des Sohnes . – » Von wem ist die Kapsel ? « fragte sie kurz . » Von einer Dame – « » Mein Sohn , junge Mädchen haben selten so viel Geld zu verschenken , « warf der Rat ein , indem er das Steingefunkel wohlgefällig hin und her spielen ließ ; – » will dir sagen , Felix , von wem das kostbare Andenken ist – von deiner alten Freundin , der Baronin Leo in Berlin ; eine ehrwürdig graue Locke ist drin – wie ? « » Nein , Onkel , eine glänzend braune , « entgegnete der junge Mann rasch , als sei ihm diese falsche Vorstellung unerträglich – ein stolz glückseliges Lächeln irrte dabei um seinen Mund ; aber gleich darauf stockte ihm der Atem ; er hatte die Entscheidung herbeigeführt ohne alle Vorbereitung , und nun standen ihm diese zwei Eisenköpfe gegenüber ; der eine , nur Spott und Hohn auf den Lippen , und der andere mit dem unwillig überraschten , durchbohrenden Blick – nie war ihm die Wolframsche Familienseele in beiden Gesichtern so vernichtend entgegengetreten , als in diesem peinlichen Augenblick . » Ich möchte den Namen der Dame wissen , « sagte seine Mutter lakonisch und genau mit der Beichtigermiene , die sie vor Jahren angenommen , wenn ihr Knabe in Gesellschaft eines fremden Kindes betroffen worden war . Sie las in den Zügen ihres Sohnes mit der ganzen Schärfe ihres Verstandes und Urteils ; sie sah auch jetzt , wie er mit qualvollen Gefühlen kämpfte , aber es blieb ihr auch kein Zweifel , daß er ihrer Nachsicht in bedeutendem Maße bedurfte , und das ließ sie ohne Rücksicht , unerbittlich vorgehen . » Mama , sei gut ! « bat er weich und flehentlich ; er ergriff ihre beiden Hände und zog sie gegen seine Brust . » Lasse mir Zeit – « » Nein ! « unterbrach sie ihn entschieden und zog die Hände aus den seinen . » Du weißt , ich mache stets sofort reinen Tisch , wenn ich eine Differenz zwischen uns bemerke – und hier liegt eine bedenkliche ! Glaubst du , ich lasse mich herbei , eine ganze lange Nacht über den dunklen Weg zu grübeln , den du offenbar gehst ? – Ich will den Namen wissen ! « – Die großen , blauen Augen des jungen Mannes funkelten auf in tiefverletztem Gefühl , aber er schwieg und strich sich , nach Fassung ringend , wiederholt mit der Rechten über die Stirne und die prachtvollen , aschblonden Haarwellen , die sie umrahmten . » Bist ja ein Hauptheld ! « warf der Rat derb und ironisch hin ; » tust ja gerade , als ginge es dir und dem braunen Lockenkopf an den Kragen . – Hm – ein Bettelmädchen ist ' s nicht , sie hat Brillanten zu verschenken ; aber mit der Familie , mit der Herkunft hat es seinen Haken – wie ? – Du hast alle Ursache , die Sippe zu verleugnen – du schämst dich – « » Schämen ? Ich sollte mich meiner Lucile schämen ? « fuhr der junge Mann rückhaltslos auf – um seine Selbstbeherrschung war es geschehen . » Lucile Fournier ! – Fragt nach ihr in Berlin , und ihr werdet hören , daß ihr der ganze junge Adel zu Füßen liegt , daß sie sofort in eines der ersten Grafengeschlechter heiraten könnte , wenn sie es nicht vorzöge , mir zu gehören ... Aber ich weiß sehr gut , daß eine exotische Blume nicht in den deutschen Ackerboden paßt , ich weiß ebenso , daß alles , was Kunst heißt , auf dem Klostergute schlecht angeschrieben ist ; ich habe mit hartnäckigen Vorurteilen zu kämpfen , und das machte mich für einen Augenblick befangen , nicht für mich selbst , sondern weil ich sicher bin , daß in der ersten Überraschung verunglimpfende Worte über mein Mädchen fallen werden – und die ertrage ich absolut nicht ! « Er schöpfte tief Atem und sah jetzt fest und furchtlos in das Gesicht seiner Mutter , welche , die Hand auf die Tischecke gestemmt , die erblaßten Lippen in den Winkeln tiefgesenkt , starr wie von Stein , ihm gegenüberstand . – » Luciles Mutter ist eine berühmte Frau , « setzte er kurz und entschlossen hinzu . » So ? ! « sagte gedehnt der Rat . – » Und der Herr Vater ? Ist der nicht berühmt ? « » Die Eltern leben getrennt , wie – « der junge Mann wollte sagen : » wie die meinen « – aber ein wildes Auflodern im Auge der Majorin ließ ihn die letzten Worte verschlucken . Nach einem augenblicklichen Schweigen sagte er rasch , wie um der unsäglich peinlichen Spannung sofort ein Ende zu machen : » Madame Fournier ist die Ballerina – « » Ach was , sprich doch deutsch , Felix ! « fiel der Rat mit zynischem Sarkasmus ein . » Sage : die Tänzerin , die mit kurzem Röckchen und nackter Brust abends über die Bretter fliegt – brr – « er schüttelte sich und lachte hämisch auf – » das wird die künftige Schwiegermama sein , Therese ! « – Mit strengem Vorwurf erhob er den Zeigefinger gegen die Schwester , und sein scharfgeschnittener Kopf erstarrte förmlich in dem menschenfeindlich finsteren Gepräge , das seine Mitbürger an ihm haßten . » Weißt du noch , was ich dir vor fünfundzwanzig Jahren prophezeit habe ? « fragte er . » Du wirst deine unverständige Wahl in deinen Kindern verwünschen – sagte ich nicht so , Therese ? Da ist ' s nun – das ist sein Blut , das leichte Soldatenblut ! – Nun schüttle das verhaßte Element ab , wenn du kannst ! « » Das kann ich freilich nicht mehr , « sagte sie tonlos , » aber die leichte Ware , die es mir ins Haus bringen will , die werde ich abschütteln – darauf verlasse