, ebenso wie damals die Muhme mit dem Christian ; sie hatten von ihrer Kinderzeit geplaudert , und am Mühlensteg war er stehen geblieben . „ Gute Nacht , Fräulein Lieschen ! “ Sie hatte wieder lachen müssen ; „ Gute Nacht , Herr Army ! “ hatte sie sagen wollen , aber es kam nicht über die Lippen ; sie hielt ihm nur unsicher die schlanke Hand hin , die er wie ein alter Bekannter ergriff , und dann wandte er sich ab und ging , und sie bog sich über das Geländer und sah in das Wasser , auf dem der Mondschein in silbernen Streifen zitterte , und hörte die Nachtigall singen in den alten Linden – wie im Traume . „ Ob er wohl diesmal in die Mühle kommen wird ? “ fragte sie sich jetzt und sah hinüber zum Schloß . „ Ach ja , sicher ! Wenn nur Mutter nicht gerade morgen den längst besprochenen Besuch bei der Frau Oberförsterin machen will ! “ dachte sie . „ Nein , das wäre doch zu schade , und mitgehen müßte ich auf jeden Fall . “ Und so saß sie und träumte unter der alten Linde in der Frühlingsnacht , und der Mond lächelte still hernieder , als wolle er sie nicht stören in diesen seligen Jugendträumen ; er weiß es ja , der alte Geselle , daß sie so leicht , so leicht verwehen . – – Drüben im Schloß schimmerte noch bis spät in die Nacht gelber Lichtschein aus den Fenstern der alten Baronin . Sie saß in ihrer schwarzen Robe in den Sessel zurückgelehnt , und ihre Hände spielten mit dem weißen Tuche auf ihrem Schooße . „ Und Du sagst , Army , “ begann sie forschend zu dem jungen Officier , der ihr gegenüber saß , „ Tante Stontheim habe selbst den Wunsch geäußert , daß Blanka uns hier besuchen soll ? “ „ Nein , liebste Großmama , das wäre zu viel gesagt , “ erwiderte dieser „ Tante Stontheim ist eine eigenthümliche Frau , einen Wunsch äußert sie eigentlich nie ; sie sprach davon , daß die Fatiguen des Winters Blanka angegriffen haben , und richtete die Frage an mich , ob die Luft unserer Wälder gut sei , worauf ich natürlich , den Wink verstehend , sofort unsere Gastfreundschaft anbot . “ „ Sehr übereilt , mein lieber Army ! Ich muß gestehen , eine junge verwöhnte Dame hier in diesem öden einsamen Schlosse einigermaßen zu unterhalten , das dünkt mich eine schwierige Aufgabe . Es ist tactlos von der Stontheim , Dein Anerbieten anzunehmen , und noch dazu für diese Blanka . Sie kann nachher [ 691 ] ihrem Herrn Vater erzählen , wie Schloß Derenberg seine Gäste aufzunehmen vermag . “ Die Alte lachte bitter . Army schwieg ; er beobachtete einen Schmetterling , der um die Glaskuppel der Lampe flatterte . „ Wie sieht sie eigentlich aus , diese Blanka ? “ fragte die Großmutter nach einer Pause . Ueber Army ’ s Gesicht flog es plötzlich wie Sonnenschein . „ Wie soll ich Dir das beschreiben , Großmama ? Ich kann Dir nur sagen , Blanka ist eine außergewöhnliche Erscheinung ; man ist geblendet , wenn man sie zum ersten Male sieht , und je öfter man sie erblickt , desto mehr Fesselndes entdeckt man an ihr . “ „ Das ist ja die Ausdrucksweise eines Verliebten , “ bemerkte die alte Dame kühl ; „ meines Wissens hat sie nie Anlage zur Schönheit gehabt . “ Army wurde glühend roth unter den kalten Blicken der großen dunklen Augen . „ Sie ist eigentlich nicht schön ; sie hat so etwas – “ „ Genug ! “ unterbrach ihn die Baronin ungeduldig , „ sage mir lieber , wie denkt man über das Verhältniß der Tante zu Blanka und was diese zu hoffen hat ? “ „ Sie gilt für die einzige Erbin der Tante . Von großer Herzlichkeit der Beiden gegen einander habe ich übrigens in den vierzehn Tagen meines Dortseins zum Weihnachtsfest und zum Geburtstage der Tante nichts bemerkt . “ Die Baronin zuckte verächtlich die Schultern . „ Hast Du schon Deiner Mutter von dem zu erwartenden erfreulichen Besuch Mittheilung gemacht ? “ „ Nein , weder der Mama noch Nelly ; sie waren nicht allein – die Kleine aus der Mühle war bei Nelly . “ „ Natürlich ! Es ist unbegreiflich ! Ich habe mir ihre Gegenwart ein für allemal verbeten , aber leider ist sie das A und das O bei Deiner Mutter und Schwester , die in ihr einen Engel von Güte und Schönheit erblicken . – Aber , Army , wo um Alles in der Welt soll diese Blanka wohnen ? Woher soll ich die Bedienung nehmen ? “ „ Ich hatte an die Zimmer neben den Deinen gedacht , Großmama , und das Thurmzimmer zur Wohnstube ausersehen ; die Bedienung bringt Blanka mit , eine Kammerjungfer . “ „ Das Thurmzimmer ? Nimmermehr ! “ rief die alte Dame auffahrend ; ihr ohnehin bleiches Gesicht hatte in diesem Augenblick etwas beinahe geisterhaft Blasses . Army blickte sie erschreckt an . „ Wie Du willst , Großmama ! “ „ Mach ’ das mit Deiner Mutter ab ! “ fügte sie hastig hinzu , „ laß die Blanka wohnen , wo sie will ! Das Thurmzimmer bleibt verschlossen , so lange ich lebe . – Geh jetzt zur Ruhe ! Morgen sprechen wir weiter . “ Army beugte sich auf ihre Hand und ging dann hinaus . Draußen auf dem hallenden Corridor lag der Mondschein , der durch die vielen kleinen Scheiben der hohen Fenster voll auf die weißen Steinfließen fiel . „ Noch immer das alte Lied . “ sagte er leise , „ was das nur wieder heißen soll mit dem Thurmstübchen ? Und ich hatte mir so reizend ausgemalt , es für Blanka einzurichten – “ „ Für Blanka ! “ Er stand