etwas erlebt ! “ eiferte der Schichtmeister . „ Hast Du noch nicht genug Feinde unter den Herren drüben , daß Du sie Dir mit Gewalt auf den Hals hetzen mußt ? Wird dem Patron da eine Summe angeboten , groß genug , um einen ganzen Hausstand damit anzufangen , und er setzt seinen Starrkopf auf und sagt ohne Weiteres Nein ! Aber freilich , was kümmerst Du Dich auch um Hausstand oder dergleichen ! wie denkst Du daran , eine Frau zu nehmen ! Den Kopf in die Zeitungen stecken , wenn Du von der Arbeit kommst , noch die halbe Nacht über den Büchern sitzen und Dich mit all dem neumodischen Zeug vollpfropfen , von dem ein rechtschaffener Bergmann sein Lebtag nichts zu wissen braucht , bei den Cameraden den Herrn und Meister spielen , so daß man nächstens nicht mehr den Herrn Director , sondern den Herrn Ulrich Hartmann wird fragen müssen , was eigentlich auf den Werken geschehen soll – das ist so Dein Vergnügen . Und wenn man dann zufällig einmal daran erinnert wird , daß man vorläufig noch Untersteiger ist , dann redet man von ‚ Bezahlung ‘ und wirft der Herrschaft die ganze Geschichte vor die Füße . Ich sollte meinen , wenn irgend Jemand das Geld redlich verdient hätte , dann wärst Du es ! “ Ulrich , der bisher schweigend zugehört hatte , stampfte bei den letzten Worten zornig mit dem Fuße . „ Ich will aber nun einmal nichts von der ganzen Sippschaft da oben ! Ich habe ihnen gesagt , daß ich für meine sogenannte ‚ Heldenthat ‘ , von der sie so viel Wesens machen , keine Bezahlung brauche und auch keine nehme , und damit ist ’ s gut ! “ Der Alte wollte von Neuem auffahren und war im Begriff , eine noch derbere Strafpredigt zu halten , als auf einmal Martha dazwischen trat . „ Laß ihn , Ohm , “ sagte sie kurz , „ er hat Recht ! “ Der Schichtmeister , gänzlich aus dem Concepte gebracht durch diese unerwartete Einrede , sah sie mit offenem Munde an . „ So ? Er hat Recht ? “ wiederholte er ärgerlich . „ Das konnte ich mir denken , daß Du wieder seine Partie nimmst ! “ „ Ulrich kann es nicht vertragen , daß sie die Sache so ohne Weiteres durch den Director abthun lassen , “ fuhr das Mädchen bestimmt fort , „ und es schickt sich auch nicht . Hätte Herr Berkow selbst mit ihm gesprochen und ihm ein Wort von Dank oder so etwas gesagt – aber freilich , der kümmert sich ja um nichts in der Welt ! Er sieht immer aus , als ob er eben erst aus dem Schlafe käme , und als ob es ihm die schrecklichste Mühe machte , Jemand auch nur anzusehen , und wenn er wirklich einmal nicht schläft , dann liegt er den ganzen Tag auf seinem Sopha und schaut sich die Decke an – “ „ Laß mir den jungen Herrn in Ruhe ! “ unterbrach sie der Schichtmeister heftig . „ Den hat sein Vater auf dem Gewissen ! Von Kindheit an hat er ihm ja allen Willen gethan und sich alle Unarten gefallen lassen , hat ihm täglich vorerzählt , wie reich er einmal werden würde , und Hofmeister und Bedienten fortgejagt , wenn sie dem Jungen nicht pariren wollten . Später , als er größer wurde , da durfte er ja nur noch mit Grafen und Baronen umgehen ; das Geld wurde ihm haufenweise zugesteckt , und je toller er es trieb , desto mehr freute sich der Vater . Da soll das bischen Herzensgüte nicht darauf gehen bei solch einem jungen Menschen ! denn gut war der Arthur , das laß ich mir nicht nehmen , der ich ihn so oft habe auf den Knieen reiten lassen , und ein Herz hat er auch gehabt . Ich weiß noch , als er damals nach dem Tode der Mutter in die Stadt sollte , wie er mir da um den Hals fiel und seine bittersten Thränen weinte , und nicht fortzubringen war , trotzdem Herr Berkow bat und streichelte und versprach , was es nur in der Welt gab ; ich mußte ihn selbst in den Wagen tragen . Freilich , als er erst in der Stadt war bei den Bonnen und Hofmeistern , da war ’ s aus , das nächste Mal gab er mir nur noch die Hand , dann ist er immer vornehmer , immer kühler geworden , und jetzt – “ es zuckte ein beinahe schmerzlicher Ausdruck über die Züge des Alten , aber er schüttelte rasch die Weichheit ab . „ Nun , mir kann ’ s am Ende gleich sein , aber ich mag es nicht leiden , wenn Ihr bei jeder Gelegenheit so über ihn herfahrt , zumal der Ulrich , der einen förmlichen Haß auf ihn hat . Wenn man dem Eisenkopf auch so viel Willen gelassen und noch ein paar Hunderttausend dazu gegeben hätte , dann möchte ich wohl wissen , was aus ihm geworden wäre ! Was Gutes sicher nicht ! “ „ Vielleicht was schlimmeres , Vater ! “ sagte Ulrich herb , „ aber solch ein Weichling gewiß nicht , darauf kannst Du Dich verlassen ! “ Dem Gespräche , das schon wieder eine bedenkliche Wendung zu nehmen drohte , wurde jetzt zum Glück ein Ende gemacht . Es klopfte draußen an der Thür , gleich darauf trat ein Diener in der reichen , etwas überladenen Livrée des Berkow ’ schen Hauses ein und bot dem Schichtmeister einen Guten Tag . „ Die gnädige Frau schickt mich her ; ich soll Ihren Ulrich – Ah , da sind Sie ja , Hartmann ! Die gnädige Frau wünscht Sie zu sprechen , ich soll Sie auf heut Abend punkt sieben Uhr hinüber bestellen . “ „ Mich ? “ „ Den Ulrich ? “ Die beiden Ausrufe