sprach , empörte mich dermaßen , daß ich ihm den Becher hätte entreißen und in den Brünnen schleudern mögen , wenn ich nicht befürchtet hätte , durch einen derartigen Auftritt das arglose Kind zu erschrecken . Ebenso widerwärtig wäre es mir aber auch gewesen , das holde Wesen den Becher aus den Händen des scheinheiligen Menschen nehmen zu sehen . Schnell entschlossen riß ich daher die kleine silbergestickte Mütze von meinem Kopfe , und dieselbe hastig umkehrend und mit Wasser füllend , reichte ich der jungen Fremden die improvisirte Schale dar . » Trinken Sie , mein Fräulein , « rief ich enthusiastisch aus , in meinem gewagten Spiel gegen Bernhard Alles auf einen Wurf setzend , » trinken Sie , und verschmähen Sie nicht die Gabe eines fahrenden Ritters ; trinken Sie und gedenken Sie dabei aller Derjenigen , denen Sie in Liebe zugethan sind ! « Das arme Mädchen befand sich in einer peinlichen Lage ; die wunderbar schönen Augen wanderten mit einem rührend stehenden Ausdruck von dem Einen zum Andern hinüber ; die zarte Röthe wich aus ihren Wangen , doch kehrte sie schnell in der Form von zwei runden , tiefrothen Maalen zurück , welche die Reize des schönen Antlitzes wo möglich noch erhöhten . Ich empfand das innigste Mitleiden , und dennoch hätte ich nicht vermocht , um ihr die Entscheidung zu erleichtern , zurückzutreten und meinem zufälligen Nebenbuhler den Vorrang zu lassen , um so mehr , da dieser , im sichern Bewußtsein seines Sieges , mit einem mitleidigen Lächeln meine triefende Mütze flüchtig betrachtete . Diese Scene dauerte keine Minute , denn die junge Fremde überwand ihre Verlegenheit schneller , als ich erwartet hätte . Sie bückte sich nämlich zu der Quelle nieder , und ihre kleine wohlgeformte Hand in das klare Wasser tauchend , sagte sie , die Augen verschämt niederschlagend : » Diogenes , von einem Hirtenknaben belehrt , verschmähte den Becher und trank aus der hohlen Hand ; dem Andenken meiner Lieben , « fügte sie dann kaum verständlich hinzu , indem sie einige Tropfen schlürfte , » und zur Ehre Gottes , « sprach sie etwas lauter , worauf sie die Hand zum zweitenmal in die Quelle tauchte und gefüllt an ihre frischen rochen Lippen führte . » Auf das Wohl der schönen Wanderin , die mit sicherem Scharfblick und überraschender Geistesgegenwart die richtige Mittelstraße zu finden wußte ! « rief ich aus , einige tiefe Züge aus meiner Mütze trinkend und demnächst den Rest , wie einen Sprühregen , rückwärts schleudernd . Die junge Fremde dankte durch ein leichtes Neigen ihres Hauptes und wendete sich ab , um sich zu ihrem Reitthier zu begeben . Sie hatte indessen noch keine zwei Schnitte gethan , als das laute Klirren , mit welchem Bernhard seinen Becher auf den Fliesen zertrümmerte , sie veranlaßte , noch einmal zurückzuschauen und sich dann mit beschleunigter Eile zu entfernen . Es war dies das erste , aber auch das letzte Mal , daß meines Wissens Bernhard sich von seinen Gefühlen hinreißen ließ und übereilt und unüberlegt handelte . Ich folgerte daraus den hohen Grad seiner Enttäuschung und daß er vielleicht schon seit Stunden an dieser Stelle auf die Gelegenheit gewartet habe , sich dem jungen Mädchen zu nähern . Weniger erklärlich war mir dagegen der Blick des giftigsten Hasses , der mich ganz flüchtig aus seinen düsteren Augen traf , und der Wohl kaum durch mein an sich harmloses Durchkreuzen seiner Pläne allein hervorgerufen sein konnte . Den Blick hätte ich ihm wohl vergeben , das absichtliche Erschrecken des jungen Mädchens dagegen erschien mir als ein unverzeihliches Verbrechen , welches die härteste Strafe verdiente . Meiner ersten Regung folgend , schritt ich daher um den Brunnen herum , und nachdem ich Bernhard mit unterdrückter Stimme einen nur mit Blut zu sühnenden Namen beigelegt , eilte ich , ohne ihn weiter meiner Beachtung zu würdigen , der Fremden nach . Ich traf bei ihr ein , als sie ihr Reitthier eben wieder bestiegen hatte und der Führer den Zügel ergriff , um den Weg nach der Ruine Godesberg hinauf einzuschlagen . Der Ausdruck des Schreckens war noch nicht aus ihrem lieben Antlitz gewichen , doch dankte sie freundlich und unbefangen , als ich sie bat , mir zu verzeihen , durch mein unzeitiges Dazwischentreten Veranlassung zu der so wenig ergötzlichen Scene gegeben und sie in eine so unangenehme Lage gebracht zu haben . Der Führer hatte sich unterdessen in Bewegung gesetzt , und da ich in ihren Augen zu lesen glaubte , daß ich eine Antwort von ihr zu erwarten habe , so nahm ich dies für die Erlaubniß , neben ihren , Thier herschreitend , sie begleiten zu dürfen . Fußnoten 1 Großvater . 3. Capitel . Die Weissagung Drittes Capitel . Die Weissagung . Ich las also in ihren holden Zügen eine freundliche Gewährung meines noch nicht ausgesprochenen Wunsches , doch bemerkte ich zugleich , daß sie , so lange die Quelle noch in unserm Gesichtskreise lag , zuweilen besorgt nach Bernhard zurückschaute , der , gesenkten Hauptes , wie in tiefen Betrachtungen , auf derselben Stelle stehen geblieben war . Wie bei ihm Alles auf schlauer Berechnung beruhte , war auch seine Stellung unstreitig eine mit Vorbedacht gewählte . Er setzte eben voraus , daß die junge Fremde , welche man mit einer schüchternen , geängstigten Taube hätte vergleichen mögen , sich nach ihm umsehen würde . Erst als die nächsten Hecken und Baumgruppen uns den Anblick Bernhard ' s entzogen , schien sie freier aufzuathmen , und sich mir mit einem fast kindlichen , aber etwas erzwungenen holdseligen Lächeln zuwendend , ging sie auf eine Unterhaltung mit mir ein . » Ich sollte es vielleicht nicht sagen , « begann sie , und ihre Wangen färbten sich vor einem letzten Anflug von Befangenheit etwas dunkler , » und doch darf ich auch wieder nicht ungerecht sein . Ich muß nämlich einräumen , daß Ihr zufälliges Dazwischentreten keineswegs die Bezeichnung eines unzeitigen