von Kosegarten hatte eine von den abgetragenen Männerhosen aufgenommen und hielt sie gegen das Licht . » Meinst du , daß die Hose noch ginge ? « fragte sie verzagt , » sie scheint mir schon reichlich schäbig . – Mimi , Kind , vielleicht wäre es schließlich das beste gewesen , der Junge wäre drüben geblieben ... Er bringt uns nur Unfrieden ins Haus . « Mimi lachte ein kleines , helles , aber etwas unnatürliches Lachen . » Tante , du wirst doch nicht so feige sein , du wirst doch Mut haben ? « » Ach , Mut , « murmelte Marie Kosegarten zerstreut , » das sagt sich so ... Kind , Kind , ich kann mich mit dem lieben Gott einmal wieder gar nicht einigen ! Nun erhört er mein Gebet , schickt mir den Jungen und schickt ihn mir so ... daß man die alten Sachen , die man im Dorfe verschenken wollte , für ihn heraussucht ... « Mimi richtete ihre schlanke Gestalt in dem schwarzen Reitkleid noch höher auf und machte ein verächtliches Gesicht . » Du hast zu viel Angst vor August , Tantchen ! « sagte sie mit einer liebenswürdigen Lehrhaftigkeit im Tone . » Glaube mir , der ist nicht halb so unnahbar , wie er aussieht , den kann man um den Finger wickeln , wenn man nur will ! « Trotz ihrer Verwirrung blickte Frau von Kosegarten das junge Mädchen mütterlich beobachtend an . » Ja , Mimichen , wenn du meinst , daß du ihn um den Finger wickeln kannst , « sagte sie bedächtig , » warum versuchst du es denn nicht ? « Mimi lachte verlegen . » Du , Tante , « sagte sie ablenkend , » wir wollen wirklich sehen ; was von diesen Geschichten noch für Fritz zu brauchen ist . – Darf ich dir die Strümpfe hier stopfen ? « fragte sie schmeichelnd mit einem so innigen , weichen und lieben Ton , daß Frau von Kosegarten nicht anders konnte , als ihr einen schnellen Kuß auf die Wange zu drücken . Hilde kam herein , zwei Vasen mit großen Blumensträußen im Arm balancierend , und hatte für hundert wirtschaftliche Anordnungen in aller Eile die Genehmigung der Tante einzuholen . Etwas erstaunt beobachtete sie Mimi , die sich nach einer flüchtigen Begrüßung auf den Tisch ans Fenster gesetzt hatte und aufs eifrigste an einer grauen Männersocke stopfte . Ohne die wirtschaftliche Konferenz der beiden andern Frauen zu beachten , begann sie verträumt vor sich hinzusingen : » Und war ein König ich , und wär die Erde mein , Du wärst in meiner Krone doch der schönste Stein ! « Marie zog Hilde zu sich heran und flüsterte ihr mit einem kleinen verschmitzten Lächeln ins Ohr : » Sieh mal , ich war wirklich ganz böse mit dem lieben Gott , und nun – ja , Hilde , sollte der liebe Gott am Ende doch wissen , was er tut ? « Hilde ordnete freundlich die weißen Spitzen auf dem grauen Scheitel von Frau von Kosegarten und antwortete dabei munter : » Tantchen , es scheint mir beinahe , als habe er seine Absichten . Aber was soll denn das alte Zeug hier ? « » Ja , ja , « rief Frau von Kosegarten , » es ist ja ganz dämlich von mir , die Sachen hierherzuschleppen , ich bin überhaupt vollständig von Sinnen , sage gewiß lauter Dummheiten zur Prinzessin , und dann sind mein Mann und Trinette böse mit mir . Mimi , Kind , du bleibst doch auch zum Frühstück ? « Mimi sprang vom Tisch herunter und kam mit der fertigen Arbeit angelaufen . » Tantchen , ich bin ja nicht in Toilette ! Ich bliebe sonst heute so gern bei euch . Der Reitknecht könnte nach Niedernrode Botschaft bringen , damit sie mich nicht zu Mittag erwarten . Wenn mir Hilde irgend etwas Helles borgen könnte ? « » Aber natürlich , Kind , « rief Marie herzlich , » es ist mir solch ein Trost , wenn du bei mir bist ! « In diesem Augenblick hörte man einen Wagen auf den Hof fahren , und Zipperjahn stürzte herein . » Gnädige Frau , der herzogliche Landauer ! Der Herr und Schottenmaier stehen schon vorn an der Haustür ! « » Ich komme ! Ich komme ! « » Aber die Hosen laß hier , Tantchen , sie sind ja doch nicht für die Prinzessin bestimmt ! « rief Hilde lachend und entriß Frau Marie das Kleidungsstück , das sie in ihrer Aufregung und Verwirrung auf dem Arme behalten hatte , indem sie zum Empfang des hohen Gastes hinauseilte . Die Mädchen stopften in aller Eile die umherliegenden Kleider in irgendeine Schublade , ordneten die Blumen auf den Tischen und liefen dann , um nicht mit dem fürstlichen Gaste zusammenzuprallen , durch die hinteren Korridore in Hildens kleines Zimmer . Als Mimi sich ihrer schwarzen Taille entledigt hatte und eben eine von den seidenen Blusen anproben wollte , die Hilde ihr zur Auswahl gereicht hatte , warf sie plötzlich beide Arme um den Hals der Jugendfreundin und küßte sie stürmisch . » Hilde , Hilde , er kommt ja ! Er kommt ja ! « » Unsere Jugend bringt er uns nicht zurück , « sagte Hilde leise . » Mädchen – mein Herz klopft so – bin ich alt – bin ich häßlich geworden ? « Hilde schüttelte den Kopf . » Mimi – kommt es denn auf dich an ? Wie kommt er zurück ... « » Glücklos , damit ich ihm Glück schenken kann ! « Ein ganz feiner , spöttischer Zug glitt um Hildens klugen Mund . » Wird er das Glück auch noch von dir wollen ? « fragte sie zögernd . » Hilde , hat er mich nicht in seinem vorletzten Briefe grüßen lassen ? Siehst du , dieser kurze Gruß hat so viel in mir geweckt