seiner Länder diesseits und jenseits des Meeres . Ich will es Euch nicht verhalten , daß ich ihn auf manchem Ritte begleitet habe , den ich als ein anfänglich unter geistlicher Zucht Gewachsener lieber unterlassen hätte und welcher mir zeitweilig die Beichte erschwerte . Aber wollet bedenken , daß der König wenig sichere Leute um sich hatte und ich durch meine Treue auf geraden und krummen Straßen Hauszwist , ja Meucheltat und Giftmord verhütete . Denn Frau Ellenor war ein eifersüchtiger Teufel , ob sie auch selber ihrem Eheherrn keine Treue hielt . Sie bestach von Herrn Heinrichs Leihknechten , was sich bestechen ließ , dermaßen , daß ihr seine Absprünge alle bekannt wurden und sie ihre Nebenbuhler in feindseliger mörderischer Weise verfolgen konnte . Mehr als eine fand der König tot , oder sie verwelkte plötzlich in seinen Armen . So war es ihm billig zu gönnen , daß er an mir einen verläßlichen Knecht gefunden hatte . Eines Tages begab es sich , daß der König mit wenig Gefolge eine Birsch anstellte in einem entlegenen Forste , wo er , meines Wissens , sonst nicht zu jagen pflegte . Gegen Abend überfiel uns ein flammendes Wetter und trieb die Herren auseinander . Ich aber hielt mich bei dem König und fand für ihn Schutz unter einem ausgehöhlten Felsen , wo er den Wolkenbruch vorübergehen ließ . Als die Donner verrollt hatten und der Regen kaum noch durch das Laub der Eichen schlug , suchte ich den Weg , den wir hergekommen waren , fand ihn aber versperrt durch ein Wirrsal abgerissener Äste und bloßgewaschener Wurzeln , worüber die gelben Wasser eines ausgetretenen Baches sich wälzten . Ich ließ mein Hifthorn schmettern , doch von keiner Seite kam Antwort . Da befahl mir der König , nach derjenigen vorzuschreiten , wo der Wald sich lichte . Ich tat es und bahnte für ihn Pfad mit dem Jagdschwert . Bald sah ich die Glut der sinkenden Sonne purpurn vor mir auf den Stämmen blinken . Ich wandte mich um nach dem Könige , er aber drang ungeduldig an mir vorüber der rötlichen Helle entgegen , so heftig , daß ich Mühe hatte , ihm auf den Fersen zu bleiben . Da sah ich ihn plötzlich verwundert den Schritt hemmen . Am Waldsaume stand er unter den tröpfelnden Zweigen und lugte , die Augen mit der erhobenen Rechten beschattend , unverwandt in die untergehende Sonne hinaus . Ich hob mich auf den Zehen und reckte das Haupt über seine Schulter empor , und was ich erblickte , erschien mir als eine Verblendung und Zauberei , die in den nächsten Augenblicken zerfließen müsse . Auf einer goldgrünen Waldwiese stand ein Schlößchen , wie ich seinesgleichen wohl im Königreiche Granada gesehen hatte . Es war von hohen glatten Mauern aus gelbem Steine umgeben , über welchen eine kleine blauschimmernde Kuppel emporstieg und schlanke dunkle Baumspitzen ragten , die ich Zypressen genannt hätte , wären wir unter einem südlicheren Himmel gewesen . Das zierliche , feste Bauwerk war frisch und neu und glänzte im letzten Lichte wie ein Juwel . Der König verlor kein Wort , sondern ging mit raschen Schritten auf die schmale Pforte zu und klopfte mit dem Griffe seines Schwertes an . Nichts regte sich drinnen . Nun begann auch ich gegen das Holz des tief in einer Mauerwölbung verborgenen Tores zu hämmern . Da glaubte ich in der schmalen Spalte eines Seitenfensterchens ein altes Gesicht erscheinen und verschwinden zu sehen , und bald darauf wurden die Riegel geräuschlos zurückgezogen . Ein grauer Sachse öffnete und bog stumm und zitternd das Knie vor dem König . › Du , Äscher ? ‹ sprach ihn Herr Heinrich an und fuhr ungeduldig lachend fort : › Du wirst deinen König doch nicht draußen stehen lassen ? Ich bin naß und hungrig ! Wem gehört denn dieser schmucke Schrein ? Dem Kanzler ? Oder stehst du nicht mehr in seinen Diensten ? – Bei Sankt Jörg , ich muß glauben , der strenge Herr habe sich mit einer Waldfei eingelassen ! Welche Melusine hat ihm zu Lust und Ruhe dies da hingezaubert ? Flugs melde mich ihrer elfischen Lieblichkeit ! ‹ Nun erkannte auch ich den Alten und erinnerte mich , daß ich ihn einst in London mitten im Trosse des Kanzlers an unsrer Bognerwerkstatt vorübertraben sah . Dort war er mir aufgefallen durch sein schwermütiges Aussehen und seine schwarzen zusammengewachsenen Brauen unter weißem Haupthaar . Am Hofe hatte ich ihn hinter Herrn Thomas nicht wieder wahrgenommen . Der Sachse blickte den König mit flehenden Augen an und stammelte , das könne ihm das Leben kosten . › Bei meinem Königswort , das soll es nicht . Mich kann das Gebot , das du erhalten , nicht angehen ! ‹ drängte Herr Heinrich und setzte seinen Fuß über die Schwelle , während er mir einen Wink gab , draußen zu verharren . Äscher in seiner übergroßen Bestürzung wußte nicht , wohin zuerst sich wenden , bis ihn mein Herr mit majestätischen Worten zurechtwies : › Schließe dies Tor und melde deiner Herrin den Besuch und die Gnade ihres Königs ! ‹ Ich setzte mich wartend nieder und lehnte den Rücken gegen die Mauer . Mir war behaglich zumut in der Abendkühle und die Rast nicht unlieb . Das Abenteuer schien mir ergötzlich . Ich lachte unter meinem Bart über Herrn Heinrichs letzte erhabene Rede und lobte es in meinem Geiste , daß der Herr diesmal , in Anbetracht seines Hungers und seiner reifen Jahre , nicht als singender Troubadour vor der Pforte geblieben , sondern der Dame des Schlößchens , kurz und gut , seine Würde und königliche Herrlichkeit offenbaren ließ . Ich elender Tor ! Als sich nach geraumer Zeit die Pforte wieder öffnete und Herr Heinrich aus dem Bürglein trat , war es , obwohl das Jahr in der Sommermitte stand , tiefe Nacht geworden . Der Sachse schritt uns mit der Fackel den schmalen Pfad voran , auf welchem wir bald