... Euch wird sie ergreifen , Herkules Strozzi . Damit ist Euer Haupt verwirkt . Ich werde Euch richten . Nicht öffentlich , denn es ist eine Familiensache und eine Staatssache , die beide das Geheimnis fordern . Man wird Euch tot auf der Straße finden . ‹ – Hier erblaßte Bembo , und du sagst , daß auch ich blaß geblieben bin . – Unbeirrt und gemessen jedoch fuhr der Herzog fort : › Bembo , Ihr seid vor Gott und Menschen mein Zeuge , daß dieser nicht ungerichtet stirbt . Du aber , Herkules Strozzi , siehe zu , wie du der Herzogin und mir entrinnest ! ‹ Jetzt brachte ein furchtsamer Schreiber die Rolle für den Papst , und wir waren entlassen . Ich begleitete den Venezianer zu seinen Dienern und Pferden . Den Fuß schon im Steigbügel , flüsterte er mir zu : › Hüte dich vor dir selber , Herkules ! ‹ « Don Giulio schauderte . Strozzi berührte flüchtig seine Lippen und sagte : » Nun reise auch du schnell und glücklich ! « » Diesen Abend noch ! « » Nein , sobald du aus dem Schlosse trittst ! « sprach der Richter und stieg die Treppe hinunter , während der andere seinem Bruder , dem Kardinal , nacheilte . 5. Kapitel Fünftes Kapitel Diesen fand er mit dem Herzog in einer schmalen , hohen Kammer , die ein einziges großes Fenster erhellte . Es war ein geheiligter Raum , den zu betreten dem Hofe untersagt war . Die Wände waren mit Plänen und Karten bekleidet , und in der Mitte auf dem breiten Schreibtische , an dem der Herzog , die Stirn in die Hand gelegt , sich niedergelassen hatte , ruhte ein Globus . Sowie sich die Brüder vor ihm gegenüberstanden , blitzten sie , durch den bloßen Anblick ihrer Gesichter gereizt , sich feindselig an , und während der Herzog mit einem Zuge der Besorgnis zuhörte , überschüttete der Kardinal Don Giulio mit zornigen Worten . » Ich verlange « , rief er , » daß Eure Hoheit diesem Nichtswürdigen den Hof verbiete ; ich will , daß er Ferrara meide ewiglich und uns nicht länger das Ärgernis seiner Nichtigkeit und Straflosigkeit gebe . Er beschämt und entehrt unser Geschlecht ! Stoße ihn aus , Bruder ! « Unter so unerhörter Beleidigung zuckte Don Giulio zusammen . Er bäumte sich unter dieser Geißelung ; es war , als ob sich seine Züge vergrößerten und ein edleres Urbild durchschiene , das sich empört erhebe gegen solche Erniedrigung . » Kardinal « , sagte er , » was ich sündigte , habe ich mir gesündigt . Und ich weiß nicht , ob ein frei Genießender nicht schuldlos ist neben einem Staatsmann , der , wie ein Giftmischer , das Böse berechnend und wissenschaftlich zu seinen Zwecken braucht und verarbeitet . « » Diese Gedankenlosigkeit ist gerade , was ich dir vorwerfe , du trauriger Gegenstand ! « versetzte der Kardinal , » und daß du ohne jede geistige Freude dem gemeinsten Genusse frönst . Und darum , weil ich weiß , was du , Verworfener , Liebe nennst , verbiete ich dir Donna Angela ! Berühre sie nicht mit dem leisesten Atem , mit dem flüchtigsten Gedanken , denn – pfui deine Gedanken ! « Mit Tränen erwiderte Don Giulio : » Warum stoßest du mich in den Schlamm , daß ich darin ersticke , während du mich früher emporheben wolltest ? Warum hassest du mich so wild , der du einst den Knaben väterlich geliebt hast ? « » Das will ich dir sagen , Julius . Als ich , der zehn Jahre Ältere , dich als Kind neben mir sah , freute ich mich deines offenen Antlitzes und deines hellen Geistes . Herzgewinnend , schön , aufmerksam und begabt , schienest du mir ein unter günstigen Sternen geborener Este , uns geschenkt zum Gedeihen unseres Hauses und Staates , ein Labsal , eine Stütze für Tausende , und es war mein stolzes Bemühen in einer Zeit des Zerfalles , wo die Persönlichkeit alles ist , die deinige zu entwickeln . Jetzt , nach deinem kindlichen Aufglänzen , standest du , ein Jüngling , am Scheidewege ; da wandtest du dich ab von den Zielen der Ehre und Arbeit und verlorest dich völlig in Spiel und Lust . Dir gelang , deinen ganzen reichen Hort nutzlos und schädlich zu vergeuden . Nicht der Staat , nicht die Wissenschaft , nicht einmal der die Jugend entflammende Kriegsdienst vermochte dich zu gewinnen . Du tötetest deine Tage mit großen und kleinen Freveln ... ein kleinlicher und niedriger Geist . Du hast Raub begangen an deinem Hause , und da du ihm , Wechselbalg , keine Ehre mehr machen kannst , sondern es mit lauter Schande bedeckst , sähe ich dich wahrlich lieber tot als lebendig . Hast du dich doch selbst von uns losgesagt , als du dein Pratello , an das du grenzenlose Summen verschwendet hast , nicht mit unserem erlauchten Wappen , sondern mit leeren und sinnlosen Larven verziertest , wie du selbst eine bist . « » Bruder « , erwiderte niedergeschlagen Don Giulio , den sein Gewissen strafte , » höre auf , mich zu zertreten , weil ich meine Lebensfreiheit gebraucht habe . Es sind genug Este da , die dem Staate dienen ! Glaube mir , die Tugendlehre steht deinem Geiergesicht übel an ! – Über eines aber , Ippolito d ' Este , beruhige dich gänzlich « – und Don Giulio ermannte sich , einen Boden erreichend , wo er sich schuldlos fühlte – » über meinen Stand zu Donna Angela ! Ich schwöre dir « , er suchte nach einer gültigen Beteuerung , » so wahr unser Fürst und Bruder hier lebt ! Angela Borgia , die der Grund ist deines grausamen Hasses gegen mich , gehört nicht zu mir , sie geht mich nichts an , sie ist mir feind ! Ich biege ihr