jede Karte fehl . » Tröste dich , Kurt ! « sagte der Junker Wulf , indeß er schmunzelnd die Speciesthaler auf einen Haufen scharrte : » Glück in der Lieb Und Glück im Spiel , Bedenk , für einen Ist ' s zu viel ! Laß den Maler dir hier von deiner schönen Braut erzählen ! Der weiß sie auswendig ; da kriegst du ' s nach der Kunst zu wissen . « Dem andern , wie mir am besten kund war , mochte aber noch nicht viel von Liebesglück bewußt sein ; denn er schlug fluchend auf den Tisch und sah gar grimmig auf mich her . » Ei , du bist eifersüchtig , Kurt ! « sagte der Junker Wulf vergnüglich , als ob er jedes Wort auf seiner schweren Zunge schmeckete ; » aber getröste dich , der Rahmen ist schon fertig zu dem Bilde ; dein Freund , der Maler , kommt eben erst von Hamburg . « Bei diesem Worte sah ich den von der Risch aufzucken gleich einem Spürhund bei der Witterung . » Von Hamburg heut ? – So muß er Fausti Mantel sich bedienet haben ; denn mein Reitknecht sah ihn heut zu Mittag noch in Preetz ! Im Stift , bei deiner Base ist er auf Besuch gewesen . « Meine Hand fuhr unversehens nach der Brust , wo ich das Täschlein mit dem Brief verwahret hatte ; denn die trunkenen Augen des Junkers Wulf lagen auf mir ; und war mir ' s nicht anders , als sähe er damit mein ganz Geheimniß offen vor sich liegen . Es währete auch nicht lange , so flogen die Karten klatschend auf den Tisch . » Oho ! « schrie er . » Im Stift , bei meiner Base ! Du treibst wohl gar doppelt Handwerk , Bursch ! Wer hat dich auf den Botengang geschickt ? « » Ihr nicht , Junker Wulf ! « entgegnet ich ; » und das muß Euch genug sein ! « – Ich wollt nach meinem Degen greifen , aber er war nicht da ; fiel mir auch bei nun , daß ich ihn an den Sattelknopf gehänget , da ich vorhin den Gaul zu Stalle brachte . Und schon schrie der Junker wieder zu seinem jüngeren Kumpan : » Reiß ihm das Wams auf , Kurt ! Es gilt den blanken Haufen hier ; du findest eine saubere Briefschaft , die du ungern möchtst bestellet sehen ! « Im selbigen Augenblick fühlte ich auch schon die Hände des von der Risch an meinem Leibe , und ein wüthend Ringen zwischen uns begann . Ich fühlte wohl , daß ich so leicht , wie in der Bubenzeit , ihm nicht mehr über würde ; da aber fügete es sich zu meinem Glücke , daß ich ihm beide Handgelenke packte und er also wie gefesselt vor mir stund . Es hatte keiner von uns ein Wort dabei verlauten lassen ; als wir uns aber itzund in die Augen sahen , da wußte jeder wohl , daß er ' s mit seinem Todfeind vor sich habe . Solches schien auch der Junker Wulf zu meinen ; er strebte von seinem Stuhl empor , als wolle er dem von der Risch zu Hülfe kommen ; mochte aber zu viel des Weins genossen haben , denn er taumelte auf seinen Platz zurück . Da schrie er , so laut seine lallende Zung es noch vermochte : » He , Tartar ! Türk ! Wo steckt ihr ! Tartar , Türk ! « Und ich wußte nun , daß die zwo grimmen Köter , so ich vorhin auf der Tenne an dem Ausschank hatte lungern sehen , mir an die nackte Kehle springen sollten . Schon hörete ich sie durch das Getümmel der Tanzenden daherschnaufen , da riß ich mit einem Rucke jählings meinen Feind zu Boden , sprang dann durch eine Seitenthür aus dem Zimmer , die ich schmetternd hinter mir zuwarf , und gewann also das Freie . Und um mich her war plötzlich wieder die stille Nacht und Mond- und Sternenschimmer . In den Stall zu meinem Gaul wagt ich nicht erst zu gehen , sondern sprang flugs über einen Wall und lief über das Feld dem Walde zu . Da ich ihn bald erreichet , suchte ich die Richtung nach dem Herrenhofe einzuhalten ; denn es zieht sich die Holzung bis hart zur Gartenmauer . Zwar war die Helle der Himmelslichter hier durch das Laub der Bäume ausgeschlossen ; aber meine Augen wurden der Dunkelheit gar bald gewohnt , und da ich das Täschlein sicher unter meinem Wamse fühlte , so tappte ich rüstig vorwärts ; denn ich gedachte den Rest der Nacht noch einmal in meiner Kammer auszuruhen , dann aber mit dem alten Dieterich zu berathen , was allfort geschehen solle ; maßen ich wohl sahe , daß meines Bleibens hier nicht fürder sei . Bisweilen stund ich auch und horchte ; aber ich mochte bei meinem Abgang wohl die Thür ins Schloß geworfen und so einen guten Vorsprung mir gewonnen haben : von den Hunden war kein Laut vernehmbar . Wohl aber , da ich eben aus dem Schatten auf eine vom Mond erhellete Lichtung trat , hörete ich nicht gar fern die Nachtigallen schlagen ; und von wo ich ihren Schall hörte , dahin richtete ich meine Schritte , denn mir war wohl bewußt , sie hatten hier herum nur in den Hecken des Herrengartens ihre Nester ; erkannte nun auch , wo ich mich befand , und daß ich bis zum Hofe nicht gar weit mehr hatte . Ging also dem lieblichen Schallen nach , das immer heller vor mir aus dem Dunkel drang . Da plötzlich schlug was anderes an mein Ohr , das jählings näher kam und mir das Blut erstarren machte . Nicht zweifeln konnt ich mehr , die Hunde brachen durch das Unterholz ; sie hielten fest auf meiner Spur , und schon hörete ich deutlich