weit in die Lehne des Armsessels zurückgeworfen , die Arme übereinandergeschlagen , blickte er unbeweglich zur Decke empor . Vielleicht war es der auch hier das Fenster verhüllende grüne Vorhang , der seine Züge so seltsam bleich und krank erscheinen ließ ; aber auch in der Haltung sprach sich eine unendliche Müdigkeit , eine grenzenlose Abspannung aus , und selbst das Auge verrieth nichts von jenem angestrengten Nachdenken , das vielleicht eben im Begriff ist , ein wissenschaftliches Problem zu lösen ; es lag darin nur jene schwermüthige , haltlose Träumerei , die dem Dichter so oft und dem Gelehrten so selten zu nahen pflegt . Die Thür ward geöffnet , und so leise dies auch geschah , so zuckte der Professor doch mit jener Reizbarkeit zusammen , die nur sehr nervösen Personen eigen ist ; auf der Schwelle zeigte sich Doctor Stephan , hinter dem das besorgte , ängstliche Gesicht Friedrich ’ s sichtbar ward . „ Guten Abend ! “ sagte der Doctor vollends eintretend . „ Da bin ich , um Ihnen wieder einmal in ’ s Gewissen zu reden ! Es geht schlecht heute , nicht ? “ Der Professor blickte ihn befremdet an . „ Durchaus nicht , Doctor ! Ich befinde mich völlig wohl . Es muß ein Mißverständniß sein ; ich habe nicht um Ihren Besuch bitten lassen . “ „ Das weiß ich , “ sagte der Arzt ruhig . „ Sie bitten überhaupt nicht darum , wenn es nicht gerade auf Tod und Leben geht ; aber hier der Friedrich behauptet , daß es mit Ihnen nicht richtig sei . “ „ Das ist es auch nicht ! “ erklärte Friedrich , der sich vor dem unmuthigen Blicke seines Herrn hinter den Doctor geflüchtet hatte und unter dessen Schutze muthiger ward . „ Schon seit lange nicht , und ich weiß auch , wann es anfing ; es war der Tag , wo der Herr Professor im Regen ohne Schirm ausging und ohne Plaid mit der amerikanischen Miß zurückkam – “ „ Friedrich , Du schweigst ! “ unterbrach ihn der Professor plötzlich mit einer solchen Heftigkeit , daß Friedrich erschreckt von dem ganz ungewohnten Tone zurückprallte . „ Du thätest überhaupt besser , “ fuhr der Professor fort , „ Dich um Deine Obliegenheiten zu kümmern , als Dich in Dinge zu mischen , die Du nicht beurtheilen kannst . Geh jetzt und laß uns allein ! “ Der Gescholtene , bestürzt durch diese ungewöhnliche Strenge seines sonst so gütigen Herrn , gehorchte zögernd ; der Doctor aber , ohne sich um den Blick des Professors zu kümmern , der deutlich genug auch den Wunsch nach seiner Entfernung verrieth , zog einen Stuhl heran und ließ sich darauf nieder . „ Sie haben wieder gearbeitet ? Natürlich ! An diesem herrlichen Sommertage , wo alle Welt in ’ s Freie eilt , sitzen Sie vom Morgen bis zum Abend , ober vielmehr bis in die Nacht hinein , am Schreibtische . Sagen Sie mir um Gottes willen , wie lange glauben Sie denn , daß das so fortgehen kann , und daß Sie es überhaupt aushalten ? “ Der Professor hatte sich , wenn auch mit augenscheinlichem Widerstreben , auf seinen früheren Sitz niedergelassen ; er schien noch immer nicht der Erregung Herr geworden zu sein . „ Ich werde mich erkältet haben , “ sagte er ausweichend . „ Was da Erkältung ! “ unterbrach ihn der Doctor eifrig „ Es handelt sich durchaus nicht darum , sondern um das Studium , das bei Ihnen nachgerade zur Manie geworden ist und Sie noch in ’ s Grab bringen wird , wenn Sie sich keine Erholung gönnen . Wie oft habe ich Ihnen das nun schon vorgepredigt ! Aber was soll man mit einem Patienten anfangen , der immer sanftmüthig und geduldig zuhört , immer Ja sagt und dabei stets das Gegentheil von dem thut , was ihm befohlen wird ! “ Der Professor hatte in der That mit großer Geduld zugehört . „ Ich habe Ihren Anordnungen noch immer Folge geleistet , “ vertheidigte er sich mit leiser Stimme . „ O ja ! Buchstäblich ! Wenn ich Sie zum Beispiel zu Bett schicke , so legen Sie sich gehorsam nieder , lassen sich eiligst Lampe und Bücher an ’ s Bett bringen und studiren zur Abwechslung statt bis zwei Uhr Morgens einmal bis vier Uhr . Sie müssen bei alledem eine gute Natur besitzen , um das überhaupt noch zu können ; bis jetzt sind es nur Ihre Nerven , die Sie gründlich ruinirt haben ; treiben Sie es aber nur ein einziges Jahr noch so fort , so haben Sie die Schwindsucht ; darauf gebe ich Ihnen mein Ehrenwort ! “ Der Professor stützte den Kopf in die Hand und blickte vor sich hin . „ Desto besser ! “ sagte er resignirt . Ungeduldig sprang der Arzt auf und schob polternd den Stuhl zur Seite . „ Da haben wir ’ s ! Auch noch gar Todessehnsucht ! Geht mir mit Eurer Gelehrsamkeit , es ist nichts Gesundes darin , Siechthum an Geist und Körper , das kommt schließlich dabei heraus ! “ Fernow war gleichfalls aufgestanden , er lächelte trübe . „ Geben Sie mich auf , Doctor ; ich lohne Ihre Mühe doch nur mit Undank ! Meine Gesundheit ist völlig untergraben , das fühl ’ ich selbst am besten , und Sie können mir mit all Ihrem guten Willen und all Ihren Arzneien nicht mehr helfen . “ „ Mit Arzneien – nein , “ sagte der Doctor ernst . „ Ihnen ist nur mit einer Radicalcur zu helfen ; aber ich fürchte , es wird ganz unnütz sein , sie Ihnen anzurathen . “ „ Und die wäre ? “ fragte der Professor zerstreut , während sein Blick schon wieder auf den Büchern haftete . „ Sie dürfen ein Jahr – aber ein volles Jahr lang keine Feder anrühren , kein Buch