, Franz ! Du – aber ganz allein ! « und sah mich mit ihren wie in schmerzlichem Abschied glänzenden Augen an . Die Wartefrau hatte ein krankes Kind zu Haus ; ich sandte sie fort bis auf die gewohnte Morgenstunde . – Als wir allein waren , setzte ich mich , wie ich pflegte , auf den Rand des Bettes und nahm ihr Haupt an meine Brust . Sie drückte sich sanft an mich heran : » O Franz , wie ist es gut , bei dir zu sein ! « Wir sprachen nicht ; es war noch eine lange , glückliche Stunde ; auch mein Herz begann wieder ruhig zu schlagen . Da schrie sie plötzlich auf : wie von Dämonen , die aber kein sterblich Auge sah , fühlte sie ihren Leib in meinen Armen geschüttelt ; mir war ' s , als wollten sie die Seele heraushaben und als könnten sie es nicht . » Franz , o Franz ! « Das war noch ein letztes Wort ; dann versagte ihr die Stimme , selbst der erlösende Schrei zerbrach vor den zusammengebissenen Zähnen . Da warf sie mit Gewalt ihr Haupt empor ich habe nirgend sonst , nie ein so von Qual verzerrtes Menschenantlitz gesehen ; nur aus den Augen , und flüchtig wie ein schießender Stern , traf jetzt ein Blick noch in die meinen ein Blick zum Rande voll von Verzweiflung und heißer verlangender Bitte . Sie mühte sich , ein Wort zu sagen ; sie konnte es nicht , und die Anfälle kamen immer wieder . Ich war wie niedergeworfen von all den holden Geistern des Lebens : Liebe , Mitleid und Erbarmen waren dem Hülflosen zu furchtbaren Dämonen geworden ; mir war , ich sei ein Nichts und nur bestimmt , das Elend anzuschauen ; da – fühlte ich plötzlich , daß ich das Fläschchen in meiner linken Hand hatte . Es durchfuhr mich ; ich hatte mein Weib noch immer in den Armen . Dann kam ein Augenblick ... « Der Erzähler stockte . » Franz « , schrie ich , » Franz , du hast dein Weib getötet ! « Er hob die Hand : » Still ! « sagte er ; » ich will das Wort nicht scheuen : ich habe sie getötet . Aber damals erschreckte es mich nicht ; ging doch das Leid zu Ende ! Ich fühlte , wie das junge Haupt an meiner Brust herabsank , wie die Schmerzen sanken ; noch einmal wandte sich ihr Antlitz , und – es mag ja Täuschung gewesen sein , mir aber war es , als säh ich in das Antlitz meines Nachtgesichts , wie es einstmals verschwindend von mir Abschied nahm ; jenes und meines Weibes Züge waren mir in diesem Augenblicke eins . Die Zeit meiner Jugend überkam mich ; das Abendrot brach durch die Scheiben und überflutete sanft die Sterbende und alles um sie her . Und nun jenes hörbare Atmen , das ich bei andern nur zu oft gehört hatte ; ich neigte mein Ohr an ihre Lippen , es war keine Täuschung , und noch in meiner letzten Stunde werd ich es hören : » Dank , Franz ! « – dann streckten diese jungen Glieder sich zum letzten Mal . « Franz schwieg ; er hatte schon vorher seinen Sofaplatz verlassen und sich einen Stuhl mir gegenüber hergeschoben . Ich hörte , wie in einem Bann befangen ; aber ich unterbrach ihn nicht mehr , ich wartete geduldig . » Wie lange ich so gesessen « , begann er nach einer Weile wieder , » die Tote in meinen Armen , weiß ich nicht ; nur eines entsinne ich mich : es mag noch vor dem Dunkelwerden gewesen sein , da war mir , als höre ich aus dem anstoßenden Wohnzimmer leise Schritte über den Teppich gegen unsere Tür kommen ; als sie sich ohne Anpochen öffnete , sieht unserer Freundin , Frau Käthes , teilnehmendes Antlitz in das Zimmer ; sie pflegte jeden Nachmittag der Kranken Trost und Erquickung zu bringen . Aber diesmal kam sie nicht ; ich sah plötzlich , daß die Tür wieder geschlossen war , und hörte ein herzbrechendes Schluchzen durch das Wohnzimmer sich entfernen . Die Gruppe , welche der Lebendige und die Tote miteinander machten , hatte ihr die Vernichtung meines Hauses kundgetan . Ich saß noch lange ohne Regung ; dann aber , als ich fühlte , daß es dunkel um mich her war und nur der Mondstreifen , welcher noch gestern Elsis lebendiges Herz erfreut hatte , wieder durch das Südostfenster hereinfiel , ließ ich den Leichnam aus meinen Armen auf das Bett sinken und verließ das Zimmer , das ich hinter mir verschloß . Mir ist noch genau erinnerlich , daß ich das Gefühl hatte , als ob ich auf Stelzen gehe , als seien meine Glieder nicht die meinen . So befand ich mich nach kurzer Zeit im Garten ; mir war , als müßte sie dort sein , da sie nicht mehr im Hause war . Ich ging zwischen den Rasen , zwischen den Tannen ; bald im Schatten , bald fiel das Mondlicht auf die Steige ; mitunter fuhr ein Nachtwind auf und führte eine Schar von fallenden Blättern durch die Luft ; weiße Scheine lagen hier und da auf Bänken oder Büschen ; aber von ihr war keine Spur , eine totenstille Einsamkeit war auch hier um mich herum . Mich schauerte , als ich laut und dann noch einmal ihren Namen rief . Ich wollte , ich mußte noch eine Lebensäußerung von ihr haben ; für das , was ich ihr getan hatte , waren auch ihre letzten Worte mir nicht genug . Ich stand und hielt den Atem an , um auch den kleinsten Laut nicht zu verlieren , aber nichts kam zurück , nichts , was ich mit den Sinnen fassen konnte : was ich besessen hatte – das hatte ich gehabt , das war