, zu dem meine Schwester erwartet wurde mit den Kindern , beorderte mich Großmutter zur Hilfe . Meine Schwester wollte nämlich , bevor sie zu uns in das Elternhaus kam , ihren Besuch mit den Urenkelchen bei den alten lieben Leuten abmachen , sie fand es praktischer als umgekehrt , aus Gründen , die mir heute nicht mehr gegenwärtig sind ; besonders aber galt es Großvaters Geburtstag . Ich fand das Forsthaus im Zeichen der Unruhe , selbst Großmütterchen schaffte wieder fleißig umher , in ihrem unmittelbaren Gefolge die › Neue ‹ , die schon im Hause war . » Kathrin hat erklärt , wenn ihr Auguste in die Küche komme , stehe sie nicht ein für ein ordentliches Essen , « berichtete Großmutter mir mit einem Seufzer , » und , « fügte sie hinzu , » ich fürchte , dieses Ungetüm läßt meuchlings den Braten anbrennen und die Mehlspeise zusammenfallen , wenn ich es erzwingen wollte , und schiebt dann alles auf die › Neue ‹ . Ich lasse sie lieber in Ruhe , dann kommen wenigstens gut zubereitete Gerichte auf den Tisch . Die Zeit wird ja wohl vergehen bis zum ersten April . « So herrschte denn trotz der » Neuen « Friede im Hause – ob aber auch in Kathrinens Herzen , das war die Frage . Sie sah zum Gotteserbarmen aus , antwortete kaum Ja und Nein , und sobald sie nur die Stimme von der » ollen Kreuzspinne « , wie sie die andere nannte , hörte , wurde sie grünlichgelb im Gesicht und zitterte vor Aufregung . Kam meine Großmutter in Sicht , so hielt sie in ihrer momentanen Beschäftigung inne und starrte der hübschen alten Frau nach mit vorwurfsvollen , in Tränen schimmernden Augen , schüttelte den Kopf und murmelte irgend etwas vor sich hin . Eine Stelle hatte sie noch nicht , wie mir der Kutscher verriet , der bedauernd hinzusetzte : » Ik glöw , sei nimmt sek dat tau Kopp un makt dumm Tüg . « In den Zimmern und Schlafstuben waltete die » Neue « bereits ihres Amtes . Großmutter sei riesig eingenommen von ihr , vertraute mir Großoater , was aber ihn beträfe , so käme Auguste ihm vor wie ein Schaf mit Drehkrankheit ; sie käme nämlich 57 immer wieder auf den nämlichen Punkt zurück trotz Belehrung eines Bessern . Er habe schon seine stillen Betrachtungen gemacht , und es solle ihn nur wundern , wie lange die Geduld seiner Anita vorhalte . Nach einem Weilchen hatte ich Gelegenheit , mich von der Wahrheit dieser Beobachtungen zu überzeugen . Auguste sollte den Tisch allein decken ; es war ihr schon zweimal gezeigt . Großmutter saß strickend und sie dabei beobachtend auf dem Fenstertritt und verfolgte jede ihrer Bewegungen mit den Augen . Ich , ihr gegenüber , häkelte und tat , als ob ich weiter nichts im Auge hätte als den herrlichen Hyazinthenflor zwischen den Doppelfenstern . » Auguste , « begann Großmutter plötzlich sanft , » ich sagte dir gestern , daß die Suppenlöffel oben quer vor dem Teller , an dessen Seite nur Messer und Gabel liegen sollen . « Auguste hielt inne , wandte ihrer Herrin ihr geistreiches , sommersprossiges Antlitz zu und sagte nach einem Weilchen : » Bei Nommels Großmutter mußte ich die Löffeln immer neben die Gabeln legen . « » Das glaube ich dir gern , aber bei uns liegt der Löffel oben , ich bin Stettens Großmutter . « Auguste tat zögernd , wie ihr geheißen , und als die Suppe auf dem Tische stand und Großvater gerufen war , vermißte die alte Dame die kleinen silbernen Löffelchen zu den Salzfässern . Auf ihr Klingeln trat Auguste an . » Die silbernen Salzlöffelchen , Auguste ! « » Ich – ich weiß nicht – « stotterte sie . » Suche auf dem Büfett . « Sie kramte umher , fand dieselben , legte sie auf den Tisch und sagte : » Nommels Großmutter nahm immer das Messer dazu – entschuldigen , Frau Oberförsterin . « Ich verbiß mir das Lachen , Großmutters Augen blitzten ärgerlich die » Neue « an , aber sie schwieg . » Wer , um Gottes willen , ist denn › Nommels Großmutter ‹ ? « fragte der Hausherr . » Nun fange du auch noch an von Nommels Großmutter ! « 58 rief die alte Dame gereizt . » Wenn du nur ahntest , wie oft mir diese Person schon als Muster aufgestellt worden ist ! Übrigens , « beruhigte sie sich selbst , » rührt mich diese Anhänglichkeit an die alte Frau . « Nach dem Vesper , so um vier Uhr , stiegen Großmutter und ich zu den Logierstuben hinauf , die den letzten Schliff erhalten sollten für unsere lieben Gäste . Auguste folgte uns mit einem Korb voll seiner lawendelduftiger Wäsche , mit Nadelkissen , Kerzen und Seife . Es gab nichts Trauteres als Großmutters Fremdenstuben im Giebelgeschoß , so reizend altmodisch , so behaglich , zumal jetzt , wo neben dem großen Bette zwei uralte kleine Gitterbettchen standen , in denen schon unsere Eltern und später wir geschlummert , und in denen nun die » herzigen Krabben « , wie die alte Dame ganz stolz ihre Urenkelein nannte , schlafen sollten . Bald war denn auch alles hergerichtet , blendend weiß bauschten sich die Betten , die Spitzeneinsätze der Bezüge ließen die grüne Seide der Kissen durchschimmern , überall zierliche Deckchen , und in einem Winkel des angrenzenden , zweiten Zimmers , das als Wohnstube gedacht war , damit der Lärm der kleinen Krabauter den alten Großpapa nicht störe , harrten Spielsachen auf dem Tischchen , die noch aus Großmutters Kinderzeit stammten , der künftigen kleinen Besitzer : ein Steckenpferd und ein Baukasten für den dreijährigen Buben und ein Gummipüppchen für das Kleinste . Auguste sah sich das alles schweigend an ; einigemal verriet sie ihre Unkenntnis mit Gegenständen feinerer Haushaltungen , im übrigen ging ' s so