Geld heimgeschickt haben . Freilich , nachher ist er verschollen , und seine alte Mutter soll sich deshalb fast zu Tode grämen . « » Na , da hören Sie ' s ja , Herr Markus ! « bemerkte Frau Griebel , anzüglich mit dem Daumen nach dem Sprechenden zurückweisend . – » Und da verlangt der Mann auch noch , man soll solch einen unnützen Burschen , der nicht einmal Papier und Tinte für seine Mutter hat , womöglich für eine Respektsperson ansehen ! – Da kannst du warten , Peter ! « Damit kletterte sie brummend und schwerfällig die Treppe hinab , um ihre Petersilie in die Küche zu tragen . Herr Markus durchmaß unausgesetzt das Gartenhausstübchen , nachdem auch Peter Griebel in die nahe Laube gegangen war , wo ihm sein Töchterchen Butterbrot und Wurst und ein Gläschen Nordhäuser zum Frühstück auf den Steintisch gestellt hatte . Mit dem Brief des Amtmanns war die Erbschaftsangelegenheit , die der Zufall in die Hand des neuen Gutsherrn gespielt hatte , in eine neue Phase getreten . Heute morgen noch hatte er gemeint , durch eine Besprechung mit seinem Rechtsanwalt , kurz vor seiner Abreise , und ein paar Briefe von Berlin aus werde sich der letzte Wunsch seiner Tante leicht in Ausführung bringen lassen , ohne daß der ihm so antipathische persönliche Verkehr mit den Beteiligten notwendig geworden wäre ... Nun erschien aber eine ganz neue Person auf der Bildfläche – es war ja auch noch ein Sohn da , von welchem die Verstorbene eine sehr gute Meinung gehabt haben sollte , wie Peter Griebel wiederholt versicherte , und dennoch erwähnte ihn die letzte Verfügung mit keiner Silbe . War er vielleicht auch so nachgiebig und weichherzig wie seine Mutter und der gewalttätigen , rücksichtslosen Art und Weise des Amtmanns ebensowenig gewachsen , so daß die Erblasserin gefürchtet , auch in seiner Hand sei der letzte Notanker nicht gesichert ? – Demnach mußte die alte Dame eine große Achtung vor der Charakterstärke des Mädchens gehabt haben , unter dessen Hut sie die Zukunft der unglücklichen Jugendfreundin zu stellen gewünscht hatte . Herr Markus begriff diese Verblendung nicht . – Die Verstorbene war der unermüdliche Fleiß , die Tatkraft selbst gewesen ; auf dem Felde und im Milchkeller , in der Küche und im Laboratorium , am Krankenbett der Armen , wie am Schreib- und Arbeitstisch . hatte sie sich stets zur rechten Zeit finden lassen , und nie war es ihr in den Sinn gekommen , sich auch nur ein Band ihres Anzugs , oder das Haar von fremder Hand ordnen zu lassen ... Wie in aller Welt nun kam diese praktische , tätige Frau dazu , ein Mädchen mit einer solchen Aufgabe zu betrauen , von welchem er eben noch gehört hatte , daß es sich selbst in seiner jetzigen heruntergekommenen Umgebung fortgesetzt auf die verwöhnte Weltdame spiele , nicht Hand noch Fuß rege , um der verkommenen Wirtschaft aufzuhelfen , und auch noch Kammerjungferdienste von der Dienerin beanspruche , die sich von früh bis spät im Hauswesen wie auf dem Felde plagen mußte . Er verwünschte den » dummen Einfall « , infolgedessen er den alten Strickbeutel durchstöbert hatte – wäre er doch so weise gewesen , das urvorweltliche Ding mit seinem Inhalt unbesehen in der Kommodenecke vermodern zu lassen ... Nun war er auch noch so bodenlos albern , sich das Geschick der alten Frau auf dem Vorwerk zu Herzen zu nehmen und die gewissenhafte Erwägung für seine Pflicht zu halten ! ... So viel stand fest , die Frau Oberforstmeisterin hatte sich bei aller Klarheit und Schärfe in Charakter und Wesen ihrer erwählten Erbin gründlich getäuscht – möglicherweise war ihr eine Komödie vorgespielt worden . War es nicht geboten , ihren Mißgriff zu verbessern und doch lieber dem jungen Franz das kleine Erbe in die Hand zu geben ? – Wer bürgte denn dafür , daß sich für die » Weltdame « nicht sofort ein Freier fand , wenn die Erbschaft ruchbar wurde ? Dann zögerte Fräulein Erzieherin sicher keinen Augenblick , mitzugehen – Fremde säckelten den Nachlaß ein , und die arme Kranke auf dem Vorwerk hatte das Nachsehen . Voll Ärger fuhr er sich mit beiden Händen durch das Haar – nun blieb ihm doch nichts anderes übrig , als in einen sauren Apfel zu beißen und die Verhältnisse bei » Amtmanns « samt dem » Erziehungsfräulein « mit eigenen Augen zu prüfen . Er blieb tagsüber verstimmt und griff gegen Abend nach seinem Hut , um den Wald zu durchstreifen . – Das dunkle Laubdach über dem Kopf und verworrenes Rankengestrüpp zu Füßen , arbeitete er sich am liebsten durch das wilde Dickicht , und wenn der schwach moderige , aber kräftige Walderdengeruch aus den frischen Fußtapfen zu ihm emporhauchte und das aufgestörte , unabsehbare Blättergewoge unter seinen pfadbahnenden Armen wie empört aufrauschte , da mußte er ironisch lächelnd der Anlagen gedenken , die sein Vater dem kümmerlichsten Fleckchen der märkischen Sandbüchse abgerungen . Wie erlogen breitete sich dort das Rasengrün mit seinen Teppichbeeten vor dem Landhaus hin , und die glatten Wege der wie heuchlerische Kulissen aufgestellten Gebüsche endeten mit all ihren künstlerischen Windungen schließlich doch zur schreckhaften Enttäuschung in der Sandöde . Ein nur von den Forstleuten und den Holzfuhren benutzter Fahrweg trennte das Gebiet des Hirschwinkels von dem sogenannten Grafenholz , dem fürstlichen Waldrevier , und nahezu mit dieser Verkehrslinie schloß die Talsohle ab , und der herrliche Buchenbestand fing an , steil bergauf zu klettern ; nur noch ein steiles Stück Wiesengrund schmiegte sich zwischen ihn und den Weg , und auf diesem Rasenfleck stand das Haus des fürstlichen Forstwärters . Es war ein hübscher , neuer Ziegelbau mit großen , blanken Fenstern und einem weißen Holzzaun zur Seite , der ein kaum zwei Beete breites Stückchen Gartenland umschloß . Schon zweimal hatte Herr Markus auf seinen Streifereien hier halt gemacht , und auch heute blieb er stehen , als die roten Wände plötzlich aus dem Busch hervortraten