und Unwetter des Herbstes , immer das bleiche Frauenbild vor Augen ! Den Morgen aber , da man sie zur Ruhe brachte , tobte ein Sturm daher , daß die Knechte , so den Sarg trugen , kaum zu stehen vermochten und die halbentlaubten Bäume sich ächzend bogen unter der Windsbraut Gewalt ; in den Lüften wirbelte der erste großflockige Schnee des kommenden Winters und streute seine leuchtenen Sternlein als weiße Blumen auf das dunkle Grün der Tannenkränze , mit welchen die Jobstin den Sarg geschmücket . Ich hatte die Stirn an die Scheiben meines Fensters gedrücket und schauete dem kleinen Zuge nach , wie er anitzt durch den Wettergraus dahin schwankte , aber mein Herz fühlete nichts und konnt ' nicht mehr schreien und jammern ; es war gestorben , Johannes , so kalt und todt , als jenes dort im Sarge . – Der Hund winselte neben mir ; das unvernünftige Thier fühlete gar wohl , was es verloren , aus der Halle aber scholl das Schreien und Klagen der Frauen . Da raffte ich mich empor , als der letzte Mann des Grabgeleites hinter den Bäumen verschwunden war , hieß mein Pferd satteln und ritt auf das Schloß , als ich aber Prinz Christian zu sprechen heischte , da ward mir der Bescheid , daß er in aller Frühe gereiset sei , es wußte aber Keiner wohin ; nur ein Brieflein , so Seine Durchlaucht für mich zurückgelassen , sei eben zu mir gesendet . Da wandte ich mich um , und ein spöttisch Lachen kam mir auf die Lippen , „ so ist ' s recht , “ sagete ich mir , „ treulos und feig , und der ist erlauchten Blutes ! “ Die Leute aber , denen ich begegnete , wichen mir aus und blickten mich schier entsetzt an , und ein jung Dirnlein hört ' ich sagen : „ Da siehet man , was eines Mannes Treue gilt ; vor einer Viertelstund ist die Frau eingesenket , und itzo reitet er dahin , als sei ihm nichts Böses geschehen – Mutter , ich nehm ' keinen Mann . “ „ Gott soll Dich behüten vor solch einem Unhold , “ war die Antwort der Alten . Daheim aber öffnete ich den Brief . „ Es ist das Beste “ , hieß es darinnen , „ es bleibet Alles zwischen uns für jetzt unausgesprochen ; denn annoch würdest Du es nicht ertragen , die Wahrheit zu hören . Ich gehe , dieweilen ich mich nicht mit Dir schlagen will . Auch itzo noch Dein aufrichtiger Freund – “ Das zu glauben , wäre wohl mehr gewesen , als von mir zu verlangen stund . Nach Jahren erst führete mich der Zufall an Friederikens Grab ; an jenem Tage war es , an dem ich sie einst heim geholt . Ich streifte umher , verzweifelter denn jemalen , ich war ein verlassener , finsterer Mann , den die Menschen flohen ; hatten doch die bösen Zungen wer weiß welche Märlein von mir herumgetragen , die mich als Ungeheuer , als einen Wütherich ausmaleten . – Unter einer uralten Eiche hatte man sie gebettet ; rings umher war Waldesrauschen , Waldesfrieden und feierliche Einsamkeit ; schmucklos und einfach war der aus Steinen errichtete Hügel , gegenüber dem Grabe aber hatten sie einen Durchhau gemacht , und in dem grünen Rahmen der Zweige erschien fern das herzogliche Schloß , und die Fenster leuchteten und blitzten herüber , als grüßeten [ 640 ] sie das einsame Grab , als wollten sie eifersüchtig über seinen Frieden wachen . „ Auch im Tode noch ! “ murmelte ich und wandte mich bitter lächelnd ab . Prinz Christian kehrete erst nach Jahren wieder heim , als ich zwar körperlich noch jung , aber ein Greis an meiner Seele geworden . Er zehret , Johannes , solch ein Jammer ; er macht alt vor der Zeit . Der Prinz trachtete mit mir zu sprechen ; ich wies ihn ab , maßen mein Herz vor Kummer und Zorn mich leichtlich hinreißen kunnt ' , die Ehrfurcht , die ich ihm als meines durchlauchtigsten Herzogs Bruder schuldig , zu verletzen ; meines Herzogs Bruder - weiter war er nichts mehr für mich . - Doch nicht einmal , hundertmal wiederholete er den Versuch , aber ich wußte ihm dennoch auszuweichen . Und wieder nach Jahren warf ihn ein hitzig Fieber danieder , und da sie mir sagten , es gehe mit ihm zum Sterben , ich möge kommen , da ging ich und stand an seinem Bette - nicht liebevoll und vergebend , nein , als ein Richter . Und da bekannte er mir , daß er sie still geliebet , schon ehe ich sie gekannt , doch daß sie niemalen davon erfahren ; nun habe er sie wieder erblicket als mein Weib und habe entdecket , sie sei nicht glücklich , und da sei ihm die Leidenschaft arg in Kopf und Herz gestiegen , also daß er nichts Anderes mehr gesehen als sie und ihr kummerschweres Antlitz . Und da er sie eines Tages in Thränen und Weh gefunden , habe er ihr , nicht mehr Herr seiner Leidenschaft , seine Liebe gestanden . „ Du weißt , Heinz , welchen Tag ich meine , “ setzte er hinzu , und sein farbloses Gesicht ward noch bleicher . „ Sie aber wies mich ab mit harten Worten , sie liebe nur Einen , sagte sie - Dich Heinz , Dich Heinz ! “ Er richtete sich in den Kissen empor nnd fassete meine Hände , „ Dich allein , Heinz ! “ wiederholte er mit vergehendem Athem , ihr Gram , ihr Kummer - sie meinte , Du liebtest sie nicht ; armer Heinz , Ihr habt Euch nimmer verstanden - unverstanden ! Das ist hart . “ Dann sank er matt in die Kissen zurück , und nach einer Weile flüsterte er nochmalen : „ Vergieb mir , Heinz , um ihres