Wänden herum , und was er fühlte , waren abenteuerliche Schränke mit einer Menge Säulen , dazwischen Teller und Porcellain-Figuren . Er verfolgte seine Entdeckungsreise rechts an der Wand herum , und stieß auf eine Gipsstatue ; das war ihm nun schon interessanter , seine Hand gleitete leis auf und nieder , und er verweilte hie und da mit mehr Anteil , er konnte auch kein Stückchen Gewand entdecken , und fand , daß es eine Venus sei . Es tat ihm leid , daß er sie nicht ganz zugleich auffassen konnte , um den reinen Kunsteindruck zu haben , aber sie war nur zu fühlen , und es ging ihm wie gewissen Kunstforschern , die das Gefühl der Antike in den Fingern haben , und um sich die Vortrefflichkeit der Formen einzuprägen , vom Nacken mit der Hand niedergleiten , am Hintern aber etwas modern werden , und einige freundliche Schläge mit Schalkheit drauf fallen lassen . - Er verspätete sich allerdings etwas bei der Venus , und hätte er nicht etwas leise rauschen hören , so würde er über ihr alles vergessen haben , außer was er vermißte , daß sie lebendig sei . - Unruhig tappte er weiter , und berührte einen seidnen Bettvorhang : da er den Stuhl , der vor dem Bette stand untersuchte , fand er weibliche Kleider , ein gestricktes kurzes Röckchen , und ein gestricktes Jäckchen , seidne Strümpfe : unter das Bett faßte er mechanisch , und faßte ein paar niedliche Schuhe . Als er den Bettvorhang zurückzog , hörte er atmen , das setzte ihn in keine geringe Verlegenheit , und da er untersuchen wollte , wer es sei , knurrte ein Hund , und machte große feurige Augen . Er wollte nun nach dem Fenster hin , um die Laden aufzustoßen , sein Fuß berührte etwas Tönendes , er faßte nieder , es war eine Guitarre , die am Stuhle lehnte , er klimperte darauf , aber das Atmen neben ihm ward nun doppelt , er schritt etwas vorwärts und fand , daß irgend ein Ausgang sein müsse , denn es herrschte ein Luftzug . Da er drauflos ging mit den Händen , wie mit Fühlhörnern durch die dicke Finsternis , fuhr er heftig zusammen , seine Finger berührten einen Menschen , er zog die Finger zurück , und bald waren sie wieder vorwärts ; er gleitete über kühlen festen Armen aufwärts , zu einem sehr schmalen Ärmel , eilte über diese Brücke , und es zitterte unter seinen Fingern , lachte und floh , er wollte nach dem Luftzug , da schlug eine Türe zu , die ihm dicht an der Nase vorbeiflog . Er ging nun unwillig quer durch die Stube , rannte einen Tisch mit Gläsern um , und trat bald in einen erhobenen Erker , öffnete die Fensterladen , und sah glühend in die kühle Nacht hinein . Sein Herz pochte heftig , er war ungeduldig , und immer fühlte er nur noch seine Fingerspitzen . Da stand er nun in einem dunklen Vorgrund zu dem hellen Gemälde , aber war dies Liebchens Fenster ? Es rauschte der breite Rhein nur noch als Musik aus der Ferne , aus den Dörfern und dem naheliegenden Städtchen klangen die lustigen Walzermelodien , unordentlich doch gleich taumelnd und kreisend zusammen . Der süße Mostgeruch drang unter seinem Fenster von dem Weinberge herauf , der nahe Wald säuselte , und in der herrlichen trunknen Landschaft schossen jauchzend Schwärmer und Raketen in die Höhe , und zerplatzten noch fröhlich im Tode - aber Godwi konnte seinen bösen Mut nicht bezwingen . Es war ihm wie einem alten Popanz aus den Kindermärchen , der Menschen gewittert hatte . Nun wendete er sich von dem Fenster , um zu versuchen , ob er nicht eine Klingel in der Stube finden könnte , einigen Lärm zu machen ; auch erinnerte er sich der Gläser , die er umgeworfen hatte , und endlich war er entschlossen , zu Bette zu gehen , wenn sich nicht bald jemand sehen ließe : als er aber die Stufe des Erkers herabsteigen wollte , faßten ihn zarte Hände , und zogen ihn auf einen kleinen Sopha , der an der einen Seite des Erkers angebracht war . - So weit hat mir heute Godwi erzählt . Es ist mir traurig zu Mute , ich muß die Begebenheiten der überfließenden Gesundheit in Mensch und Natur beschreiben , und mir löst sich dieser Gegensatz immer mehr ; ich schreibe mechanisch nieder , um meine Begräbniskosten herauszubringen . - Lieber Leser , wenn du wüßtest , wie traurig das ist , singen , fröhliche Lieder singen , und kaum die Lippe , viel weniger das Herz rühren zu können . Während ich beschreibe , wie Godwi den herrlichen Rheinwein trank , muß ich große Arzneigläser leeren , und reicht mir Freund Haber Gerstenschleim . Wenn ich schreibe , wie er in der dunklen Stube an der Venus den Kunsteindruck nur einzeln hatte , habe ich den Eindruck der häßlichen Wirklichkeit an einer alten Wärterin ganz ; - wenn er am seidnen Bettvorhang rauscht , und die freundlichen Kleidungsstücke mustert , sehe ich traurig über die Blumen der kattunenen Bettdecke ; - für seine Empfindung , wie ihn der Hund mit glühenden Augen knurrend ansah , habe ich wohl noch einiges Mitgefühl in schweren Träumen , wenn mich das Alp drückt ; aber ich stoße erwachend nicht an eine tönende Guitarre , wider den Boden des trägen Bettes stößt mein Fuß , meine Hände klimpern nicht auf den Saiten , sie spielen auf der Bettdecke hin , und Haber sieht die alte Wärterin bedächtlich an , weil dieses kein gutes Zeichen sein soll . Wo Godwi den süßen Schrecken hatte , und seine Finger über den zitternden warmen Busen hingleiteten , macht man mir schwerfällige Umschläge auf die Brust - wenn ich aus dem Bett spränge , würde ich nicht volle Weinflaschen mit dem freundlichen Tischchen umwerfen , leere Arzneigläser auf dem