , so hast du dich stets bewährt , und so wirst du es bei der Nachricht thun , die ich dir zu geben habe . Wir erwarteten seit einiger Zeit die Ankunft deines verehrten Lehrers und Freundes , des Centurio Eneus Florianus , hier in Laureacum . Ein Zufall wollte , daß gerade jetzt auch Valeria mit ihren Pflegeeltern sich hier befand . Von dir unterrichtet theilte ich dem Asinius Ponticus meine Nachricht mit , und überließ es ihm zu thun , was seine Pflicht erheischen würde . Er machte auch wirklich in aller Stille Anstalten zur Abreise , aber unvermuthet traf Florianus um mehrere Tage früher ein , und Aquilinus , der Präfect der Stadt , ein Geschöpf und treues Werkzeug des grausamen Galerius , ließ ihn auf der Stelle als einen Ausspäher , als einen verdächtigen Abgesandten des Constantins verhaften , und ihm abnehmen , was er an Briefen und Schriften für dich und Diocletian nach Salona bei sich hatte . Vergebens wandte ich Alles an , was in meiner Macht stand , um dem Präfecten die Ungerechtigkeit , die Gefahr seines widerrechtlichen Unternehmens einsehen zu machen , und Florianus zu befreien , mit dem mir sogar nicht erlaubt wurde zu sprechen . Sie Ruhe , mit der der Präfect auf seinem Beginnen bestand , die Sicherheit , mit der er verfuhr , ließ mich bald fürchten , daß er nicht ohne höhern Befehl handle , daß das , was mir Anfangs ein Ausbruch unverständiger Härte schien , lange bereitete , geheißene Maaßregel war , wodurch sich Galerius Einsicht in